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Deutscher Alpenverein:Es gibt doch Unterstützung für eine neue Kletterhalle

DAV Kletterzentrum in München, 2019

Das Thalkirchner Kletterzentrum ist immer gut besucht - der DAV wünscht sich eine dritte Halle.

(Foto: Robert Haas)

Unverhofft bekommt der Deutsche Alpenverein positive Signale für seine Pläne, eine neue Kletter- und Boulderhalle zu bauen. Dabei war das Projekt eigentlich schon vom Tisch.

Und wieder schwingt die Stimmung um: Kurz vor dem Jubiläumswochenende bekommt der Deutsche Alpenverein (DAV) für seine Pläne für eine neue Kletter- und Boulderhalle auf dem Areal des Kletterzentrums München Süd (Thalkirchen) unverhofft Unterstützung. Dabei war das Projekt eigentlich schon vom Tisch. Die OB-Kandidatinnen der Grünen und der CSU fordern, das Projekt zu verwirklichen, beide Fraktionen sprachen sich in dieser Woche dafür aus. Die CSU hat im Stadtrat am Mittwoch sogar einen Antrag dazu eingebracht. Sie fallen damit dem Bezirksausschuss Sendling unversehens in den Rücken: Der hatte parteiübergreifend einstimmig gegen eine Erweiterung der Anlage gestimmt. Dessen Vorsitzender Markus Lutz (SPD) spricht von auf Wahlkampf fußenden Populismus.

Eine Halle etwas größer als die bisherige Freiluft-Boulderanlage "Der Schrein" wollte der DAV an deren Stelle im Kletterzentrum bauen. Der Bezirksausschuss befürchtete einen Eingriff in die Frischluftschneise. Außerdem ist der Parkdruck bereits hoch, Anwohner der Anlage sind strikt gegen eine dritte Halle. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass der Bauherr, der Verein Kletter- und Boulderzentrum München im DAV, nach dem zweiten Erweiterungsbau in der Grünanlage im Jahr 2011 erklärt habe, dies sei die letzte bauliche Erweiterung. Eigentlich hatte der DAV daraufhin Ende Juli seinen Bauantrag zurückgezogen. Denn auch die Lokalbaukommission hatte Ablehnung signalisiert.

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Michael Düchs, Mitglied im Vorstand des Vereins Kletter- und Boulderzentrum München, der von den Münchner Sektionen des DAV getragen wird, erklärte schon damals, dass der Rückzug eher einen taktischen Hintergrund hatte. Denn im Falle der Ablehnung hätte der DAV klagen müssen um sein Ziel zu erreichen - ein langfristige und teure Angelegenheit. Düchs erklärte, der Verein werde über seine Mitglieder die Stadt von dem Vorhaben überzeugen: über eine Online-Petition.

In dieser Woche steht der Alpenverein im Zentrum: Er ist in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden, das Jubiläum wird mit 1000 geladenen Gästen und Delegierten in München begangen. Dafür soll der Olympiaturm in der Farbe des Alpenvereins angestrahlt werden und als grünes Ausrufezeichen am Horizont leuchten. Gastgeber ist die Münchner Sektion, die mit der Sektion Oberland kooperiert - gemeinsam stellen sie mit 180 000 Mitgliedern den größten lokalen Verband im DAV. Damit ist der DAV Münchens zweitgrößter Verein. Rechtzeitig zur Festwoche hat die Online-Petition mehr als 10 000 Unterstützer gefunden - und vor allem auch das gesteckte Ziel erreicht, das Quorum von 6500 Münchnern.

Tausende von Menschen nutzten das Kletterzentrum Thalkirchen, so reagiert die Fraktionschefin der Grünen im Stadtrat, Katrin Habenschaden. Die Stadt sollte die Pläne zur Erweiterung des Angebots "daher unterstützen" und keine Steine in den Weg legen. Und Kristina Frank fordert, "mehr Bouldern in Thalkirchen" - unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit. Die sportpolitische Sprecherin der CSU im Stadtrat Ulrike Grimm stellte die Familienfreundlichkeit der geplanten Halle ins Zentrum und lobte, dass das begrünte Dach "mehr Grün" schaffe.

In der Zwickmühle sieht sich jetzt die Grünen-Stadträtin Anja Berger. Sie ist auch Mitglied im Bezirksausschuss Sendling. Sie habe sich umentschieden, gibt sie zu. Ein Besuch habe sie überzeugt. Dort habe sich gezeigt, dass keine Erweiterung, nur eine Sanierung im Bestand geplant sei. "Und dagegen ist ja nichts einzuwenden." Die Sendlinger Bedenken wegen des Parkdrucks teile sie nach wie vor, sagt Berger. Dagegen müsse vor der Umsetzung eine Lösung gefunden werden.

© SZ vom 25.10.2019/vewo
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