Münchens Vergangenheit:"Wir zeigen den Menschen hier ihre eigene Geschichte"

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Münchens Vergangenheit: Medizinische Fundstücke: Elke Bujok in der Ausstellung in der Kranich-Apotheke.

Medizinische Fundstücke: Elke Bujok in der Ausstellung in der Kranich-Apotheke.

(Foto: Robert Haas)

Ein Ausstellungsprojekt präsentiert archäologische Fundstücke von verschiedenen Baustellen. Nicht in einem Museum - sondern in der Frauenkirche und in Schaufenstern der Innenstadt.

Von Franz Hausmann

Wenn Eleonore Wintergerst über Tongefäße und Destillierhelme, über brüchiges Glas und Quecksilbersalben spricht, ist sie in ihrem Element. Was wohl sonst nur auf manch dubiosem Flohmarkt zu finden wäre, rettet sie aus zugeschütteten Abfallschächten, Latrinen und Brunnen, die unter München verborgen liegen. Wintergerst ist Archäologin - und als solche hatte sie in München in den vergangenen Jahren einiges zu tun. An allen Ecken und Enden der Stadt wird gegraben und gebaut. Dabei erblicken viele Gegenstände wieder das Licht der Welt, die über Jahrhunderte im Boden verborgen waren. Gegenstände, die untersucht, katalogisiert und aufbewahrt werden.

Damit diese materielle Stadtgeschichte nicht nur einem engen Kreis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zugänglich ist, sind seit dieser Woche einige der Fundstücke ausgestellt. Nicht in einem Museum, sondern in Schaufenstern mitten in der Innenstadt. "Archäologie in München" heißt das Projekt der Archäologischen Staatssammlung, mit dem diese der Stadtgesellschaft ihre eigene Geschichte präsentieren möchte.

Eleonore Wintergerst und ihre Kollegin Elke Bujok sind Teil des Projekts, in dessen Rahmen auch in den vergangenen Jahren schon einige Exponate in der Stadt zu sehen waren. "Dieses Mal nehmen drei Apotheken und die Frauenkirche als Ausstellungsorte daran teil", so Wintergerst. Die Funde in der Frauenkirche haben einen eher religiösen Bezug, die Gegenstände in den Schaufenstern der Rathaus-Apotheke, der Kranich-Apotheke am Marienplatz (Untergeschoss) und der Apotheke im Tal stammen aus einem medizinischen oder kosmetischen Kontext. In der Apotheke im Tal gibt es beispielsweise Fragmente eines Destillationsapparates aus dem 16. oder 17. Jahrhundert zu sehen.

Bauen fördert Geschichte zutage

Wintergerst sagt: "Häufig sind es große Baumaßnahmen, etwa für die zweite Stammstrecke, bei denen die Gegenstände zutage kommen." So ist es auch wenig verwunderlich, dass viele der gezeigten Exponate von den Ausgrabungen am Marienhof stammen, wo gerade eine neue Bahn-Station entsteht.

Münchens Vergangenheit: Lebendige Vergangenheit: Gläser, die bei Ausgrabungen gefunden wurden.

Lebendige Vergangenheit: Gläser, die bei Ausgrabungen gefunden wurden.

(Foto: Robert Haas)

Viele der Exponate, die jetzt in den Apotheken und der Frauenkirche zu sehen sind, stammen aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Gerade das Mittelalter sei archäologisch lange Zeit gegenüber der Antike und der Vorgeschichte vernachlässigt worden, so Wintergerst. Seit den Achtzigerjahren sei das weniger der Fall. Von dieser archäologischen Entwicklung können nun auch die Münchnerinnen und Münchner profitieren, wenn sie die Gegenstände der sogenannten "Pop-Up-Ausstellung" betrachten. In den Schaufenstern und Vitrinen werden die einzelnen Objekte auch in Kontext zu ihrer Zeit und Funktion gesetzt. So sollen die Gegenstände erklärt und eine Verbindung von der Vergangenheit in die Gegenwart geschaffen werden.

Der lange Weg der Fundstücke endet mit ihrer Ausstellung vorerst dort, wo er angefangen hat: mitten in der Innenstadt. Dort sind die Objekte bis zum 31. Oktober 2022 zu sehen. Eleonore Wintergerst hofft, dass sich viele Menschen für die Ausstellung begeistern werden, denn: "Wir zeigen den Menschen hier ihre eigene Geschichte."

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