Virus-Infektion:Affenpocken: So ist die Lage in München

Lesezeit: 2 min

Virus-Infektion: Eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme des Affenpockenvirus.

Eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme des Affenpockenvirus.

(Foto: IMAGO)

Insgesamt sind bisher 160 Fälle in der Stadt bekannt. Die meisten Erkrankten hätten einen milden Verlauf, berichtet ein Infektiologe am Klinikum rechts der Isar. Geimpft werden derzeit nur Risikogruppen.

Von Melanie Strobl

In München sind derzeit 37 Menschen mit dem Affenpockenvirus infiziert, insgesamt zählt die Stadt bisher 160 Fälle. Nach Angaben des Gesundheitsreferats befänden sich von den aktuell Infizierten alle in Isolation. Wer sich nicht innerhalb der eigenen Wohnung isolieren könne oder keinen Wohnsitz in München habe, müsse beispielsweise in ein Hotel - die Behörde spricht dabei von einer "Absonderungslösung". Bisher sei das bei fünf Erkrankten der Fall gewesen.

Impfungen gegen das Affenpockenvirus werden bereits angeboten. Die Verteilung des Vakzins obliegt dem Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP), bisher erhalten es Schwerpunktpraxen sowie das Universitätsklinikum rechts der Isar. Dort wurden bereits vor über einem Monat die ersten Menschen gegen Affenpocken geimpft. "Es handelt sich um eine Infektionserkrankung. Deshalb müssen wir alles daran setzen, dass wir die Immunkompetenz stärken", sagt Christoph Spinner. Der Infektiologe am Klinikum spricht von einer steigenden Anzahl relevanter Fälle.

Bisher impfe das Rechts der Isar nur Risikogruppen, für die eine Impfung laut Ständiger Impfkommission (Stiko) empfohlen wird. Darunter fallen beispielsweise Labormitarbeiter, aber insbesondere auch homosexuelle Männer. In dieser Gruppe gebe es seit einigen Wochen eine deutliche Zunahme an Fällen, so Spinner. Bislang habe er im Klinikum nur männliche Patienten gesehen, die zuvor Sex mit anderen Männern hatten. Doch es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch Heterosexuelle betroffen seien. Gefährdet ist offenbar vor allem, wer häufig wechselnde Sexualpartner hat. Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet bisher von nur sieben Frauen, die sich mit dem Affenpockenvirus infiziert hätten.

"Wir sind mit der Nachfrage nach Impfungen sehr zufrieden", sagt Spinner. Das Problem sei eher, dass die Nachfrage vielerorts die Kapazitäten übersteige. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gebe es in München aktuell 1000 Impfdosen gegen das Affenpockenvirus. Am Rechts der Isar wurden bislang 310 Dosen verimpft. Eine Gesamtzahl, wie viele Impfungen gegen Affenpocken bisher in Bayern und in München verabreicht worden sind, liegt laut dem Ministerium nicht vor.

Virus-Infektion: Dr. Christoph Spinner, Infektiologe des Universitätsklinikums rechts der Isar.

Dr. Christoph Spinner, Infektiologe des Universitätsklinikums rechts der Isar.

(Foto: Robert Haas)

Das Affenpockenvirus überträgt sich nach bisherigem Kenntnisstand vor allem durch Körperkontakt. Ein typisches Symptom sind Pusteln, die sich auf der Haut bilden. Die meisten Verläufe seien so mild, dass die Erkrankten nicht in eine Klinik müssten, erklärt Spinner. "Die Patienten halten es zu Hause aus", sagt er. "Wenn notwendig hospitalisieren wir aber auch, zum Beispiel wenn der Rachen so stark betroffen ist, dass die Patienten Probleme mit dem Schlucken haben oder die Schmerzen ohne starke Schmerzmittel nicht auszuhalten sind."

Noch im Juli hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch der Affenpocken als "Notlage von internationaler Tragweite" eingestuft. Deutschland stehe mit seinem derzeitigen Impfangebot von insgesamt 40 000 Dosen im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa Spanien gut da, meint der Infektiologe. "Eine Eindämmung des Virus wird nur gelingen, wenn wir in der Hauptrisikogruppe genügend Impfungen verteilen." Das mache laut Spinner aber nur Sinn, wenn es in ganz Europa passiere.

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