Masi Wein-Bar:Wo das Genießen zelebriert wird

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Das Ambiente der Masi Wein-Bar mit dem langgestreckten Gastraum und den roten Sitzmöbeln überzeugt. (Foto: Catherina Hess)

In der Masi Wein-Bar gibt es echte Raritäten in Zehntelliter-Schlückchen - aber zu einem oft stolzen Preis. Bei den Speisen fällt es dem Lokal etwas schwerer, den Standard zu halten, den die Weinkarte vorgibt.

Von Felix Mostrich

Lokale, in denen Wein zelebriert wird, aber die Küche nur eine untergeordnete Rolle spielt, hat es in Deutschland immer schon gegeben. Ältere Münchner können sich an ein rundes Dutzend Weinstuben in der Stadt erinnern, die fast ausschließlich ihrer erschwinglichen Weine wegen besucht wurden. Von den Pfälzer Weinstuben in der Residenz abgesehen, hat sich keines dieser Lokale in der Stadt halten können. Umso überraschender ist, dass ausgerechnet aus Italien, dem Land, in dem die germanische Sonderform des Trinkens, das Zechen außerhalb der Mahlzeiten, eigentlich verpönt ist, die Initiative für ein Lokal kommt, in dem das Verhältnis zwischen Essen und Trinken ähnlich in Richtung Trinken verschoben ist wie in altdeutschen Weinstuben - allerdings auf deutlich ehrgeizigerem Niveau.

Die Masi Wein-Bar möchte dem in Deutschland so beliebten Pizza-Pasta-Italiener, der billige Weine ausschenkt, ein Gegenmodell gegenüberstellen. Das festlich moderne Ambiente des Lokals ist ganz auf die Kultur des Weingenießens abgestimmt. Der langgestreckte Gastraum mit den roten Sitzmöbeln mündet in ein Kabinett, in dessen Mitte, wuchtig wie ein Altar, die massige Skulptur eines Tisches steht, der zu Weinproben geradezu einlädt. Die gläserne Wand aber, die daneben in die Höhe ragt, öffnet sich in einen Nebenraum hinein, in dem Rotweine wie in einem Heiligenschrein auf der Idealtemperatur von 17,8 Grad gehalten werden. Allenfalls Sterne-Restaurants der oberen Preisklasse können mit Temperierschränken dieser Größenordnung prunken. Und allenfalls die Sommeliers solcher Lokale können über die Weine, die in ihren Kellern lagern, so viel Interessantes erzählen wie die Kellner der Masi-Wein-Bar über die ihnen anvertrauten Schätze.

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Angeboten werden nur Weine von international hochgeschätzten Spitzenerzeugern des Veneto und des Trentino, die sich für dieses Projekt zusammengeschlossen haben. Zu Masi, dem wohl bekanntesten Produzenten von Amarone-Weinen - er hat die Technik des Trocknens der Trauben vervollkommnet und die doppelte Fermentation eingeführt - gesellt sich beispielsweise Canevel, eines der wenigen Prosecco-Weingüter, das mitten im Kerngebiet Valdobbiadene liegt und ausschließlich Trauben der Originalrebsorte Glera verwendet. In ihrem gemeinsamen Lokal in München werden fast alle Weine, auch einige der teuersten - in Zehntelliter-Portionen - offen ausgeschenkt. Wer will, kann dort also einen der gereiften großen Rotweine aus dem Valpolicella probieren oder verschiedene Prosecco-Weine miteinander vergleichen und so den proseccotypischen Geschmacksfächer öffnen, der in den Massenerzeugnissen gleichen Namens stets verschlossen bleibt.

Der Gastraum mündet in ein Kabinett, in dessen Mitte, wuchtig wie ein Altar, die massige Skulptur eines Tisches steht, der zu Weinproben geradezu einlädt. (Foto: Catherina Hess)

Die edlen Tropfen haben ihren Preis

Doch Qualität hat ihren Preis. Das Probiergläschen Prosecco brut kostet hier 7,80 Euro, die gleiche Menge des Weins aus der flächenmäßig winzigen Lage Cartizze schon 14,80. Bei den Rotweinen kann der Preis für die edlen Tropfen, die gerade den Grund des Glases bedecken, schon mal auf stattliche 36 Euro steigen. Bis in diese astronomischen Höhen sind wir beim Testen natürlich nicht vorgedrungen. In den preislich deutlich darunter liegenden Kategorien aber haben alle Weine, die wir probiert haben - darunter Raritäten wie die von Masi wiederentdeckte, extrem tanninhaltige Rotweinsorte Osoleta - , überzeugt, ja begeistert.

Köstlichkeiten zum Knabbern: Calamari mit roten Kartoffelchips. (Foto: Catherina Hess)

Bei den Speisen ist es dem im Corona-Jahr oft halbleeren Lokal etwas schwerer gefallen, dem hohen Anspruch gerecht zu werden und den Standard zu halten, den die Weinkarte vorgibt. Am ersten Abend, einem Dienstag, waren mehrere Stammgerichte nicht verfügbar. Und auf einem der Teller, die wir damals bestellten, war eine Beilage durch eine andere ersetzt worden. Ein gewisses Rätsel gab auch der vergleichsweise preiswerte Wolfsbarsch auf (19,90), der seltsam trocken war. Mit der Entenbrust hätten wir uns sehr gut anfreunden können, wenn die mit Amarone aufgekochte, kompottartig üppige Johannisbeer-Sauce dem saftigen Stück Fleisch, über das sie gegossen war, nicht einiges von seinem Eigengeschmack genommen hätte (19,90). Dass mit Amarone-Wein Speisen nicht nur kräftig aromatisiert, sondern fast ganz neu gedeutet werden können, war beim Risotto des Hauses eindrücklich zu erleben. Der tiefdunkle Rotwein verfärbt die Reiskörner zwar in eine eher merkwürdige Richtung, doch im Zusammenspiel mit dem daraufgeschmolzenen Veroneser Bergkäse gibt er dem Gericht eine charakteristische Kraft, die zum Nachkochen einlädt.

Von den Vorspeisen haben sich die mit Jakobsmuschel- und Garnelenfleisch gefüllten großen Nudeltaschen mit den in Weißwein gebratenen Sepia-Tintenfischstücken besonders intensiv eingeprägt (22,90). Auch die fluffig leichte Kartoffel-Zitronen-Creme, auf deren gelbem Hügel gebratene Sepiastücke, frischer Thymian und Kleckse von nativem Olivenöl ein höchst appetitliches Muster bildeten, war hoch zu loben (16,90). Den Geschmacksgipfel erreichten wir aber mit den Tajarin-Eiernudeln und den hineingeschmolzenen und daraufgehobelten weißen Trüffeln (24,90). Von den Desserts sei zum Abschluss wenigstens der Pandoro aus Verona erwähnt, eine mit sündteurem Dessertwein getränkte und mit Schlagsahne dekorierte gebackene Scheibe aus Panettone-Teig, die in aller Schlichtheit verteufelt gut schmeckt (9,90 ).

Masi Wein-Bar , Adresse: Maximilianstraße 40, 80539 München, Telefon: 089/23032565, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11 bis 22 Uhr.

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