Moosach Lösung auf Zeit

Erinnerung: der Denkmalsentwurf der Künstlerin Elke Härtel.

(Foto: Kulturreferat)

Der Obst- und Gemüsestand am OEZ muss dem geplanten Denkmal weichen - und findet gegenüber einen neuen Standort

Von Anita Naujokat, Moosach

Die Stammkunden wird's freuen: Der Obst- und Gemüsestand beim Olympia-Einkaufszentrum (OEZ), der dem geplanten Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Attentats vom 22. Juli 2016 weichen muss, wird auf die andere Straßenseite auf Privatgrund des OEZ wechseln können und zumindest dieses Jahr dort bleiben können. Dies bestätigte Center-Manager Christoph von Oelhafen auf Anfrage der SZ. Diese Lösung hatte das städtische Kulturreferat angestrebt, um dem Händler Faruk Sazil ein Verbleiben in der Nähe zu ermöglichen. Für die Zeit danach, so Oelhafen, vertraue man darauf, dass die Stadt einen neuen Standort suche.

Der Händler betreibt seinen Obststand zwischen dem Schnellrestaurant McDonald's und dem U-Bahn-Aufgang auf der westlichen Seite der Hanauer Straße. Er war nicht nur Augenzeuge, als am 22. Juli ein 18-jähriger Schüler neun Menschen vor und im OEZ tötete, bevor dieser sich selbst erschoss. Auch Sazils Obststand wurde von Kugeln getroffen, er selbst rettete sich in den benachbarten Saturn-Elektromarkt. Danach musste er um sein finanzielles Überleben bangen: Nach dem Amoklauf blieben aus Angst vor dem Ort und wegen des lange gesperrten U-Bahnaufgangs die Kunden weg. Und jetzt ist er dem geplanten Denkmal zur Erinnerung an die Opfer im Weg. Die Stadt realisiert es auf der Grünfläche hinter dem Verkaufsstand. Nach dem Entwurf der Künstlerin Elke Härtel ist ein Gedenk-Ensemble geplant. Es besteht aus einem zwei Meter hohen und zweieinhalb Meter breiten Ring aus poliertem Edelstahl, der einen Ginkgo-Baum umfasst. Ein Teil des Rings ist in die Erde versenkt. Einem Schmuckstück nachempfunden trägt er neun Steine, deren Innenseiten die Namen und Abbildungen der neun Getöteten tragen. Er soll für Verbundenheit, Gemeinsamkeit, Unendlichkeit und Ewigkeit stehen. Der Ginkgo-Baum wurde wegen seiner hohen Symbolkraft und seiner Wuchseigenschaften ausgesucht: Er gilt als Heilpflanze, mit der Menschen Frieden, Freundschaft und Hoffnung verbinden, und soll für die Menschen stehen, die hier verwurzelt waren und hier ihr Leben verloren. Gepflanzt werden soll er im April, die Gedenkstätte soll zum ersten Jahrestag des Amoklaufs am 22. Juli 2017 eingeweiht werden.

Die Errichtung eines Gedenkortes hatte der Stadtrat eine Woche nach dem Amoklauf angeregt. Damit zeitnah ein würdiger und besinnlicher Platz an dem stark frequentierten Ort entstehen kann, hatte der Ältestenrat im November unter Federführung des Kulturreferats einen Gestaltungswettbewerb mit geladenen Künstlern ausgelobt, die sieben umsetzbare Vorschläge einreichten. In die Auswahl und die Form des Gedenkens und Erinnerns hatte die Stadt die Angehörigen der Todesopfer eng einbezogen.

Im Kulturreferat rechnet man damit, dass der Händler den Stand zu vergleichbaren Konditionen gegenüber eröffnen kann. Die Behörde sei allerdings nicht an den Vertragsverhandlungen beteiligt. Faruk Sazil selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.