Radverkehr in München:Wo es für Schulkinder besonders gefährlich wird

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Der ADFC hat untersucht, wie gefährlich der Schulweg für Kinder ist, die mit dem Fahrrad fahren. (Symbolbild) (Foto: dpa)

Der Fahrradclub ADFC hat untersucht, wie riskant und unfallträchtig die Wege zu den Schulen in der Stadt sind. Eine Einrichtung in Lochhausen schneidet am schlechtesten ab.

Von Andreas Schubert

Viele Eltern in München fragen sich: Kann ich mein Kind mit dem Rad zur Schule fahren lassen? Denn im Stadtgebiet ist das Radfahren bekanntermaßen an vielen Stellen riskant. Entweder sind Radwege zu schmal, illegal zugeparkt oder sie fehlen ganz.

Am Dienstag hat der Fahrradklub ADFC eine Untersuchung der Gefahrensituationen rund um Bildungseinrichtungen in München vorgestellt. Die Fragestellung lautete: An welchen weiterführenden Schulen und Grundschulen sind die Schülerinnen und Schüler am meisten gefährdet? Um dies zu beantworten, hat der ADFC die Unfallzahlen und die Qualität der Radwege im Umkreis der Schulen ausgewertet und daraus einen „Gefahrenindex“ erstellt. 

Für den Gefahrenindex wurde die Länge der „sehr stressigen“ und „stressigen“ Strecken ausgewertet. Sehr stressig bedeutet, dass es auf viel befahrenen Straßen nur einen schmalen Radfahrstreifen, einen Schutzstreifen oder gar keinen Radweg gibt. Stressig bedeutet, dass der Radweg schmal und nicht komfortabel ist. Die Bewertung der Radrouten hat die Initiative Munichways des Umweltvereins Green City vorgenommen. Ein Überblick ist auf der Seite radwegplanung-muenchen.de des ADFC unter „Themen“ zu finden.

Für den Gefahrenindex der Grundschulen hat der ADFC neben der Qualität der Radwege und der Häufigkeit und Schwere von Unfällen (dazu zählen nicht nur Schulwegunfälle) auch die Unfälle mit Fußgängern berücksichtigt. Alle Angaben beziehen sich dabei auf den jeweiligen Schulsprengel. Die Zahl der polizeilich erfassten Unfälle bezieht sich auf den Zeitraum zwischen 2016 und 2022.

Die Grundschule am Schubinweg in Lochhausen kommt am schlechtesten weg. Aus der Qualität der Radwege leitet der ADFC eine sehr hohe Gefährdung der Schülerinnen und Schüler ab. Dabei seien die Unfallzahlen hier nicht die höchsten: Die Polizei zählte 24 verletzte Radler, eine Person wurde schwer verletzt. Fußgänger wurden in diesem Zeitraum einmal leicht, dreimal schwer verletzt. 

Michael Hälsig, Andreas Schön und Eva Mahling vom ADFC stellen die Studie zur Sicherheit von Schulwegen vor. (Foto: Stephan Rumpf)

Auch die Kinder in der Grundschule an der Dachauer Straße 98 sind laut ADFC stark gefährdet. Die Unfallzahlen sind dort sehr hoch: 25 schwer und 241 leicht verletzte Radfahrende gab es zwischen 2016 und 2022, zudem 15 schwer und 54 leicht verletzte Fußgänger. Hinzu kommen viele sehr stressige und stressige Radstrecken. 

Die Grundschule an der Lerchenauer Straße 322 in Feldmoching landet auf dem dritten Platz. Im Sprengel wurden fünf Radfahrende leicht und 21 schwer verletzt. Es gab zudem einen schwer und neun leicht verletzte Fußgänger. Der hohe Gefahrenindex trotz vergleichsweise niedriger Unfallzahlen ergebe sich aus der Vielzahl sehr stressiger und stressiger Radstrecken im Sprengel.

Bei den weiterführenden Schulen (hier zählen nur Radler für den Gefahrenindex) führt die Friedrich-List-Wirtschaftsschule an der Westenriederstraße die Tabelle an. In Umkreis von 500 Metern zählte die Polizei 14 Unfälle mit Schwerverletzten und 169 mit Leichtverletzten. Auf dem zweiten Platz landet das Sonderpädagogische Förderzentrum an der Herrnstraße (17 Schwer- und 180 Leichtverletzte), gefolgt vom Luisengymnasium, in dessen Umkreis es zwei tödliche Unfälle mit Radfahrenden gab. Bei allen drei Schulen hapert es zudem laut ADFC und Munichways an der Sicherheit der Radwege.

Der ADFC fordert nun, die Schulwege neu zu bewerten und dabei unter anderem zu berücksichtigen, ob die Radwege ausreichend breit und geschützt sind, ob es getrennte Ampelschaltungen für Rad- und Autoverkehr gibt und ob Hindernisse wie parkende Autos auf den Strecken vorhanden sind.

Dazu wiederholt der Fahrradklub unter anderem seine Forderungen nach einem zügigen Ausbau des Altstadt-Radlrings sowie der schnelleren Umsetzung von Radentscheid-Maßnahmen, zum Beispiel entlang der Isarparallele sowie auf der Reichenbachbrücke.

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