Mehr Wohnungen, weniger Autos:Neue Pläne für Moosacher Stadtsanierung

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Mehr Wohnungen, weniger Autos: Die Entwürfe von Architekten und Stadtplanern für das Quartier westlich der Dachauer Straße in Moosach sind in einer Ausstellung zu sehen.

Die Entwürfe von Architekten und Stadtplanern für das Quartier westlich der Dachauer Straße in Moosach sind in einer Ausstellung zu sehen.

(Foto: Bogevischs Büro/Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten)

Nach einem Architektenwettbewerb präsentiert der Stadtteil in einer Ausstellung Ideen für die Siedlung westlich der Dachauer Straße.

Von Benjamin Stolz

Mehr Wohnungen, mehr Grün und die Option auf weniger Autoverkehr - diese Vorstellungen für die Zukunft des Stadtbezirks Moosach haben sich in einem Wettbewerb im Rahmen der dortigen Stadtsanierung durchgesetzt. Aus zwölf eingereichten Arbeiten hat ein Preisgericht aus Architekten und Lokalpolitikern drei Entwürfe von Städteplanern und Landschaftsarchitekten ausgewählt, die den baulichen Rahmen für kommende Arbeiten am Quartier westlich der Dachauer Straße bilden sollen.

Noch bis Freitag, 6. Mai, sind alle eingereichten Arbeiten im Pfarrsaal St. Mauritius an der Templestraße 5 erstmals in einer öffentlichen Ausstellung zu sehen. Zuvor waren die Ergebnisse online veröffentlicht worden. Ziel des Wettbewerbs sei ein "Konzept, das uns für die nächsten Jahre Leitplanken für die Entwicklung des Quartiers vorgibt", sagt Franziska Lomb, die im Planungsreferat für die Moosacher Stadtsanierung zuständig ist.

Seit Januar 2021 zählt Moosach zu den Stadtsanierungsgebieten der Landeshauptstadt. Aus einem Fördertopf, der zu jeweils 30 Prozent von Bund und Land und zu 40 Prozent aus städtischen Mitteln gespeist wird, sollen klar definierte Stadtgebiete "erhalten und aufgewertet" werden, wie Sachgebietsleiter Andreas Eberle-Kacinari erläutert. Im Beschluss zur Stadtsanierung Moosach sind laut Stadt für die Jahre 2021 bis 2024 sieben Millionen Euro vorgesehen.

Eberle-Kacinari koordiniert insgesamt sieben laufende Stadtsanierungen in München. "Die Städteförderprogramme, die wir haben, sind eigentlich Bauprogramme", sagt er. Während es in Trudering etwa um eine autofreie "Erschließungsspange" und in Ramersdorf um die Erhaltung des Ortskerns geht, kümmert sich die Moosacher Stadtsanierung unter anderem um die lokalen Dauerthemen Verkehr, Wohnungsbau und Raum für Naherholung. Die drei größten dort geplanten Projekte sind die Aufwertung des Westfriedhofs, der ein "Ruhe- und Erholungsort" werden soll, der Bau eines Kultursaals am St.-Martins-Platz und die "bauliche Entwicklung" der GWG- und Sparkassensiedlung.

Nach der Entscheidung des Preisgerichts im vergangenen Oktober gibt es drei Siegerprojekte, mit denen die Verantwortlichen nun in Verhandlungen treten. Der dritte Platz ging an die Leipziger Städtebauer "Grunwald & Grunwald" und an die Landschaftsarchitekten "Häfner Jiménez Betcke Jarosch", die in ihrem Entwurf auf halböffentliche grüne Höfe und die Devise Wohngebäude statt Garagen setzen. Die Architekten "P38" und "Grabow Klause" holten sich mit L- und Z-förmigen Erweiterungen des Baubestands und Plänen zur Nachverdichtung des Wohnraums den zweiten Platz.

Mit einer "breiten Mehrheit" ging laut Eberle-Kacinari der erste Platz an "Bogevischs Buero Architekten & Stadtplaner GmbH" und die "Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Partnerschaft". "Sie haben es am besten geschafft, die Identität des Ortes zu erhalten", sagt Eberle-Kacinari über die Architekten, zu deren bisherigen Aufträgen etwa die Generalsanierung der Freimanner Studentenstadt zählt. Neben mehr Wohneinheiten verspricht der Entwurf eine oberirdische Quartiersgarage, die in Zukunft auch "anders gedacht" werden könne.

"Drei gleichwertige Arbeiten gehen jetzt in Verhandlungen", sagt Franziska Lomb über das weitere Vorgehen. Wer bis zum Sommer den Zuschlag bekomme, skizziere im Anschuss keinen Bebauungsplan, sondern definiere, so Lomb, "verpflichtende Sanierungsziele, die in den nächsten 15 bis 20 Jahren die Weiterentwicklung steuern sollen". Das Ergebnis ist ein Plan, der möglichen Sanierungsarbeiten zur Orientierung dient.

Die Vertreter des Bezirksausschusses (BA) Moosach zeigen sich mit dem Sieger des Wettbewerbs zufrieden. "In diesem Entwurf ist so ziemlich alles berücksichtigt", sagt der BA-Vorsitzende Wolfgang Kuhn (SPD), der selbst in der Jury saß. Als wichtige Anliegen für die Stadtsanierung sieht Kuhn einen Anschluss ans Fernwärmenetz, ein besseres Verkehrskonzept und sozialen Wohnungsbau.

Ein Wermutstropfen sei der schnelle Ablauf des Preisgerichts, in dem die Juroren sich an nur einem Tag für eine Variante entscheiden mussten. Man habe die Sitzung "im Schweinsgalopp durchgezogen". Stadtteilmanagerin Anna Canins sieht das nicht so. "Wie so ein Wettbewerb abläuft, unterliegt formalen Vorgaben", sagt Canins, die die Schnittstelle zwischen Stadtteil, Bürgern und der Verwaltung verantwortet. "Als nächstes wird eine vertiefende Rahmenplanung für das Gebiet erstellt", erklärt sie den nächsten Schritt der Sanierung. Bis es auf dem circa 192 Hektar großen, von rund 16 300 Menschen bewohnten Teil von Moosach etwas zu sehen gibt, muss man sich noch etwas gedulden.

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