München kann sich freuen. Ja, wirklich! Diese Adventszeit wird eine ganz besondere. Im Münchner Norden zum Beispiel, dort, wo früher Dampfloks repariert wurden und nun ein Oldtimer- und Sportwagen-Eldorado entstanden ist, das den bescheidenen Namen „Motorworld“ trägt, lässt sich fürs besinnliche Miteinander besonders schön zusammenrücken. Dort stehen „Kuschelhütten“, aus denen sich das Treiben auf dem vorweihnachtlichen Markt, der rundherum aufgebaut ist, für bis zu zehn Personen gemütlich beobachten lässt; Getränkeservice inklusive. Als herausragende Attraktion wird zudem nicht nur die größte Weihnachtspyramide Münchens versprochen, die 16,5 Meter misst, sondern auch der weltweit größte lippensynchron sprechende Elch, der es auf vier Meter Länge bringt und ein Stockmaß von 2,30 Meter. Die eigentliche Nachricht aber: All das lässt sich bereits ab dem 7. November erleben. Fast sieben Wochen Vorglühen auf den Heiligen Abend also.
Dass die Lebkuchen in den Regalen stehen, wenn die Kinder zum Schulstart aus den Ferien in die Stadt zurückkehren, ist inzwischen eine Tradition geworden, über die sich kaum jemand mehr wundert. Nun hat der Trend auch das Tannengrün erfasst. In den Schaufenstern in der Innenstadt stehen bereits auffallend viele Christbäume. Die Evolution der Kunststoffindustrie macht den frühen Start möglich. Und seit die Uhr umgestellt wurde, fallen im frühen Abenddunkel auch die vielen Lichterketten, Lichterschlangen und Lichternetze auf, die in den Schaufenstern schon zwischen die Waren gespannt wurden, die zu schönen Gaben werden sollen. Der Christbaum vor dem Rathaus wird am 6. November auf dem Marienplatz aufgerichtet. Den Trend zum Weihnachts-Frühstart hat München aber keineswegs exklusiv. Der Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger e.V. lädt in der ersten Novemberwoche nach Berg in Baden-Württemberg zur symbolischen Eröffnung seiner Hauptsaison in Anwesenheit von Ihrer Exzellenz, Sarah N., der amtierenden Weihnachtsbaumkönigin.
Über die ungeduldige Betriebsamkeit ließe sich leicht schmunzeln. Aber vielleicht muss man all das im größeren Zusammenhang sehen. Und wie so oft, wenn es ums große Ganze geht, kommt Markus Söder ins Spiel, Bayerns Ministerpräsident. Nach Münchens Ja zu einer Olympiabewerbung hat er in landesväterlicher Art erklärt, wie man das Votum einzuordnen habe, worauf in München jetzt schon die Vorfreude aufziehen sollte: auf den Dreierpack aus Sommerspielen, Paralympische Spielen und Wiesn – drei Highlights, dicht aneinandergepackt, 2036, 2040 oder 2044 vielleicht. Die Highlights nicht einzeln betrachten, sondern ein jedes ausweiten, bis es nahtlos ins nächste übergeht: So wird eine Vision draus! Ein längeres Frühlingsfest, ein längeres Oktoberfest, ein längerer Weihnachtsmarkt. Bisher wurde all das einzeln diskutiert. Vielleicht ist es an der Zeit, all das im söderschen Sinne zusammenzudenken. Dazu passt eine Schaufenster-Ankündigung aus Haidhausen in dieser Woche: „Hinweis! Diese Eisdiele bleibt bis Mitte Dezember geöffnet.“

