Was die Kontrolleure fanden
Fast vier Jahre nach dem Hygieneskandal und der Insolvenz bei der Großbäckerei Müller-Brot hat an diesem Montag vor dem Landgericht Landshut der Prozess gegen die drei ehemaligen Chefs der Großbäckerei Müller-Brot begonnen - mit einem zähen, aber eindrucksvollen Prozedere. Eine volle Stunde dauerte es allein, bis die beiden Staatsanwälte die Befunde der Lebensmittelüberwacher verlesen hatten, welche diese bei Kontrollen zwischen Oktober 2010 und dem 30. Januar 2012 protokolliert hatten.
Protokolle, in denen es nur so wimmelte von lebenden und toten Schaben, von Mäusekot und lebenden Nagern in der Produktionshalle, von starken Verschmutzungen und von Abertausenden Semmeln, Brotlaibern und Gebäckstücken, die jeweils vernichtet werden mussten statt in den südbayerischen Müller-Brot-Filialen oder bei Discountern wie Aldi oder Edeka verkauft zu werden.
Was die Chefs gewusst haben
Vorgänge, bei denen die Anklage ausgeht, dass die Chefs davon gewusst haben müssen. Zumindest einer der drei ehemaligen Geschäftsführer, die nebeneinander und mit versteinerter Miene in der zweiten Reihe der Anklagebank saßen, will davon allerdings nichts gewusst haben. Dies hatte der Anwalt von Stefan H. vor dem Prozessauftakt gegenüber der SZ betont.
Diese Frage dürfte in den kommenden Wochen alles andere als eine Marginalie sein: schließlich geht es aus strafrechtlicher Sicht viel mehr als um die Hygienemängel um mutmaßlichen Betrug und Untreue sowie Insolvenzverschleppung. Dazu gehört ein Kredit, von dem die Anklage glaubt, Stefan H. und Klaus O. hätten sich diesen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, vor allem ohne die massiven und teuren Hygieneprobleme zu erwähnen, bei der Commerzbank erschlichen.
Was das Gericht klären muss
Zum Prozessauftakt wurde am Montagvormittag zunächst der erste Teil der Anklage verlesen, bei dem es die Hygieneverstöße und die mutmaßliche Insolvenzverschleppung ging. Der Vorsitzende Richter der Landshuter Wirtschaftsstrafkammer, Alois Gmelch, kündigte an, dass es in den kommenden Tagen vorrangig um die wirtschaftliche Situation des Unternehmens gehen werde. Der Zeitpunkt der Insolvenz sei der rote Faden, der sich durch alle Vorwürfe ziehe.

