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Wirtschaft in München:Neue Hoffnung für den Kaufhof am Stachus

Aktuell läuft am Stachus bereits der Räumungsverkauf.

(Foto: Robert Haas)

Die Filiale könnte für ein bis zwei Jahre gerettet werden. Die Vermieter-Familie will dafür auf Mieteinnahmen verzichten. Doch es gilt, ein weiteres Problem zu lösen - bis Freitagmittag. So lange gilt das ausgehandelte Ultimatum.

Von Sebastian Krass

Neue Hoffnung für die Beschäftigten der Kaufhof-Filiale am Stachus: Die Familie Zechbauer als Hauptvermieter und Arndt Geiwitz, der Generalbevollmächtigte des Konzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK), haben sich nach wochenlangen Verhandlungen offenbar am Mittwoch auf Bedingungen geeinigt, zu denen der Betrieb noch ein bis zwei Jahre weiterlaufen könnte. "Herr Geiwitz und ich, wir sind uns darüber so weit einig", sagte Michael Zechbauer. Für das erste Jahr würden die Zechbauers demnach komplett auf die Miete verzichten, für ein eventuelles zweites Jahr 25 Prozent der bisherigen Miete verlangen. "Voraussetzung dafür ist aber, dass das Problem mit der Miete für die Flächen der Stadtwerke gelöst wird, und zwar bis Freitag, 12 Uhr." Geiwitz war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Einigung wurde aber auch aus Kreisen der Gewerkschaft Verdi, die bei den Verhandlungen dabei war, bestätigt.

Ein Teil der Kaufhof-Flächen gehört den Stadtwerken München (SWM). Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) setzte sich bisher dafür ein, dass das kommunale Unternehmen ebenfalls auf Miete verzichtet, um das Kaufhaus vorübergehend zu erhalten und den knapp 300 Beschäftigten Zeit zu geben, neue Jobs zu finden oder in einer anderen Filiale unterzukommen. Am Dienstag aber erklärte die Stadt, sie habe von der Regierung von Oberbayern die Auskunft erhalten, die SWM dürften aus Gründen der Wettbewerbsneutralität nicht auf Miete verzichten. Am Mittwoch stellte der Linken-Stadtrat Stefan Jagel die Darstellung der Stadt infrage: GKK habe die Mietverträge gekündigt, deshalb hindere die SWM nichts, einen neuen Vertrag aufzusetzen, zu Bedingungen, die das Warenhaus erhalten. "Es wäre ein Wahnsinn, wenn das an der Stadt scheitern würde."

Noch komplizierter wird die Sache dadurch, dass Stadtwerke jene 3700 Quadratmeter, für die derzeit dem Vernehmen nach eine Monatsmiete im niedrigen sechsstelligen Bereich anfällt, nicht an GKK direkt vermietet haben, sondern an die Familie Zechbauer, die sie an GKK untervermietet. Die Frist bis Freitagmittag erklärt Michael Zechbauer damit, dass er nicht länger warten könne, er müsse sonst Verträge mit Interessenten für eine Zwischennutzung fixieren. Nach derzeitigem Stand würde der Kaufhof Ende Oktober zusperren. Er wäre damit eine der 46 von deutschlandweit 172 GKK-Kaufhäusern, die schließen. In München außerdem betroffen sind Kaufhof im Olympia-Einkaufszentrum, Karstadt am Nordbad sowie Karstadt Sport an der Neuhauser Straße. Die anderen fünf GKK-Filialen sollen erhalten bleiben.

Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner beschäftigte sich am Mittwoch ebenfalls mit dem Thema. Die juristische Prüfung der Mietverträge liege zwar beim Direktorium der Stadt, betonte er. Es sei aber einhelliger Wille der Stadtverwaltung, "alles zu tun, damit der Kaufhof erhalten bleibt. Es wäre auch mein persönlicher Wunsch. Ich glaube, dass ein Kaufhaus - vielleicht mit verändertem Zuschnitt - an dieser Stelle eine Zukunft haben kann." Von OB Reiter war bis zum späten Mittwochnachmittag keine Stellungnahme zu bekommen.

© SZ vom 10.09.2020/aner

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