bedeckt München 30°

Partyschiff in Sendling:Die MS Utting legt bald ab

Die MS Utting ist ein ehemaliger Ausflugsdampfer und wird bald als Bar in Sendling eröffnen.

Die Eröffnung der MS Utting hat sich immer wieder verzögert. Doch jetzt steht sie kurz bevor.

(Foto: Daniel Hofer)
  • Mit der MS Utting sollte München ein besonderes Lokal bekommen: Im Februar 2017 wurde der ausrangierte Ausflugsdampfer auf der Eisenbahnbrücke an der Lagerhausstraße abgestellt.
  • Mehr als 15 Monate später hat die Utting immer noch nicht eröffnet. Das liegt am hohen bürokratischen Aufwand und den besonderen statischen Herausforderungen.
  • Nun ist ein Ende der Arbeiten in Sicht. Gegen Anfang Juli soll die Utting öffnen.

Von Laura Kaufmann

Oben, auf dem Deck der MS Utting, sind die Bänke immer noch mit Schwimmteilen und Drahtseilen versehen. "Hier hätten sich die Gäste festhalten können, wenn das Schiff gekentert wäre", sagt Daniel Hahn. Das Schiff wird natürlich jetzt nicht mehr kentern, fest gemauert steht es auf der Eisenbahnbrücke über der Lagerhausstraße in Sendling. Darum macht sich Kapitän Hahn, 28, lieber Gedanken um anderes. Zum Beispiel, wie dicht sich die Netze um die Reling spannen sollten. Damit im besten Falle nicht einmal ein Feuerzeug von Bord gehen kann.

Es ist ein schöner Tag, die Sicht von Deck reicht über die Großmarkthalle, die Güterzüge, bis zu Daniel Hahns wilderem Projekt auf dem nahen Viehhofgelände, dem Bahnwärter Thiel. Das Schiff ist eher die gemütlichere, große Schwester.

Zumindest war sie als solche geplant. Denn die Utting hätte Fahrt als Lokal und Performancebühne aufnehmen sollen, doch daraus wurde bis heute nichts. Spektakulär war der Umzug des ausrangierten Ausflugdampfers im Februar 2017, als Schwertransport in zwei Teilen gesägt, vom Ammersee nach München. Spektakulär waren auch Hahns Pläne mit der Utting. Doch ein ums anderen Mal wurde der geplante Eröffnungstermin nach hinten geschoben, bis heute, 15 Monate später. Erste Zweifler begannen sich zu fragen, ob das Schiff wohl jemals als Gastrobetrieb eröffnen würde.

Brückenkapitän Daniel Hahn aber sagt jetzt: "In einem, eineinhalb Monaten müssten wir soweit sein." Im Grunde müssten nur noch Details abgesprochen werden, im Grunde lägen alle Genehmigungen vor. Wie lange die Bauarbeiten dauern, hängt nur noch davon ab, wie schnell das Team ist. "Ich habe schon gedacht, dass es so viel Arbeit ist, aber nicht, dass es so lange dauert. Ich denke, es war die Summe aus allem", sagt Hahn.

Die Statik stimmt nun, die Utting ist mit Stahlbeton auf der Brücke montiert und damit zudem feuerfest. Im Bauch des Schiffes, im Maschinenraum, der als kleine, intime Bühne dienen wird, sind schon Bänke aufgebaut. Eine Treppe führt hoch in den Hecksalon, wo in einer Ecke alten Dampfertische auf ihren neuen Einsatz warten. Ein Lokal mit indisch-ayuvedischer Küche wird hier eröffnet werden. Im Bug- und im Hecksalon also wird gespeist und getrunken, im Mittelschiff steht eine kleine Bar.

Was fehlt: Die Geräte für die Küche müssen noch eingebaut werden, die Toiletten gemacht, die Beleuchtung. Ein Imbisscontainer soll im Garten eingerichtet werden. Eine zweite Betriebsleitung sucht das Team noch, und spannende Food-Konzepte, die Gastspiele auf dem Schiff geben wollen. Es ist noch einiges zu tun. Aber die Fertigstellung ist jetzt absehbar.

Der Bahnwärter Thiel zahlt den Dampfer auf der Brücke mit

"Das hier ist die Königsdisziplin, es gibt glaube ich nichts Komplizierteres. Es gibt auch kein Beispielprojekt, an dem man sich orientieren kann, kein anderes Schiff auf einer Brücke", sagt Hahn. Allein all die Leitungen, die gelegt werden mussten, all die Genehmigungen, die eingeholt werden mussten, all die Statik-Gutachten.

Teurer als gedacht ist das Projekt auch geworden, im sechsstelligen Bereich liegen die Kosten. "Es wurde schon knapp", sagt Hahn. "Aber jetzt, wo der Bahnwärter Thiel wieder offen ist, können mit den Einnahmen von dort die Ausgaben gedeckt werden und sobald das Schiff offen ist, können wir anfangen, den Kredit abzubezahlen." Und einige Firmen, der Architekt, der Statiker, haben das ungewöhnliche Projekt unterstützt, in dem sie Hahn gestattet haben, die Rechnungen erst bei laufendem Betrieb zu zahlen.

Dass sich die Eröffnung so verzögert, ist heikel: Das Schiffsprojekt ist vorläufig befristet auf fünf Jahre. Ein Jahr davon ist nun schon verloren. Aber es besteht die Aussicht auf Verlängerung. Nun soll die "Alte Utting" erst einmal eingeweiht werden: mit einer Schiffstaufe und allen, die an dem Projekt mitgewirkt haben. Und dann wird losgeschippert.

© sz.de/bhi

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite