Der neue Haxnbauer im Tal strotzt nur so vor Geschichte, dabei hat er noch gar nicht geöffnet. Für einen ersten Einblick führen die neuen Wirte Sebastian Kuffler und Constantin Wahl am Montagvormittag durch die Baustelle. Während der Hauptgastraum allmählich Form annimmt, lassen die übrigen Räume aktuell nur erahnen, wie das Endergebnis aussehen soll. Trotzdem soll es schon Anfang Februar losgehen.
Der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes habe über zwei Jahre gedauert und einen hohen einstelligen Millionenbetrag verschlungen, teilen die Wirte mit. Zuletzt waren im Tal 38 Ladenräume für den Einzelhandel untergebracht. Dementsprechend aufwendig sei es gewesen, den Standort wieder für Gastronomie nutzbar zu machen. Bereits im Jahr 1434 wird das Gebäude erstmals als Wirtschaft erwähnt und als solche bis 1957 genutzt, zuletzt unter dem Namen Sterneckerbräu.
Der neue Haxnbauer soll nun an diese Tradition anknüpfen, als wäre der Einzelhandel nie da gewesen. „Wir wollten es wie ein restauriertes Wirtshaus aussehen lassen, in dem man den alten Haxnbauer wiedererkennt“, erklärt Sebastian Kuffler. Denn wie das Gebäude im Tal 38 bringt auch der Haxnbauer eine langjährige Geschichte mit. Fast 60 Jahre lang betrieben die Kuffler-Brüder Sebastian und Stephan den originalen Haxnbauer am anderen Ende des Tals in der Sparkassenstraße, wo vor einem Jahr der Augustiner Haxngrill Eröffnung feierte.
Seit sie 2021 dort den Pachtvertrag aufgeben mussten, seien sie auf der Suche nach einem neuen Standort für den Haxnbauer gewesen, sagt Sebastian Kuffler. Der wurde ihnen auf dem Silbertablett serviert, als Constantin Wahl mit dem Kooperationsangebot auf sie zukam. Als Wirt des Tegernseer Tal Bräuhauses ist Wahl ebenso gut vertraut mit der Gastronomie vor Ort. Den neuen Haxnbauer versteht er nicht als Konkurrenz zum eigenen Wirtshaus. Nachdem der Großteil der Gäste im Tal Touristen seien, sei genug Bedarf nach bayerischer Wirtshauskultur da. Das habe das vergangene Jahr voll Großveranstaltungen bewiesen.
Die Idee, dem neuen Haxnbauer mit dem Umzug einen modernen Anstrich zu verpassen und ihn zur Haxnbäurin umzutaufen, hätten die Kuffler-Brüder schnell wieder verworfen, sagt Sebastian Kuffler. Stattdessen wolle man den ursprünglichen Haxnbauer wieder aufleben lassen. So kommen Lampen, Sitzgarnituren sowie historische Fotografien und Gemälde aus dem alten Bestand wieder zum Einsatz. Auch der originale Bierkrug-Safe wird wiederverwendet.
Ein besonderes Schmuckstück ist das historische Fischgrätparkett aus Eichenholz im Gastraum, das beim Umbau unter dem modernen Estrich zum Vorschein kam. Es stammt tatsächlich aus dem Jahr 1901, als das Haus nach Abriss neu gebaut wurde. Demnach müssten schon Mitglieder der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) über dieses Parkett gelaufen sein, die im Sterneckerbräu zusammenkamen, bevor sich die Partei später im Hofbräuhaus zur NSDAP umbenannte.


Dass aber das Sterneckerbräu gar ein „Hitlerbüro“ oder ein Parteimuseum beherbergt haben soll, wie im Netz und bei mancher Stadtführung behauptet wird, hält Wirt Wahl für Nazi-Propaganda. Wie hätte sonst bis 1957 dort ein Wirtshaus betrieben werden können, gibt Wahl zu bedenken. „Wir wollen hier kein braunes Wirtshaus“, stellen die Wirte beim Rundgang klar und Sebastian Kuffler fügt hinzu: „Die AfD hat bei uns Hausverbot.“
Insgesamt bietet der neue Haxnbauer Platz für knapp 400 Gäste. Das Salettl mit seinen Hochtischen dient als Schwemme, wo man spontan auf Bier und Snacks vorbeikommen oder Fußball schauen kann. Außerdem gibt es neben dem Hauptgastraum einen Straßenverkauf sowie die Liesl-Stubn mit rund 40 Plätzen, benannt nach der „Schützenliesl“ Coletta Möritz, die einmal im Sterneckerbräu gekellnert haben soll.

Im Zentrum der Speisekarte stehen natürlich die Schweins- und Kalbshaxen, die vor dem Grillen 24 Stunden lang in der altbewährten Hausrezeptur marinieren. Im Straßenverkauf werden sie in der Semmel angeboten, im Wirtshaus als ganze, halbe oder als Portion. Zudem gibt es Klassiker wie Zwiebelrostbraten und Wiener Schnitzel, aber auch vegetarische und vegane Gerichte. Das Bier kommt von der Hacker-Pschorr Brauerei. Helles und Weißbier werden von sechs Messing-Großtanks mit einem Fassungsvermögen von je 1000 Litern gezapft. Die Halbe Helles soll für 5,70 Euro über den Tresen gehen.
Haxnbauer, Tal 38, 80331 München, ab Anfang Februar täglich geöffnet von 11 bis 23 Uhr, Telefon 089/224248, www.haxnbauer.com

