Verkehrskonzepte für die StadtSo soll Münchens Altstadt in Zukunft aussehen

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Das Kosttor nahe der Maximilianstraße: Der Platz soll noch grüner werden, Fußgänger und spielende Kinder sollen mehr Raum bekommen, Autos dafür weniger.
Das Kosttor nahe der Maximilianstraße: Der Platz soll noch grüner werden, Fußgänger und spielende Kinder sollen mehr Raum bekommen, Autos dafür weniger. (Foto: Visualisierung: Gehl Architects)
  • Das Münchner Mobilitätsreferat plant eine verkehrsberuhigte Altstadt namens "Altstadt für alle", bei der von 1900 Parkplätzen nur noch 1100 übrig bleiben sollen.
  • Am kommenden Mittwoch soll der Mobilitätsausschuss einen Grundsatzbeschluss zur Umgestaltung treffen, der als konzeptioneller Rahmen für weitere Planungen dient.
  • Die Bürgerinitiative Altstadt, Handwerkskammer und SPD kritisieren das Konzept und fordern mehr Parkplätze sowie bessere Einbindung der Anwohner.
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Mehr Grün, breitere Fußgängerwege, Kennzeichenerfassung und Parkplätze, die nach und nach von der Oberfläche verschwinden – das Rathaus befasst sich mit einem neuen Konzept für Münchens Mitte. Natürlich lässt die Kritik nicht lange auf sich warten.

Von Andreas Schubert

Der kleine Platz „Am Kosttor“ ist so ein Beispiel, wie sich das Münchner Mobilitätsreferat den neuen Look der Altstadt vorstellt. Hier, im Graggenauer Viertel südlich der Maximilianstraße, gibt es zwar bereits ein paar Bäume. Doch außen herum stehen und fahren: Autos. Das soll sich mit dem neuen Konzept einer verkehrsberuhigten Altstadt ändern. Der Platz soll noch grüner werden, Fußgänger und spielende Kinder sollen mehr Raum bekommen, Autos dafür weniger.

Weil der Terminus „verkehrsberuhigt“ sich zu kategorisch nach „Autos raus“ anhört, heißt das Konzept nun „Altstadt für alle“ – auch wenn es das Ziel bleibt, den Autoverkehr in Münchens Zentrum zu reduzieren. Das Mobilitätsreferat hat vom Münchner Planungsbüro USP Projekte und dem Kopenhagener Büro Gehl Architects einen Plan erarbeiten lassen, den diese bereits vor einem Jahr vorgestellt haben. Am kommenden Mittwoch soll nun der Mobilitätsausschuss des Stadtrats einen Grundsatzbeschluss zur Umgestaltung der Altstadt treffen.

Dem Beschluss würde nicht die sofortige Umsetzung folgen, er soll vielmehr ein „konzeptioneller Rahmen“ sein, der laut Mobilitätsreferat die Grundlage für die „detaillierte Betrachtung der einzelnen Teilbereiche“ bildet. Das heißt: Noch ist nichts konkret, die Vorschläge der Planer dienten aber als „Handlungsbaukasten“.

Grundsätzlich sollen aber nach und nach die meisten Parkplätze an der Oberfläche verschwinden, um Platz für mehr Grün- und Aufenthaltsflächen zu schaffen. 1900 Parkplätze im öffentlichen Straßenraum gibt es derzeit nach Angaben der Verwaltung in der Altstadt. Sie sollen nach und nach weichen, laut den bisherigen Plänen sollen rund 1100 für Anwohner und Besucher übrig bleiben, zumindest so lange, bis sich laut Vorlage „Alternativen etabliert“ haben, etwa in den Parkgaragen im Zentrum und im Umfeld der Altstadt.

Zählt man die privaten Stellflächen und die Parkplätze in öffentlichen Garagen zusammen, gibt es laut Studie 12 000 Stellplätze innerhalb der Altstadt und am Altstadtring. Nimmt man die Parkplätze der Parkhäuser im direkten Umgriff der Altstadt dazu, ergibt sich eine Anzahl von etwa 14 500 Stellplätzen.

Was die Umgestaltung des Zentrums angeht, sollen in großen Teilen der Innenstadt die Fußgängerwege verbreitert und die Bordsteine abgesenkt werden, um Barrierefreiheit herzustellen. So könnte etwa die Maximilianstraße zum begrünten Boulevard werden, dort wo heute am Straßenrand vor allem teure Autos parken.

Heißer Kandidat für Tempo 20 wäre etwa das Tal

Die Straßen im Zentrum sollen zudem in vier verschiedene Kategorien aufgeteilt werden. Da wären erstens die „Stadtstraßen“, die als Zufahrt der öffentlichen Parkgaragen dienen, hier soll maximal Tempo 30 gelten, umgesetzt werden könnte das am Oberanger oder in der Maximilianstraße. Umliegende Verkehrswege sollen teilweise zur „Altstadtstraße“ umgewidmet werden. Hier sollen nur noch Anlieger mit maximal Tempo 20 unterwegs sein dürfen, das Parken soll nur noch mit Ausnahmegenehmigung in gekennzeichneten Flächen frei sein. Heißer Kandidat dafür wäre etwa das Tal, wo auch eine teilweise Einbahnregelung Richtung Marienplatz vorgesehen ist.

Dann gibt es die klassische Fußgängerzone, wo kurzfristig keine Erweiterung absehbar ist. Eine echte Neuerung wären die „Fußgängerzonen mit Kommunaltrasse“, auf denen nur noch Passanten flanieren und öffentlicher Nahverkehr sowie Fahrräder fahren dürfen. Das könnten etwa ein Teil der Prälat-Zistl-Straße und das Rosental bis Oberanger sein, die Zufahrt zum Parkhaus Schrannenhalle bliebe erhalten. Weiterhin zum Konzept gehören der Erhalt von Lieferzonen und flexiblere Lieferzeiten, um den Lieferverkehr zu entzerren.

Was im Herbst vergangenen Jahres noch wie ein konsensfähiger Kompromiss schien, stößt nun doch wieder auf Widerstand, etwa von der Bürgerinitiative (BI) Altstadt. Die begrüßt unter anderem zwar ausdrücklich, dass sich das Mobilitätsreferat von der Idee verabschiedet hat, die Altstadt in „Kammern“ einzuteilen, die nur noch von bestimmten Richtungen befahrbar gewesen wären, den Durchgangsverkehr aber ausgebremst hätten. Weiterhin befürwortet sie, dass die Stadt die Möglichkeit einer digitalen Einfahrtskontrolle prüfen will. Vorbild wäre die Kennzeichenerfassung wie in italienischen Städten, doch das ist derzeit datenschutzrechtlich noch nicht möglich.

Skeptisch sieht die Initiative die breiten und abgesenkten Fußwege und fordert den Erhalt von mehr Parkplätzen am Straßenrand, um unter anderem auch die Anfahrt zu den Hunderten Arztpraxen im Zentrum zu gewährleisten. Zudem zweifelt die Initiative an der angegebenen Anzahl der Parkplätze an der Oberfläche, da hier die Schanigärten im Zentrum nicht berücksichtigt seien, außerdem glaubt sie, dass das Angebot in Parkhäusern für die Anwohner nicht ausreichend wäre. „Die Beschlussvorlage in ihrer bisherigen Form nimmt den Altstädtern nicht die Sorge, dass die geplante Umgestaltung nur auf eine ‚Altstadt für alle Fußgänger‘ hinausläuft, also im Ergebnis wieder eine riesige Gehzone, die der Innenstadt irreparable Schäden zufügt und im Umbau enorm teuer ist“, heißt es in der Stellungnahme der BI.

Kritiker fürchten, dass die Innenstadt nicht mehr erreichbar wäre

Auch die Handwerkskammer, der Handelsverband Citypartner und der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga befürchten, dass mit dem neuen Konzept die Innenstadt nicht mehr ausreichend genug erreichbar wäre. Letzterer sieht zum Beispiel die Anfahrt zu Hotels und deren Stellplätzen gefährdet. Auch die SPD im Rathaus sieht bei der Vorlage noch Nachbesserungsbedarf.  Sie fordert etwa, dass Daten zu Stellplätzen, vor allem in Tiefgaragen, aktualisiert und dem Stadtrat erneut berichtet werden. Außerdem schließt sich die SPD der Forderung der Anwohner und Gewerbetreibenden an, dass diese bei allen nächsten Schritten zur Neugestaltung des Zentrums „eng und mitentscheidend“ eingebunden werden sollen.

„Wer das Auto in der Altstadt zwingend benötigt, muss auch künftig nicht darauf verzichten“, sagt Fraktionschefin Anne Hübner. Die CSU lehnt die Vorlage nach derzeitigem Stand ab. Die Änderungsvorschläge der SPD gingen in die richtige Richtung, sagt die verkehrspolitische Sprecherin Veronika Mirlach. „Doch für uns bleiben noch zu viele Fragen offen.“ Mona Fuchs, Fraktionschefin der Grünen, meint hingegen, nun liege „ein rundes Konzept vor, das die unterschiedlichen Bedürfnisse in ausgewogenster Weise zusammenbringt“.

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