Spinnen sie in München? 90 000 Euro oder noch mehr wollen sie für einen einzigen zusätzlichen Baum ausgeben? Irre! Dieses Urteil liegt erst mal nahe angesichts der Pläne fürs Pflanzen zusätzlicher Bäume in der Fußgängerzone. Es wird teuer. Sehr teuer. Die geplanten gut 150 neuen Bäume in der Altstadt werden einige Millionen Euro kosten. Muss das sein, in Zeiten, in denen die Stadt an allen Ecken und Enden spart?
Ja, es muss sein. Alles andere würde noch teurer werden. Der Klimawandel wird München nicht verschonen. Die Sommer werden heißer und heißer, an Hitzetagen wird es immer unangenehmer, zum Einkaufen in die fast baumlose Fußgängerzone zu gehen. Von den Gesundheitsgefahren, vor allem für die Jüngsten und die Älteren, ganz zu schweigen. München muss rasch beginnen, seine Altstadt zu kühlen.
Das kostet viel Geld, doch die Rendite ist garantiert. Ist ein Baum mal gepflanzt und gut gepflegt, spendet er über Jahrzehnte Schatten, und schön ist er obendrein. Auch die Geschäftsleute in der Fußgängerzone werden davon profitieren, wenn die Menschen gerne zum Einkaufen kommen. Deshalb sollten sie ihren Teil beitragen, die städtische Aktion „Schatten spenden“ läuft weiter.

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In dem Format besprechen zwei Hosts jeden Donnerstag die aufregendsten Themen der Stadt. Dazu gibt es Gastro-Tipps und die Good News der Woche. Was in der ersten Folge geboten ist.
Bei aller Notwendigkeit – die Millionen-Bäume sollten im Rathaus Anlass zum Nachdenken sein. Auch in anderen Großstädten ist das Pflanzen in den Fußgängerzonen nicht billig, doch fast alle der von der SZ stichprobenartig abgefragten Städte schaffen es nach eigenen Angaben locker zum halben Preis. Ja, in München ist fast alles teurer als anderswo. Aber so viel? Warum?
Nachdenken sollten auch die Denkmalschützer. Laut Baureferat haben sie sich noch vor 15 Jahren geweigert, die gewünschten Bäume in der damals zum Umbau anstehenden Sendlinger Straße zu akzeptieren. Wenn der Denkmalschutz dem Menschenschutz im Wege steht, muss man umsteuern. Mag sein, dass ein Baum mitunter die Sicht auf ein Denkmal behindert. Aber umgekehrt, was nutzt die freie Sicht auf eine Fassade, wenn es auf dem Weg davor unerträglich heiß ist, sodass sich niemand gern in dieser Straße aufhält? Dann bleiben, zugespitzt formuliert, Denkmäler in einer menschenfeindlichen Stadt übrig.
Man nehme umgekehrt das Beispiel Frauenkirche: Im Sommer ist der Frauenplatz einer der angenehmsten in der City, weil große Bäume Schatten spenden. Wen stört es, dass dort der Dom, das Münchner Wahrzeichen, wegen des Blätterdachs nicht ungehindert zu sehen ist? Immerhin, der Denkmalschutz scheint sich zu besinnen und stimmt den neuen Bäumen zu. Bitte weiter so: Bald steht die Umgestaltung Odeonsplatz und Ludwigstraße an. Diese Asphaltachse sollte grüner werden.
Auch die Stadt selbst sollte sich manche Planung nochmals anschauen. Die ÖDP weist zurecht auf den Vorplatz des irgendwann hoffentlich fertigen Hauptbahnhofs hin. Münchens Eingangstor könnte im Sommer zur Hitzehölle werden. Es ist an der Zeit, an diesem zentralen Ort möglichst viele Bäume vorzusehen. Je länger man wartet, desto unangenehmer wird es. Für die Stadtkasse, aber vor allem für die Menschen in München.


