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München:Alle mal hinhören

*Oper für alle* 2015 abends Foto:Alessandra Schellnegger

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Tausende zelebrieren Live-Übertragung von Puccini

Es ist eine besondere Atmosphäre an diesem Freitagabend: Wie bestellt ist der Sommer zurückgekommen, eine laue und doch festliche Stimmung spannt sich über den Max-Joseph-Platz. Tausende zelebrieren hier noch einmal die Kultur bei "Oper für alle", der Live-Übertragung von Puccinis "Manon Lescaut" von der Bühne des Nationaltheaters auf den Platz davor. Die Klassikfans wollen mit zweien ihrer Lieblinge in die Ferien gleiten: Sopranistin Kristīne Opolais singt die Titelrolle, Jonas Kaufmann ihren Liebhaber. Der Münchner Tenor hat "Oper für alle" selbst einmal in den höchsten Tönen gelobt: "Für mich als Künstler ist es ein besonderes Erlebnis, einen Opernabend unter freiem Himmel in besonderer Atmosphäre zu teilen."

Das denken sich offenbar auch die Münchner: Schon Stunden vor Beginn der Aufführung machen es sich Hunderte mit Decken und Picknick-Boxen bequem, bald hat sich der Platz mit rund 10 000 Besuchern gefüllt. Mit Kaufmann leibhaftig sollten sie die Atmosphäre allerdings erst spät teilen dürfen: Der Auftritt der Stars auf dem Platz war erst gegen halb zwölf vorgesehen. Bis dahin dürfen die Besucher nicht nur Puccini lauschen, sondern müssen auch Thomas Gottschalk zuhören. Der plauderte im weißen Gewand über eigene Opernerfahrungen, zuletzt vergangene Woche beim anstrengenden Bayreuther Tristan.

Seit 1997 gibt es "Oper für alle", von Beginn an war BMW Finanzier der aufwendigen Übertragung. Die Resonanz darauf ist seit 18 Jahren derart positiv, dass der Fahrzeugbauer das Konzept erfolgreich exportiert. Seit 2007 gibt es in Berlin "Staatsoper für alle" Unter den Linden, seit 2012 ein Klassik-Open-Air auf dem Trafalgar Square in London. Mit gewissem Stolz empfängt denn auch Peter Mey, Leiter der BMW-Niederlassung München, Gäste, die er vor der Aufführung im Ionischen Saal des Nationaltheaters bewirten lässt. "Aus dem Projekt", so Mey, "ist eine Institution geworden." Zum Abschluss der Festspielsaison kommt noch mal Münchens klassische Gesellschaft zusammen, von Katja Eichinger bis Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, von Sunnyi Melles bis Ursula von Bayern, und natürlich der neue BMW-Chef Harald Krüger, ohnehin regelmäßiger Opern-Besucher. Staatsopernchef Nikolaus Bachler war entsprechend entspannt: "Schauen Sie auf diesen Platz, es geht einem das Herz auf." Christian Krügel/Foto: Alessandra Schellnegger

© SZ vom 01.08.2015 / kc
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