Barockes Ritual im Alten PeterPetrus ohne Papstkrone

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In der Stadtpfarrkirche Sankt Peter wird der Figur des Kirchenpatrons Petrus am Hauptaltar die Papstkrone abgenommen, die sogenannte Tiara.
In der Stadtpfarrkirche Sankt Peter wird der Figur des Kirchenpatrons Petrus am Hauptaltar die Papstkrone abgenommen, die sogenannte Tiara. Robert Haas

Bis ein neuer Papst gekürt ist, wird der Petrusfigur in der Stadtpfarrkirche die Tiara abgenommen. Der Pfarrer selbst begibt sich dafür auf eine Kletterpartie.

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Von mächtigen Säulen umgeben sitzt Petrus in Münchens ältester Stadtpfarrkirche Sankt Peter weit oben auf seinem gold funkelnden Thron. An diesem Sonntag hat er hier Besuch bekommen von Pfarrer Daniel Lerch. Einem alten Brauch aus der Barockzeit folgend hat dieser ihm die Krone abgenommen – als Zeichen dafür, dass durch den Tod von Franziskus die katholische Kirche derzeit kein Oberhaupt hat.

Wann dieses heilige Theater erstmals für einen verstorbenen Papst praktiziert wurde, hat sich aus den Annalen bisher nicht erschließen lassen, wie der Geistliche sagt. Aber es gehört zu den Gepflogenheiten dieser traditionsbewussten Pfarrei, daran festzuhalten.

Der seit 1987 im Alten Peter tätige Stadtpfarrmesner Peter Anton Zobel hat Erfahrung damit. Schon zweimal war er derjenige, der für diese feierliche Zeremonie in den Kirchenhimmel hinaufgestiegen ist. In den Gefilden hinter dem prächtigen Altar kennt sich der Mann aus, muss er doch regelmäßig mit dem Staubwedel für bleibenden Glanz von Engeln und Heiligen sorgen. Dieses Mal wollte indes der 51-jährige Pfarrer, ein begeisterter Bergsteiger, die Aufgabe übernehmen. Um in den insgesamt 20 Meter hohen Altar zu gelangen, muss der Geistliche erst im hinteren Bereich eine sechs Meter hohe Leiter hochsteigen.

Mehrere Leiter führen hinauf zur Petrusfigur und der Krone, die diese trägt.
Mehrere Leiter führen hinauf zur Petrusfigur und der Krone, die diese trägt. Matthias Balk/dpa
Die Krone ist aus vergoldetem Kupfer. Das Original aus dem Mittelalter war wertvoller.
Die Krone ist aus vergoldetem Kupfer. Das Original aus dem Mittelalter war wertvoller. Robert Haas

1492 schuf der Bildhauer Erasmus Grasser die gotische Holzfigur mit dem dichten Rauschebart und lockigen Haarkranz. Die mächtige Tiara bekam Petrus am 10. September 1733 aufgesetzt. Der Münchner Goldschmied Johann Michael Ernst schuf die Papstkrone, die ein stattliches Gewicht aufbringt. Da der Heilige einen leicht nach vorn geneigten Kopf hat, muss sie in der Rückwand verankert werden, um ihm nicht übers Gesicht zu rutschen. Besonders wertvoll sei das Stück nicht, fügt Kenner Zobel hinzu: aus Kupfer gefertigt, vergoldet, falsche Edelsteine.

Die echte, im Mittelalter gefertigte Krone sollte die Universalmacht des Papstes demonstrieren. Inzwischen kommt die „Tiara“ nur noch in Kreuzworträtseln vor. Paul VI. war der letzte Papst, der mit ihr 1963 gekrönt wurde. Ein Jahr später legte er sie ab. Demonstrativ schenkte das Kirchenoberhaupt seine Tiara den US-Katholiken als Dank für ihre großherzigen Spenden zu Gunsten der Armen. Seither wird diese in der Washingtoner Kathedrale „National Shrine“ aufbewahrt.

Unter meditativen Chorklängen bringt Pfarrer Lerch an diesem Sonntag die Papstkrone gut auf den Boden und trägt sie danach in einem feierlichen Prozessionszug durch die Kirche. Am Ende findet die Kopfbedeckung, die für ein echtes Menschenhaupt viel zu groß wäre, ihren Platz auf einem mit rotem Brokatstoff überzogenen Tischchen neben dem Marienaltar. Darüber hängt das vatikanische Wappen und ein Bild von Franziskus mit Trauerflor.

Zwischenlager auf Brokatstoff: Der Apostel Petrus gilt als frühestes Oberhaupt der christlichen Kirche – und damit sozusagen als erster Papst.
Zwischenlager auf Brokatstoff: Der Apostel Petrus gilt als frühestes Oberhaupt der christlichen Kirche – und damit sozusagen als erster Papst. Matthias Balk/dpa

Erst wenn in Rom der Ruf „Habemus papam“ erklungen ist, bekommt auch der Münchner Petrus wieder seine Krone aufgesetzt. Solange aber muss sich der Apostelfürst in Geduld üben und barhäuptig zu den Gläubigen hinunterblicken.

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