Gemeinschaftsgarten in Bogenhausen:Oase auf dem Dach

Gemeinschaftsgarten in Bogenhausen: Violetter Gruß aus der Prärie: Landschaftsarchitektin Annika Sailer liebt das Grün auf dem Dach - ein Ort der Ruhe und des Miteinanders.

Violetter Gruß aus der Prärie: Landschaftsarchitektin Annika Sailer liebt das Grün auf dem Dach - ein Ort der Ruhe und des Miteinanders.

(Foto: Yoav Kedem)

Hier wird es grüner, je weiter man nach oben kommt: Den Dachgarten der Baugemeinschaft "Team3" im Prinz-Eugen-Park teilen sich alle Bewohner - und sind enger miteinander verbunden als anderswo.

Von Benjamin Stolz, Bogenhausen

Im Treppenhaus, das hinauf in den Dachgarten der Baugemeinschaft "Team 3" führt, riecht es noch nach Neubau. Annika Sailer wohnt seit mittlerweile zwei Jahren am Prinz-Eugen-Park und hat sich längst in ihr Quartier verliebt. "Es ist wie eine Oase mitten in der Stadt", sagt sie und geht voran in den Gemeinschaftsgarten auf dem Dach der sogenannten Atriumszeile, den sich die Bewohner von 36 Wohnungen im Gebäudekomplex als Freizeitort teilen. Oben auf dem Gebäude ist es fast idyllisch: Die Bodendielen sind wie die Häuserfassaden aus hellbraunem Lärchenholz. Auf den Wiesen blühen violette Blumen aus der amerikanischen Prärie und dazwischen stehen große, ebenfalls hölzerne Liegen. "Hier feiern wir gern oder trinken ein Glas Wein", erzählt Sailer.

Schon vor der eigentlichen Errichtung des Gebäudes hatten die Mitglieder der Baugemeinschaft miteinander zu tun. "Wenn man gemeinsam ein Grundstück kauft, dann kann man das besser finanzieren", sagt Sailer. Ein intensiv begrünter Dachgarten verlangt zusätzlich, nicht zuletzt durch besondere statische Anforderungen, einen finanziellen Extraaufwand. "Ungefähr doppelt so viel wie ein normales Dach", sagt Sailer, die selbst Landschaftsarchitektin ist. In der Praxis ist es oft gar nicht so leicht, eine Gruppe von Baufrauen und -herren mit ähnlichen finanziellen und ästhetischen Vorstellungen zu finden. Im Fall von Team 3 war es der Architekt des Komplexes, der die künftigen Bewohner zusammengebracht hat.

Diese wiederum steuerten ihre eigenen Ideen mit der Gründung verschiedener Arbeitsgemeinschaften (AG) bei. Eine AG kümmerte sich um Fragen der Begrünung, die AG Holzbau zimmerte die Liegen rings um die kleine Früchte tragende Felsenbirne. Annika Sailer durfte als Mitglied der AG Freiraum bei Rupert Wirzmüllers (siehe Interview) Plan für die Dachbegrünung ein Wörtchen mitreden.

In der Baugemeinschaft Prinz-Eugen-Park lebt man nicht nur durch den geteilten Dachgarten enger mit seinen Nachbarn zusammen als anderswo. "Da steht kein dogmatischer Zwang dahinter", betont Sailer. "Die Leute sind so nett. Es ist wie ein Sechser im Lotto." Trotzdem leben die Anwohner im Quartier mit gewissen Aufgaben und der damit einhergehenden Forderung, die eigene Zeit zu investieren. Zwei bis drei Wochenenden pro Jahr müsse sich jeder, so Sailer, für die verschiedenen AG engagieren, damit die Wartungskosten für die üppigen Gartenanlagen möglichst gering bleiben. Auf den Dächern und im "Anger", wo Gemüse angebaut wird, müssen etwa alle zwei Monate Unkraut gejätet und die Pflanzen regelmäßig gegossen werden. Außerdem verwaltet die Gemeinschaft eine Art Ferien-Apartment, dessen Umsätze in eine gemeinsame Kasse fließen. Auch ein Co-Working-Space und ein Gemeinschaftsraum stehen zur Verfügung. "Normalerweise stimmt man sich vorher ab", erklärt Sailer die Organisation des Soziallebens im Quartier, die über einen gemeinsamen E-Mail-Verteiler funktioniert.

Zum Schluss zeigt Annika Sailer noch kurz die eigene Wohnung. Ihr Haus ist vom Typus "Gartenhof" und besitzt wie die angrenzenden Gebäude auf nur zwei Stockwerken eine extensiv begrünte Wiese vor der Terrasse sowie einen zusätzlichen kleinen Garten im Erdgeschoss. In der Siedlung der Baugemeinschaft wird es eben grüner, je weiter man nach oben kommt.

© SZ vom 24.07.2021
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