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Erfolgreiche Kette Motel One:Mitspielen im großen Geschäft

Die 46-Jährige Ursula Schelle-Müller erscheint zum Interview in einem grau-schwarzen Kleid. Es verdeckt die Knie nicht, ist dafür aber oben hochgeschlossen. Sie zeigt auf eine rote Glühbirne, die an der Wand strahlt, aber nicht echt, sondern als eine Projektion des Münchner Lichtdesigners Ingo Maurer. Ziemlich raffiniert, und sie passt zur Ausrichtung dieses Hotels. Es trägt den Beinamen "Deutsches Museum", weil es nur 400 Meter entfernt davon ist und die Exponate in der Bibliothek Leihgaben der Einrichtung sind.

Der Bar-Bereich steht unter dem Motto Raumfahrt. Swarovski-Kristalle am Tresen symbolisieren die Milchstraße, über der Bar werden Aufnahmen von der ersten Mondlandung gezeigt. "Wir haben bewusst eine loungige Atmosphäre geschaffen", sagt Schelle-Müller. Die Gäste sollen sich entspannen. Viele von ihnen sind Geschäftsreisende oder Städtebummler.

In Berlin spiegeln sich die goldenen 1920er Jahre wieder, in Köln ist es der Karneval. Jede Lounge hat ihr eigenes Thema, das schaffe Identifikation. Die Idee dazu kam von Schelle-Müller, ebenso wie sie die Farbe Türkis als Markenfarbe entwickelt und etabliert hat. Beides trägt zur Erfolg von Motel One bei. Doch es macht den Anschein, als wolle Schelle-Müller ihre Leistung nicht in den Mittelpunkt stellen. Sie betont, dass das Innenausstattungskonzept im Team weiterentwickelt worden sei.

Ihr Mann ist da weniger bescheiden. Er trägt die ersten Knöpfe seines Hemdes offen. Das wirkt lässig, so gar nicht wie ein Buchhalter, und doch seriös. Müller spricht leise, stets überlegt - vielleicht ist das einer der Gründe, warum sich in Zeitungsarchiven keine wirklich nachteiligen Artikel über ihn finden lassen, vielleicht gibt es aber auch nichts, was negative Schlagzeilen gerieren könnte.

Dass er sich zu einer vorschnellen Aussage hinreißen ließe, kann man sich bei ihm nicht vorstellen und im Gespräch kommt so etwas auch nicht ein einziges Mal vor. Auch bei kritischen Nachfragen nicht. Wie er sich denn die qualitative Ausstattung bei einem Zimmerpreis von 69 Euro leisten könne? "Flächenoptimierung", sagt er gelassen. 16 Quadratmeter misst ein Zimmer. Es gibt keinen Schrank, keinen Safe, keine Minibar, keinen Zimmerservice und kein Telefon. Frühstück wird extra berechnet, wer eincheckt, muss gleich bezahlen.

Müller will Europa erobern

"Das Konzept funktioniert gut, weil der Betrieb so straff organisiert ist und weniger Mitarbeiter braucht", sagt Experte Gerhard. Kleinere Betriebe könnten sich das nicht leisten, vor allem private Zwei-Sterne-Hotels sehen in Motel One eine Gefahr für ihre Existenz.

Müller hingegen meldet Erfolge. Sieben neue Hotels mit 2075 Zimmern und ein Umsatzplus von 48 Prozent auf 134,8 Millionen Euro lautet seine Bilanz für 2011. In nur zehn Jahren wuchs die Belegschaft auf 1000 Mitarbeiter an. Die Zimmerauslastung liegt bei gut 70 Prozent.

23 weitere Hotels sind in Planung. Müller will Europa erobern, London, Edinburgh oder Barcelona. Bis 2016 soll die Kette 120 Hotels mit 26 000 Zimmern haben, 40 Prozent davon im Ausland. "Ein nationaler Player hat in unserem Gewerbe keine Chance", sagt Müller. Der Mann will mitspielen im großen Geschäft.

Zuhause in Münsing am Starnberger See hingegen nimmt er Abstand von den Zahlen des Gewerbes, geht mit Jagdhund Sergio spazieren oder spielt Golf. Das Paar ist seit acht Jahren verheiratet, und ihre Arbeit haben sie sich so aufgeteilt, dass sie sich nicht ständig gegenseitig auf den Füßen stehen.

Schelle-Müller zeigt in einem der Zimmer auf den Marken-Flachbildfernseher, die Designer-Lampen. Sie streicht über die Bettdecke aus ägyptischer Baumwolle und fordert auf, die Dicke des Handtuchs zu erfühlen, nicht ohne auf den Granitboden und die hochwertigen Armaturen zu verweisen. Müller sagt: "Wir würden nie ein Hotel bauen, in dem wir nicht selbst auch wohnen wollen würden." Dabei blickt er aus dem Fenster des Zimmers im zehnten Stock, herunter auf die Münchner Innenstadt.

© SZ vom 06.03.2012/sonn/gba
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