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Müll:München soll sauberer werden

Coffee-to-go-Becherauf in München, 2016

"Schlechte Kinderstube": Weggeworfene Einwegbecher in der Münchner Fußgängerzone.

(Foto: Catherina Hess)
  • 86 Prozent aller Münchner sind mit der Sauberkeit ihrer Stadt zufrieden - und trotzdem kann man immer noch besser, noch sauberer werden.
  • Dafür will die Stadt nun eine knappe halbe Million Euro ausgeben.
  • Im kommenden Jahr will sie eine Sauberkeits-Kampagne starten, sie soll die Bürger sensibilisieren für den Müll, den sie im öffentlichen Raum hinterlassen.

Von Thomas Schmidt

Der Münchner ist sauber. Das ist nicht einfach so dahingeschrieben, keine hohle Behauptung, zu dem Thema gibt es handfeste Studien. Zum Beispiel von der Europäischen Kommission: Die fragt regelmäßig die Lebensqualität in europäischen Großstädten ab und kommt aktuell zu dem Ergebnis, dass 86 Prozent aller Münchner mit der Sauberkeit ihrer Stadt "satisfied", also zufrieden sind. Zum Vergleich: In Rom sagen das gerade mal neun, in Palermo sogar nur sieben Prozent der Menschen. Die Schmutz-Situation in München ist folglich gut - und trotzdem kann man immer noch besser, noch sauberer werden. Dafür will die Stadt nun eine knappe halbe Million Euro ausgeben.

Im kommenden Jahr will sie eine Sauberkeits-Kampagne starten, sie soll die Bürger sensibilisieren für den Müll, den sie im öffentlichen Raum hinterlassen. Es geht vor allem um Zigarettenkippen, ausgespuckte Kaugummis, um Hundekot, Kaffeebecher und um achtlos weggeworfene Fast-Food-Verpackungen. Der Anlass für die Kampagne ist aus Sicht der Stadt nicht zuletzt der "starke Zuzug", wie es in einer Vorlage des Baureferats heißt, über die am Dienstag der Stadtrat debattiert.

Offenbar gehen die hiesigen Behörden davon aus, dass nicht alle so reinliche Zeitgenossen sind wie die Münchner. In den Sommermonaten häuften sich Beschwerden von Bürgern über eine "Vermüllung unserer Stadt", so steht es in dem Papier. Dem Dreckproblem könne man aber nicht allein dadurch Herr werden, dass man häufiger Reinigungstrupps losschicke. Jeder einzelne Münchner müsse an seine eigene Verantwortung erinnert werden.

Die Stadt plant deshalb, ihre alte Kampagne "Rein. Und Sauber" aus dem Jahr 2007 zu wiederholen. Auf Plakaten, Postern, Aufklebern und Handzetteln sollen die Münchner daran erinnert werden, sauber zu bleiben. Auch der "Einsatz von Prominenten" sei vorstellbar. Die "besonders relevanten Schmutzverursacher" - beispielsweise Raucher, Hundebesitzer und Passanten in der Fußgängerzone - sollen mit speziellen Aktionen gezielt angesprochen werden. Außerdem sollen die Techniker der Stadt ermöglichen, dass Bürger per Handy-App Verschmutzungen melden können. Bislang gibt es nur eine Telefonnummer, unter der Müll sozusagen angezeigt werden kann (089/ 23 39 62 96). Das Problem ist, dass kaum jemand die Nummer kennt. Deshalb soll die Hotline künftig unter anderem mit Aufklebern auf Mülleimern beworben werden.

Zumindest was die Hinterlassenschaften von Hunden betrifft, stellt die Stadtverwaltung einen "Umdenkprozess" bei den Bürgern fest. Dank spezieller Plastiktüten-Spender habe sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren deutlich entspannt. Die "Grundeinstellung und Moral zur Selbstverpflichtung" habe sich verbessert, lobt das Baureferat.

Die Schlösserverwaltung hat der Stadt einen Korb gegeben

Doch besser ist der Stadt nicht gut genug. Und weil Müll nicht allein städtische Flächen verunziert, wollte das Baureferat auch den Freistaat und die Deutsche Bahn für seine Kampagne gewinnen. Die DB hat bereits zugesagt, Personal und Werbeflächen zur Verfügung zu stellen und kann sich sogar eine finanzielle Beteiligung vorstellen. Die staatliche, bayerische Schlösserverwaltung aber, die unter anderem für den Englischen Garten zuständig ist, hat der Stadt einen Korb gegeben. Aufkleber und Poster würden "von uns selbst ablenken und den Besucher verwirren", lautete die schriftliche Absage. Mülleimer zu bekleben, sei "mit unseren denkmalpflegerischen Vorgaben nicht vereinbar". Außerdem habe man mit Flyern schlechte Erfahrungen gemacht, weil die auf kürzestem Weg im Mülleimer landeten - oder im Park.

Trotz der Absage vom Freistaat will die Stadt ihre Kampagne im Frühjahr starten und voraussichtlich von März bis Mai durchführen, vorausgesetzt der Stadtrat gibt sein Plazet. Die Kosten der ersten Kampagne 2007 lagen bei etwa 400 000 Euro - und ungefähr so viel will man auch jetzt wieder investieren. Der größte Posten, 135 000 Euro, entfällt auf die Mietkosten von Werbeflächen. Auf Platz zwei folgt das 130 000-Euro-Honorar für eine Agentur, die sich um Grafik und Layout kümmern soll. All das soll verhindern, dass München irgendwann wie Palermo aussieht.

© SZ vom 21.11.2016/kbl

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