Dieter Reiters Einstieg in die Welt der Ninja Warriors währte nur kurz: Kaum hatte Münchens Oberbürgermeister seine Füße auf die Matte gesetzt, die unter den Gerätschaften der jüngsten Trendsportart drapiert waren, versank er knietief in der Grube. Es bedurfte einer Handreichung von Stadtschulrat Florian Kraus, damit Reiter herausfand. Als der OB wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war er um zwei Erkenntnisse reicher.
Zum einen fällt man im neuen Munich Action Park (MAP) nirgendwo weicher als bei den Ninja Warriors. Zum anderen mag sich das Angebot im Actionsportzentrum des Olympiaparks zwar „explizit an Münchnerinnen und Münchner jeden Alters“ richten, wie es in der Medienmitteilung zur offiziellen Eröffnung am Dienstag hieß – aber gedacht sind die Einrichtungen wohl doch eher für junge Menschen.
Der OB sagte ja selbst, München wolle „möglichst viel tun für junge Leute“. Darum investiere die Stadt eben auch in Trend- und Actionsportarten, um eine Klientel zu bedienen, das sonst „nicht so viel mit Vereinsmeierei am Hut hat“. Nachdem im Sommer bereits ein Zentrum für Skater und BMX-Radfahrer in Pasing eingeweiht wurde, gibt es nun auch im Münchner Norden eine Anlaufstelle.
Das ehemalige Eissportzentrum im Olympiapark wird jedenfalls gerade umgewandelt, nachdem der hiesige Eishockey-Erstligist in eine neue Arena am anderen Ende des Geländes umgezogen ist. In der früheren Trainingshalle können nun Bouldern, Calisthenics, Parkour und Ninja unter einem Dach betrieben werden. Platz für eine Kinder-Ecke ist auch: Am Dienstagvormittag balancierten und boulderten schon Drittklässler aus der nahen Nadi-Schule herum. Der Eintritt ist der Zielgruppe angepasst: Kinder bis 13 Jahre zahlen fünf Euro, Jugendliche bis 17 sind mit sechs Euro dabei, Erwachsene mit acht.



Die einstige Eissporthalle, Spielstätte der Eishockey-Profis, wird derzeit noch umgebaut: Geplant sind dort unter anderem Strecken für BMX-, Mountainbike- und Skateboard-Sportler. Von einem Komplex, „der viel Outdoor-Sport nach innen holt“, spricht Olympiapark-Chefin Marion Schöne: „Das Wetter ist dann keine Ausrede mehr, nichts zu machen.“ Sie hofft, dass die zweite Halle Ende 2026 öffnen kann. Wenn dort dann auch Betrieb herrsche, habe man im Olympiapark „mit Sicherheit eines der größten Actionsportzentren Europas“.
1,6 Millionen Euro hat der Stadtrat für das Projekt bewilligt. „Ich kann nur danken, dass wir die Mittel noch vor der Haushaltskonsolidierung bekommen haben“, sagte Schöne. Gedacht war das Actionsportzentrum ursprünglich, um einen Leerstand zu vermeiden, bis sich der Stadtrat auf eine Dauerlösung geeinigt hat. „Wir haben hier eine Zwischennutzung reingebracht, die nicht so aussieht, als müsste es eine Zwischennutzung bleiben“, sagte OB Reiter und gab den Sportlern damit eine Perspektive.

Die scheinen von den Möglichkeiten im MAP sehr angetan zu sein, wie zu hören war, als sie ihr Können zeigten. Bouldern, also Klettern ohne Sicherung, lässt sich auf allen Niveaus: Einsteiger klettern nach Zahlen an den Griffen, Weltcup-Teilnehmer an einer Wand mit verstellbarem Neigungswinkel, selbst Para-Athleten können sich einklinken. Nebenan demonstrierte der bei Wettbewerben vielfach ausgezeichnete Youssef Kilani mit einarmigen Handständen und Verrenkungen seines Körpers, was es mit Calisthenics auf sich hat – eine Mischung aus Turnen, Akrobatik und Straßensport.
Das Prinzip der Parkour-Läufer erklärte Simon Roth so: „Man will sich cool um die Hindernisse bewegen, wie in einer Art Tanz.“ Um das Bewältigen von Hindernissen geht es auch bei den Ninja Warriors, einer Bewegung, die aus einer japanischen TV-Show entstanden ist und „in Deutschland gerade dabei ist, sich zu professionalisieren“, wie Stefanie Drach erklärt, eine der Protagonistinnen. Sie hat sich im Übrigen mithilfe von Seilen, Stöcken und Stangen gekonnt über die Weichbodengrube geschwungen, ohne hineinzufallen.

