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Müllerstraßen-Komplex:"Goldgrund" setzt Stadtrat unter Druck

Goldgrund, Müllerstraße

Bei der "Goldgrund"-Aktion in der Müllerstraße spielten auch die Sportfreunde Stiller.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die prominenten Hausbesetzer von "Goldgrund" protestieren derzeit wieder - unter anderem mit den Sportfreunden Stiller. Sie wollen zwei weitere Häuser in der Müllerstraße retten. Mehr als 3000 Menschen haben bereits dafür unterschrieben.

Was mit einer Rettungsaktion für den Bolzplatz der Glockenbachwerkstatt begonnen hat, bringt längst den Stadtrat und die Stadtverwaltung in die Bredouille. Die Satire-Aktivisten von "Goldgrund" haben nicht nur erreicht, dass die letzte Spielfläche in der Altstadt und das angrenzende städtische Mietshaus an der Müllerstraße 6 erhalten bleiben. Jetzt gehen die prominenten Hausbesetzer um den Kulturmanager Till Hofmann aufs Ganze: Am Abend vor dem Stadtratsbeschluss zum Thema Müllerstraße an diesem Mittwoch forderten sie in einer musikalisch-literarischen Protestkundgebung, auch die weiter vom Abriss bedrohten Häuser der Müllerstraße 2 und 4 zu retten.

Die "Lesung mit Musik" könnte noch einigen politischen Wirbel auslösen. Der Münchner Krimiautor Friedrich Ani, die Band Blumentopf, die Sportfreunde Stiller, die Wellküren und Martina Schwarzmann schlossen sich am Dienstag dem "Goldgrund"-Protest an, 150 Besucher drängten sich im Hof und auf der Straße. Zugleich schnellte die Zahl der Unterschriften der Online-Petition zum Erhalt der beiden Häuser in die Höhe. Hatten bis Montag noch 1500 Leute unterschrieben, waren es am Dienstagabend bereits mehr als 3800.

Diese Online-Petition hatte der OB-Kandidat der Wählergruppe Hut, Wolfgang Zeilnhofer-Rath, erst vor wenigen Tagen gestartet. Am Dienstagabend traute sich als einzige OB-Kandidatin Sabine Nallinger auf die kleine Bühne im Hof der Müllerstraße und verteidigte den geplanten Abriss der beiden Häuser. Sie habe "keine gute Botschaft für euch: Das Gutachten ist eindeutig. Die einzige Möglichkeit ist es, die Häuser abzureißen", sagte die Grünen-Stadträtin und erntete dafür eisernes Schweigen von den Demonstranten. Wolfgang Püschel ist anderer Meinung, er hat sich die Häuser vor wenigen Tagen genau angesehen. "Man kann sie erhalten", sagt der Vorsitzende des Bezirksausschusses Altstadt. "Ich würde hier auch einziehen." Ursprünglich wollte das Kommunalreferat alle drei Gebäude abreißen und einen neuen Wohnkomplex errichten lassen. Nach dem Protest von "Goldgrund", Politikern und Anwohnern, ließ Kommunalreferent Axel Markwardt die Pläne noch einmal prüfen. Das Ergebnis: Jetzt soll die Müllerstraße 6 erhalten und saniert werden. Mitsamt dem Neubau auf dem Grundstück der Müllerstraße 2 und 4 würden insgesamt 23 Wohnungen entstehen. Die CSU kritisiert diese Variante als zu teuer. Sie schlägt eine "Pinselsanierung" vor, die statt mehr als fünf Millionen nur 1,5 Millionen Euro kosten würde. Die "Goldgrund"-Aktivisten beharren darauf, alle drei Häuser zu erhalten. Ein von ihnen beauftragter Statiker habe "keinerlei Anzeichen gefunden, dass die Häuser abrissreif geschweige denn einsturzgefährdet" seien. Zudem stehe der Aufwand für Abriss und Neubau in keinem Verhältnis zum Ergebnis: "Für 350 Quadratmeter mehr Wohnfläche werden 4,5 Millionen Euro verbuddelt, davon ein Viertel allein für eine Tiefgarage. Das gewachsene Stadtbild wird zerstört. Die Mieten steigen."

Ein anderer Vorschlag von "Goldgrund" stößt auf Zustimmung von CSU, Grüne und FDP: Sie wollen die Corneliusstraße zwischen Blumen- und Müllerstraße verschmälern. Zusammen mit dem Kauf eines freien Grundstücks könnte dort neuer Wohnraum geschaffen werden.