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Müller'sches Volksbad:Dampfendes Denkmal

Hier heißt die Erlebnisdusche noch "Eiserne Jungfrau": Auch nach 111 Jahren ist das Müller'sche Volksbad ein wunderbarer Ort, um seine Bahnen zu ziehen. Die Münchner lieben das altehrwürdige Gemäuer - doch es ist schwierig, die Originaleinrichtung in Schuss zu halten.

Die Badegäste werden zunächst gemessen, nach klein, mittel oder groß richtet sich der Eintrittspreis. Als nächstes werden sie geschoren und in einem Waschgrand mit Seife abgebürstet, anschließend mit einer Strahlbrause abgeduscht. Nun werden sie in das Schwimmbecken geschickt, und dann "in die Ställe gesperrt, bis sie trocken sind".

Historisches Ambiente unter Denkmalschutz: Im Müllersche Volksbad ist so gut wie alles originalgetreu erhalten - so wie es im Jahr 1901 gebaut wurde.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das wäre nun in der Tat eine äußerst rüde Behandlung von Schwimmfreunden, der wohl auch der hartnäckigste Anhänger der Badeevent-Kultur kaum etwas abgewinnen dürfte. Aber glücklicherweise sind die Zeiten längst vorbei - und es waren auch keine Menschen, die so malträtiert wurden: Im Keller des Müller'schen Volksbades finden sich bis heute die Reste des Hundebads, eine zeitgenössische Beschreibung vom Beginn des vergangenen Jahrhunderts schildert, wie die Zamperl dort versorgt wurden.

Heute steht in dem Hundeschwimmbecken Werkzeug herum, anstelle der früheren Ställe tragen Regale Schrauben und anderes Zeug in blauen Plastikbehältern. Da muss sich Robert Schneider nur bedienen, wenn wieder einmal etwas zu reparieren ist. Und es ist sehr oft etwas zu reparieren.

Robert Schneider hat seit 30 Jahren seinen Arbeitsplatz in diesen weitläufigen Katakomben, was ihm zum einen den Spitznamen "Der Glöckner von Notre Volksbad" eingebracht hat, obwohl er kein bisschen bucklig ist. Zum anderen gibt es wohl kaum jemand, der das Bad so gut kennt, seine Ecken und Winkel, aber auch seine Macken, seine Eigenheiten, ja: seinen Charakter.

Die Ecken und die Winkel - alleine in diesem Keller kann man sich verlaufen, weshalb die Sage geht, Robert Schneider habe stets eine Brotzeit im Hosensack, falls er mal nicht mehr zurückfinde. Das mit dem Charakter ist eine andere Sache, aber eins ist klar: Ein Bad, das vor 111 Jahren gebaut wurde, das immer noch eines der schönsten in Europa und "das Opernhaus unter den Bädern" genannt wird, das zum allergrößten Teil original erhalten ist und unter Denkmalschutz steht, so dass ein Antrag gestellt werden muss, wenn ein Nagel in die Wand geschlagen werden soll - ein solches Haus bedarf anderer Pflege, anderer Aufmerksamkeit, anderer Hingabe als die vollverfliesten, in jeder Hinsicht hochsterilen Badebunker, die heutzutage so gebaut werden.

Wenn zum Beispiel in solch einem wohltemperierten Spaßbad ein Wasserhahn kaputtgeht - dann, so ist anzunehmen, geht die Haustechnik ins Lager, holt einen neuen, baut ihn ein, und schon läuft die Sache wieder. Im Volksbad hingegen versucht Robert Schneider zunächst, das defekte Teil mit Hausmitteln zu reparieren. Wenn das nicht gelingt, wenn es ersetzt werden muss, dann wird eine Spezialfirma beauftragt, die den Jugendstil-Wasserhahn originalgetreu nachbaut, was erstens kostet und zweitens dauert. Glücklicherweise verstehen die meisten Badegäste, dass in einem solchen Haus nicht alles hopplahopp gehen kann.

Wolfgang Plank steht auf der Galerie über dem Damenbadesaal, der heute nur noch so heißt und lediglich einmal die Woche für Frauen reserviert ist. Er blickt mit einer Mischung aus Stolz und immerwährender Verzweiflung auf sein Bad. Plank ist hier der Betriebsleiter, und weil er außerdem noch für das Nord-, das Süd- und das Prinzregentenbad zuständig ist, weiß er, wovon er redet.

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