Jüdisches Leben in München„Nichts mehr ist so, wie es war“

Lesezeit: 3 Min.

15 Jahre besteht das israelische Generalkonsulat in München: Bei einem Festakt feierte die jüdische Community mit geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur das Konsulat als einen Ort des Dialogs.
15 Jahre besteht das israelische Generalkonsulat in München: Bei einem Festakt feierte die jüdische Community mit geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur das Konsulat als einen Ort des Dialogs. Robert Haas
  • Das israelische Generalkonsulat in München feierte am Montag sein 15-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Kaisersaal der Residenz.
  • Generalkonsulin Talya Lador-Fresher bezeichnete den Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 als Zäsur, die den Antisemitismus explodieren ließ.
  • Antisemitische Vorfälle gegen jüdische Institutionen in Bayern stiegen laut RIAS von 192 Fällen 2024 auf 466 Fälle 2025.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Seit 15 Jahren gibt es das Generalkonsulat des Staates Israel in München am neuen Standort. Die Feierstunde prägt ein Thema: der ansteigende Antisemitismus seit dem Hamas-Überall am 7. Oktober 2023.

Von Nicole Graner

SZ bei Google bevorzugen

Als nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 das erste Generalkonsulat des Staates Israel in der Maria-Theresia-Straße 11 in München eröffnet wird, ist der Kontakt mit deutschen Behörden untersagt. Heute ist das 2011 wieder eingesetzte Konsulat mit neuem Standort an der Barer Straße und in unmittelbarer Nähe zu alten Gebäuden des NSDAP-Machtapparats ein Ort des Dialogs und ein Ort mit Symbolkraft: für die bestehende Freundschaft mit Bayern und der Landeshauptstadt, als ein Zeichen des Vertrauens zwischen Israel und Deutschland. Am Montag ist im Kaisersaal der Residenz nicht nur das 15-jährige Bestehen des israelischen Generalkonsulats gefeiert worden, sondern diese Freundschaft – mit geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Yasmine Levi-Ellentuck steht auf der Bühne. Die ersten Töne am Klavier erklingen. Noch einmal schaut die Sopranistin der Deutschen Oper in Berlin auf die Noten, dann schließt sie die Augen und beginnt, zu singen. Fast zärtlich und doch voller Kraft. Fast als eine Art Liebeserklärung an ihre Heimat.

Sang ein sehr bekanntes Lied aus ihrer Heimat: Sopranistin Yasmine Levi-Ellentuck.
Sang ein sehr bekanntes Lied aus ihrer Heimat: Sopranistin Yasmine Levi-Ellentuck. Robert Haas

Das in Israel so bekannte Lied „Chorshat Ha’Ekaliptus“ der israelischen Sängerin und Songwriterin Naomi Shemer (1930-2004) handelt von einer Siedlung an den Ufern des Jordans, von Eukalyptus-Bäumen, dem Werden und Vergehen und der großen Sehnsucht nach Frieden. Sie liebe dieses Lied, sagt die 42-jährige Sängerin. „Alle kennen es, es wird zu vielen Anlässen in meiner Heimat gesungen. Wie eine kleine Hymne.“ Und so kommt es, dass an diesem späten Nachmittag im Kaisersaal einige Gäste leise mitsummen, während Levi-Ellentuck singt.

Shalom, der Frieden. Ein Wort, das Thema ist und in jeder Rede mitschwingt. Der 7. Oktober 2023, der Überfall der Hamas auf Israel, sei „eine Zäsur für alle“ gewesen, sagt Generalkonsulin Talya Lador-Fresher in ihrer Begrüßungsrede. „Nichts mehr ist so, wie es war.“ Mit diesem Angriff sei „auch der Antisemitismus explodiert“. Das sei eine Gefahr für das jüdische Leben und die deutsche Demokratie. In Bayern werden laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (Rias Bayern) antisemitische Ausdrucksformen  „bedrohlicher und direkter“.

Aber Bayern habe immer wieder „Standfestigkeit“ bewiesen. Für den unermüdlichen Einsatz für Israel überreicht sie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dann auch ein stilisiertes Schofar aus Spiegelglas. Das jüdische Blasinstrument, das eigentlich aus dem Horn des Widders hergestellt wird und zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur erklingt, symbolisiere Glaube und Hoffnung, sagt die Generalkonsulin. Beides, sagt Lador-Fresher später, benötige man mehr denn je.

Dankbar für die gute Zusammenarbeit:  Generalkonsulin Talya Lador-Fresher und Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne).
Dankbar für die gute Zusammenarbeit:  Generalkonsulin Talya Lador-Fresher und Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Robert Haas

„Die Freundschaft zu Israel ist Staatsräson, eine Herzensangelegenheit und der Auftrag für die Zukunft“, sagt Söder in seiner Ansprache. Und es klingt, als wolle er diese Botschaft nicht nur im Kaisersaal gehört wissen, sondern draußen. Überall. Er wird deutlicher: „Länder, die das Existenzrecht Israels bestreiten, können nicht unsere Freunde sein.“ Israel sei die einzige Demokratie im Nahen Osten. Er wünscht sich, dass jüdisches Leben möglich sei. Mit Leichtigkeit und in Frieden.

Ein Wunsch, den auch Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) unterstreicht. Stolz und froh sei er, dass die Beziehungen zwischen Israel und München „so gut“ seien. Daran habe das Generalkonsulat einen großen Anteil.

Die Aufgabe des ersten Konsulats nach dem Krieg bestand darin, möglichst vielen jüdischen Menschen, die den Holocaust überlebt hatten, den sogenannten „Displaced Persons“, die Emigration nach Israel zu ermöglichen. Es schloss 1953. Erst 2011 wurde es wieder eröffnet. An anderer Stelle. Heute geht es im einzigen israelischen Generalkonsulat der Europäischen Union laut Lador-Fresher vor allem um wissenschaftlichen Austausch, Stärkung der Wirtschaft und Förderung der Kultur.

15 Jahre Generalkonsulat. Das sei „eine schwierige Zeit“ gewesen, sagt Lador-Fresher. Noch einmal erwähnt sie den 7. Oktober. Was er mit der israelischen Community gemacht habe wie auch der Krieg Israels gegen die Hamas. „Unsicher ist sie geworden, das Sicherheitsgefühl, das sie wieder gewonnen hatte, ist vollkommen zerstört worden.“ 2025 waren jüdische oder israelische Institutionen in Bayern laut Rias in 466 Fällen von antisemitischen Vorfällen betroffen. 2024 waren es noch 192. In München beschoss 2024 ein 18-Jähriger das israelische Generalkonsulat.

Das Lied vom Eukalyptushain habe nichts an Aktualität verloren, sagt Yasmine Levi-Ellentuck. „Denn den darin besungenen Frieden haben wir noch immer nicht gefunden.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Falschparker im Wohngebiet
:„Es ist eigentlich nicht mein Job, Nachbarn anzuzeigen“

Innerhalb von einem Jahr hat Andreas Roßband mehr als 1200 Verkehrsdelikte angezeigt, meistens wegen Falschparkens. Er wird beschimpft und bedroht – warum er trotzdem weitermacht.

SZ PlusVon Johanna Feckl

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: