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Moosach:Jetzt ziehen "Die Gubes" ein

Kunst bis zum Abriss: Im Abbruch-Gebäude Baubergerstraße 17 eröffnet Ende September ein sozial-kulturelles Zwischennutzungsprojekt.

(Foto: Robert Haas)

An der Baubergerstraße 17 startet Ende des Monats ein sozial-kulturelles Zwischennutzungsprojekt. Die GWG stellt das Haus mit seinen sieben Wohnungen den Initiatoren zunächst ein Jahr mietfrei zur Verfügung

Ein Dreivierteljahr lang haben die Initiatoren an der Idee intensiv getüftelt und sie entwickelt. Nun, da sie auch der Moosacher Bezirksausschuss unterstützen wird, ist es spruchreif: Am Sonntag, 29. September, eröffnet an der Baubergerstraße 17 zunächst für ein Jahr das sozial-kulturelle Zwischennutzungsprojekt "Die Gubes".

Das leer stehende Haus gehört zu jenen in die Jahre gekommenen zwölf Blöcken mit insgesamt etwa 500 Wohnungen zwischen Bauberger-, Gube- und Karl-Lipp-Straße, welche die städtische Wohnungsgesellschaft GWG von 2020/21 an peu à peu abreißen und neu errichten will. Einige Häuser im ersten Bauabschnitt stehen bereits leer, andere werden noch von einer oder zwei Parteien bewohnt. Warum nicht in einem dieser Häuser bis zum Abbruch noch etwas gestalten, dachten sich Julia Schönfeld-Knor, SPD-Stadträtin und Geschäftsführerin des vom Gesamtverein getragenen Kultur- und Bürgerhauses Pelkovenschlössl, Johanna Donner, Leiterin der Nachbarschaftstreffs der Arbeitsgruppe Buhlstraße, und ein Kreis engagierter Bürger, die in der Siedlung leben oder im Kulturbereich aktiv sind.

Das Gebäude, das ihnen die GWG nun mietfrei einzig gegen Bezahlung der Verbrauchskosten zur Verfügung stellt, besteht aus sieben Wohnungen mit jeweils drei bis vier Zimmern. Die beiden Wohnungen im Erdgeschoss sollen sich zunächst für ein Jahr in einen Kultursalon und eine Werkstatt verwandeln. Der Salon ist als offener Raum für Anwohner, Kreativschaffende und anderweitig Interessierte für Kulturveranstaltungen, Diskussionen und soziale Angebote gedacht. Die Werkstatt soll ein offener Kreativraum für die Nachbarschaft sein, der sowohl stundenweise privat genutzt werden kann als auch für Workshops, von Gruppen oder etwa für ein Repair-Café. Ausstattung und Betreuung der Werkstatt übernimmt die Leiterin des Nachbarschaftstreffs an der Karlingerstraße. Das Amt für Wohnen und Migration im Sozialreferat hat Johanna Donner hierfür extra zusätzliche Stunden bewilligt, auch ein wenig Geld für die Ausstattung.

Von den verbleibenden Wohnungen sollen zwei als Ateliers genutzt werden, die restlichen Initiativen aus dem sozialen und kulturellen Bereich offenstehen, etwa Trägern aus der Kinder- und Jugendarbeit, jungen Gründern im Stadtteil, als Co-Working-Spaces oder für die lokale Lab- und Hub-Szene. "Experimentieren im Wohngebiet, das aber eher auf konservative Weise", nennt das Johanna Donner. Bandübungsräume und Partys sind also wegen der Nachbarschaft ausgeschlossen. "Wir wollen uns erst einmal ganz vorsichtig reintasten und dann mutiger werden", sagt sie. Für die Werkstatt habe man inzwischen zwei massive Werkbänke und hoffe noch auf Sachspenden, wie den einen oder anderen Bohrer und Schrauber.

Zum Programmbeirat gehörten vier junge Menschen, die schon beim Dok.fest und im Pelkovenschlössl mitwirkten, aus dem Viertel sind und über die Belegung entscheiden werden, sagt Julia Schönfeld-Knor. Dass sie sich als Schlössl-Geschäftsführerin und ehrenamtliche Stadträtin diese Aufgabe zusätzlich ans Bein bindet, erklärt sie damit, einfach auch rauszugehen aus der "durchgestalteten Komfortzone Pelkovenschlössl", Raum zu haben, damit sich Dinge entwickeln könnten, auch niederschwellige Sachen, sagt sie. Es sei eine Chance, dass sich Neues entfalten und herausbilden könne, und wenn dabei etwas Großes entstehe, könnte der nächste Schritt das Schlössl sein.

Vorstellbar sind Ausstellungen, ein monatliches Wohnzimmerkonzert, ein Kulturcafé, aber auch Hausaufgabenhilfe. "Es wird noch viel entstehen und einfließen", sagt Schönfeld-Knor. Ein Konkurrenzangebot zum erst vor Kurzem von Neuperlach nach Moosach gezogenen Kunsttreff des Vereins Kunstrefugium sieht sie nicht. Im Gegenteil: "Es gibt gemeinsame Ideen und Planungen."

Der Bezirksausschuss unterstützt das Projekt einhellig mit 24 700 Euro aus seinem Budget. "Ich möchte fast dafür werben, so gut finde ich es", sagte dessen Vorsitzender Wolfgang Kuhn (SPD). Auch die anderen Mitglieder waren sich einig: "Kultur braucht Raum. Und das ist eine einmalige Chance, einen Raum zu haben und Leute, die etwas auf die Beine stellen wollen", sagte SPD-Sprecherin Hannelore Schrimpf. "Da ist ein wahnsinniges Ehrenamt dabei", lobte CSU-Sprecher Florian Wies. "Und Kultur kostet eben Geld."

Am Sonntag, 29. September, sperren "Die Gubes" um 18 Uhr zum Kick-off erstmals für die Öffentlichkeit auf. "Die Gubes" deshalb, weil man ursprünglich in ein Haus an der Gubestraße gehen wollte, welches dann aber doch zu marode war. Interessenten haben noch die Möglichkeit, sich bis 1. Oktober in der ersten Runde für Räume oder ein Projekt zu bewerben (Telefon 45 20 74 68, Anrufbeantworter). Danach besteht noch die Möglichkeit, wenn wieder etwas frei wird.