Allach:Parkplätze bremsen Pflegeheim aus

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Allach: 202 vollstationäre Pflegeplätze plus 18 Apartments für selbständiges Wohnen sollen an der Franz-Nißl-Straße entstehen.

202 vollstationäre Pflegeplätze plus 18 Apartments für selbständiges Wohnen sollen an der Franz-Nißl-Straße entstehen.

(Foto: Studiolux/Nickl Architekten)

Der Bau einer neuen Seniorenwohnanlage in Allach verzögert sich, weil laut Einschätzung der Behörde nicht genügend Stellplätze vorgesehen sind. Auch wenn die meisten der künftigen Bewohner vermutlich kein Auto haben.

Von Ellen Draxel

Bauvorhaben erfordern Geduld. Siegfried Benker ist sich dessen bewusst - aber die Art und Weise, wie "zäh und langwierig" das Genehmigungsverfahren beim Neubau für das Seniorenwohn- und Pflegeheim an der Franz-Nißl-Straße 5 voranschreitet, frustriert den Geschäftsführer der Münchenstift GmbH dann doch. Er würde gern endlich mit dem Bau beginnen, doch "es zieht sich und zieht sich". Wegen, wie er sagt, "kleinster Abweichungen" vom vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Abweichungen, die seiner Ansicht nach "schon vor Jahren geklärt" wurden.

Gemeint ist damit vor allem die Stellplatzfrage. "Wir sind bisher davon ausgegangen, 17 Stellplätze in der Tiefgarage und drei an der Oberfläche zu realisieren." Schließlich hätten die Menschen, die dort wohnen werden, ja gar kein Auto. Gefordert würden nun allerdings vier bis acht Parkflächen mehr. Wo der Raum für diese zusätzlichen Stellplätze herkommen soll, ohne Freiflächen zu opfern, ist dem Münchenstift-Chef schleierhaft.

Im städtischen Planungsreferat stimmt man Benker insofern zu, dass die Bewohnerinnen und Bewohner meist kein Auto hätten. Aber die "in einigen Punkten deutlichen Abweichungen" vom Bebauungsplan führten nun mal zu diesen Stellplatzmehrungen - zumal "angesichts der Lage des Seniorenpflegeheims am Stadtrand mit Besucherverkehr zu rechnen" sei. Die aktuell geplante Stellplatz-Lösung sei "hierfür nicht geeignet, da auch das umliegende Straßennetz den Besucherverkehr nicht aufnehmen" könne.

Trotz des momentanen Dissenses hofft Münchenstift, eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Stadt, im Herbst die Baugenehmigung zu erhalten. "Dann können wir spätestens Anfang 2023 mit dem Neubauprojekt starten." Ende 2024 soll das neue Heim, so es keine weiteren Verzögerungen gibt, schließlich bezogen werden können.

Der Holzfassaden-Komplex soll 65 Millionen Euro kosten

Allachs Lokalpolitiker jedenfalls haben dem Bauantrag vor Kurzem bereits zugestimmt. Die Planung, lobt Stefanie Martin, Vorsitzende des Unterausschusses Planung und Bau im Stadtteilgremium von Allach-Untermenzing, sei "erfreulich": Eine "gut gelungene Optimierung", die sowohl eine ausreichende Anzahl an Pflegeplätzen ermögliche, als auch Rücksicht auf die kleinteilige Bebauung in der Umgebung und das Straßenbild nehme. Nach Protesten von Anwohnern und Bürgervertretern hatte Münchenstift die erste Planung umstrukturiert. Statt eines massiven und hohen Gebäudes in H-Form mit vier Vollgeschossen zwischen dem Erdgeschoss und einem zurückgesetzten Terrassengeschoss sollen jetzt nur drei Zwischen-Etagen errichtet werden. Dafür werden ein Veranstaltungssaal, eine Cafeteria und die Tagespflege mit 20 Plätzen in einen zweistöckigen Bau entlang der Franz-Nißl-Straße ausgelagert.

202 vollstationäre Pflegeplätze, davon 90 Prozent in Form von Einzelapartments, soll es in dem neuen Holzfassaden-Komplex insgesamt geben. Plus 18 Apartments für selbständiges Wohnen, situiert im obersten Stockwerk. Und die Kosten? "Wir gehen derzeit von 65 Millionen Euro für das gesamte Projekt aus", sagt Benker. 32 Millionen Euro übernimmt die Stadt, weitere Zuschüsse kommen aus Fördertöpfen für nachhaltiges Bauen und hoffentlich vom Freistaat für die "pflegerische Versorgung im sozialen Nahraum". Für die Finanzspritze aus der Landeskasse habe die Münchenstift GmbH bislang allerdings keine Bewilligung, so der Geschäftsführer.

Dass das Ganze als "Quartiershaus" konzipiert ist, in dem auch das Leben des Viertels stattfinden soll, ist Siegfried Benker besonders wichtig. Man werde sich daher bei dem Vorhaben auf jeden Fall bemühen, verspricht er, "die Nachbarschaft mitzunehmen". Ist das Wohnheim erst einmal fertig, soll es mit einer Bushaltestelle an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden.

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