Mord an Parkhausbesitzerin 500-Euro-Scheine mit Blutspuren

In der Beweisaufnahme spielten vier 500-Euro-Scheinen mit Blutspuren des Opfers eine wesentliche Rolle, die im Geldbeutel T.s gefunden worden waren. Das war für das Schwurgericht ein wichtiges Indiz dafür, dass T. und kein anderer Charlotte Böhringer mit 24 Hieben mit einem unbekannten Gegenstand erschlagen hatte. Auch DNA-Spuren des Neffen am Sakko der Getöteten bestärkten das Gericht. Dass man solchen Indizien nicht blind trauen darf, zeigte die Spur mit der Kennung J 73.03.3.

Auf einem Glas in der Spülmaschine in Böhringers Wohnung hatte sich dieser genetische Fingerabdruck gefunden, der exakt mit einer DNS-Spur aus dem Fall Ursula Herrmann übereinstimmte. Das Mädchen war 1981 am Ammersee entführt und in einem Wald in einer Holzkiste versteckt worden, in der es erstickte. Die DNA von einer Schraube an der Kiste stammte von einer unbekannten männlichen Person. Hatte sich also ein Unbekannter zur Tatzeit in Böhringers Wohnung aufgehalten und die Spur hinterlassen - oder war die DNA aus zwei Kriminalfällen versehentlich im Labor vermischt worden? Bis heute gibt es auf diese Frage keine Antwort.

T.s Familie wollte sich damit nicht abfinden und gab private Ermittlungen in Auftrag. Demnach befand sich in der Wohnung "sehr viel Fremd-DNS", die gesamte Familie des Opfers habe dort Spuren hinterlassen, sagt Pirnat. "Die Polizei hatte das nicht berücksichtigt. Für sie stand Bence schon früh als Täter fest."

"Beweisführung mit viel Phantasie"

Benedikt T.s Anwälte kritisierten, dass das Schwurgericht eine "Beweisführung mit viel Phantasie" gebraucht habe, um zu einer Verurteilung wegen Mordes zu kommen. Von den 14 Indizien waren laut Verteidiger Peter Witting nur sieben überhaupt dazu geeignet, seinen Mandanten zu belasten. Und auch diese seien nicht eindeutig.

Von "Lücken in der Beweisführung" sprach der Anwalt nach dem Urteilsspruch. Er selbst will inzwischen vom ehemaligen Steuerberater Böhringers erfahren haben, dass die Tante über den Studienabbruch ihres Neffen frühzeitig informiert war. Damit wäre das Mordmotiv schwer erschüttert. Weitere neue Erkenntnisse will der Anwalt präsentieren, wenn sich am 6. Juni die "Bürgerinitiative Pro Bence" vorstellt. "Die Indizien bröckeln nach und nach weg", sagt Jochen Pirnat.

Die Idee, die Bürgerinitiative zu gründen, kam dem Betriebswirt zusammen mit Benedikt T. Der Fall des unter zweifelhaften Umständen in die Psychiatrie eingewiesenen Gustl Mollath zeige, dass sich mithilfe der Öffentlichkeit etwas bewirken lasse, sagt Pirnat. Zunächst kommt es ihm darauf an, dass der Wiederaufnahmeantrag nicht einfach "unter der Hand durchfällt". Eine Internetseite der Initiative soll die Öffentlichkeit über den Verfahrensstand auf dem Laufenden halten. "Wir haben nichts mehr zu verlieren", sagt Pirnat."