Die Benko-Ruinen am Stachus und in der Fußgängerzone haben kurz vor Weihnachten neue Eigentümer gefunden, da möchte die Stadt bei der gewünschten Verschönerung der Innenstadt nicht zurückstehen. In der letzten Vollversammlung des Stadtrats in diesem Jahr löste sie die Blockade für die Neugestaltung des Georg-Kronawitter-Platzes, dem eher tristen Gelände vor dem Einkaufszentrum Hofstatt, nur einige Schritte von der Fußgängerzone entfernt.
Der Stadtrat verabschiedete am Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung mit großer Mehrheit einen Grundsatzbeschluss für einen Grundstückstausch, der dem Platz zu einem neuen und deutlich freundlicheren Gesicht verhelfen soll. Vorgesehen ist, dass die Inka Unternehmensgruppe (Inka) der Familie Inselkammer gegen eine Aufzahlung von etwa 60 Millionen Euro ein Areal für ein Bauvorhaben erhält. Im Gegenzug bekommt die Stadt einen Bereich, der als öffentlicher Platz und Durchgang von der Kaufingerstraße zur Hofstatt und ins Hackenviertel genutzt werden soll.

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Die Details zu der Einigung gehen aus einer nicht-öffentlichen Stadtratsvorlage hervor, die der SZ vorliegt. Mit dem nun gefassten Beschluss erhält das Kommunalreferat den Auftrag, auf dieser Basis einen Tauschvertrag auszuhandeln, der dann noch einmal dem Stadtrat vorgelegt wird.
Die Verhandlungen für diesen Grundstückstausch liefen seit Jahren zäh. Die Stadt fühlte sich offenbar von Inka unter Druck gesetzt, ihr deutlich wertvolleres Grundstück unter einem aus ihrer Sicht angemessenen Preis zu tauschen. Dazu zog sich im Sommer 2025 auch noch der zweite Partner für die Neugestaltung des Areals aus dem Vorhaben zurück.
Die Familie Hirmer wollte ursprünglich in Kooperation mit der Hammer AG von CSU-Stadtrat Hans Hammer auf dem Gelände des sogenannten Hirmer-Parkhauses ein neues Geschäfts- und Bürogebäude errichten, in das auch ein Ableger des Modehauses einziehen sollte. Doch nach einer internen Neuausrichtung und einem Streit in der Familie gab Hirmer diese Pläne auf. Die Stadt muss nun einen neuen Investor suchen, der das Gelände im Erbbaurecht übernimmt und bebaut.
Der Georg-Kronawitter-Platz, der früher Sattlerplatz hieß, soll schon seit etwa zehn Jahren attraktiver und Teil einer erweiterten Fußgängerzone werden. Auf Basis ihrer Vorstellungen ließ die Stadt für das ganze Areal vom namhaften Büro des Architekten Norman Foster einen Masterplan mit drei Neubauten erarbeiten, der eine „gemischte Nutzung von Einzelhandel, Dienstleistung, Büro und Wohnen“ enthalten sollte.

Die Stadt sollte dafür zuständig sein, den öffentlichen Raum aufzuwerten. Die Familie Inselkammer sollte ihr Grundstück, auf dem ein früheres Post-Gebäude steht, einbringen. Dort und in der Mitte des Platzes sollte Inka zwei Neubauten errichten. Am anderen Ende sollte das neue Gebäude von Hirmer entstehen. Sämtliche Parkplätze sollten von der Oberfläche verschwinden, dafür ist eine große Tiefgarage geplant. Dieser Masterplan ist weiter Grundlage der Planungen.
In der Inka-Holding ist man erfreut über den bevorstehenden Grundstückstausch und hofft, bereits im Jahr 2027 mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Nun gebe es „die notwendige Klarheit, um dieses Projekt gemeinsam mit der Stadt in die Umsetzung zu führen“, sagt Sven Ackermann, Projektleiter der Inka. „So können wir den Georg-Kronawitter-Platz städtebaulich neu ordnen und ihm eine Qualität geben, die der Bedeutung dieses Ortes gerecht wird.“

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Nun gibt es für den zentral gelegenen Ort, an dem der unansehnliche Siebzigerjahre-Betonklotz steht, eine neue Perspektive. Es ist der dritte große Verkauf einer früheren Benko-Immobilie in der Münchner Innenstadt innerhalb einer Woche.
Vor einigen Jahren hatte Inka vor, im Neubau auf dem ehemaligen Post-Grundstück ein Hotel zu bauen. Doch das steht inzwischen offenbar zur Disposition. „Wir schauen noch nach der richtigen Nutzung“, sagt Ackermann. Auch Büroflächen dürften an dieser extrem zentralen Stelle zu hohen Preisen vermietbar sein. Das mittlere Gebäude, ein markanter Kubus, der den Platz prägen würde, wurde ebenfalls schon vor Jahren als Standort für einen Apple-Store gehandelt. Auf die Frage, ob das noch aktuell sei, gibt Projektleiter Ackermann keinen Kommentar ab.
Und wäre Inka auch interessiert, das ganze Projekt zu übernehmen, also auch den dritten Bauteil, der an der Stelle des Parkhauses entstehen soll? „Dieser Teil wird ja von der Stadt ausgeschrieben, dann wird man sehen, ob das für uns interessant ist“, sagt der Inka-Manager Ackermann.
Denkbar wäre auch, dass die Hammer AG alleine oder mit einem Partner Interesse für das Areal des Parkhauses anmeldet. Sie dürfte in Vorbereitung des Deals mit Hirmer schon viel Zeit und Energie in das Projekt investiert haben. Anstelle einer Kooperation könnte sich Hammer eventuell auch einen Nutzer als Ankermieter suchen und auf dieser Basis einsteigen. Hammer äußert sich dazu nicht.
Vermutlich wird die Entscheidung über eine Vergabe des Grundstücks mit dem Hirmer-Parkhaus auch erst getroffen, wenn die rechtlichen Grundlagen gelegt sind. Bevor es losgeht mit den Bauarbeiten, muss das Planungsreferat nämlich mit den Investoren noch das Verfahren für einen neuen Bebauungsplan abschließen. Dieser muss dann auch noch im Stadtrat verabschiedet werden, was schon bis Ende 2026 oder Anfang 2027 dauern könnte. Erst dann gibt es das nötige Baurecht für die Arbeiten.
Einen kritischen Punkt will die Stadt zusammen mit dem Tauschvertrag ausräumen: nämlich wer die geplante mehrgeschossige Gemeinschaftstiefgarage errichtet, was in dieser beengten Lage ein technisch aufwendiges und somit teures Projekt wird. Dafür muss die Stadt auch ihr Grundstück, das mit dem Hirmer-Parkhaus, einbringen und sich an den Baukosten für die Tiefgarage beteiligen. Der ihr dabei zufallende Teil der Kosten soll etwa 40 Millionen Euro betragen. Möglicherweise verrechnen Stadt und Inka diese Summe mit der vereinbarten Aufzahlung aus dem Tausch. Dann würde die Kommune noch 20 Millionen erhalten. Überdies könnte die Stadt sich die Kosten für die Tiefgarage bei der geplanten Vergabe ihres Grundstücks im Erbbaurecht zurückholen.
Die Politik zeigte sich erleichtert, dass die Blockade mit dem Stadtratsbeschluss nun offenbar gelöst ist. „Wir bringen ein zentrales Innenstadtprojekt noch in diesem Jahr auf den Weg. Der Georg-Kronawitter-Platz ist ein Schlüsselort für die Altstadt“, sagte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD). Der Koalitionspartner ist ebenfalls froh. „Damit werden zentrale Ziele unseres Programms ‚Altstadt für alle‘ konkret umgesetzt: mehr Grün, mehr Raum für Menschen und eine lebenswerte Innenstadt“, sagt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher.
Und auch die CSU als größte Oppositionspartei zieht mit. Sie steht „für eine langfristige Entwicklung der Altstadt, für ein Miteinander von Handel, Gastronomie und moderner Stadtplanung“, sagte Fraktionschef Manuel Pretzl. Der Georg-Kronawitter-Platz werde nun „ein Leuchtturmprojekt“ für eine attraktive Münchner Innenstadt.

