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Moosach:Fast alles beim Alten

An der Baldurstraße dürfen Radler weiterhin den Gehweg benutzen

Von Anita Naujokat, Moosach

Es ist ein irritierender Anblick für Radfahrer und Fußgänger: die abgewetzte vermeintliche Radweg-Markierung auf dem Gehweg an der nördlichen Baldurstraße. Weshalb die Grünen in der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) am Montagabend zunächst beantragten, den Streifen nach den Richtlinien des Radentscheids zu erneuern, um Konflikte zwischen Passanten, gerade älteren Friedhofsbesuchern, und Radfahrern zu vermeiden, die unwissentlich die Wege der jeweils anderen kreuzten und benutzten. Dann sollten auch Schilder aufgestellt werden, die auf einen getrennten Rad- und Gehweg hinweisen. Doch damit würde sich auch die Situation verändern, wie Nikolaus Brönner, Leiter der Polizeiinspektion in Moosach, hervorhob. Denn nach der derzeitigen Lage handle es sich dort um einen Bürgersteig, der aber für Radler freigegeben sei, mit Vorrang für Fußgänger, auf die die Radler Rücksicht zu nehmen hätten. Radeln ist dort also erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Vermutlich sei aus diesem Grund auch die Markierung nie erneuert worden, da sie eben keinen Radweg ausweise.

CSU, SPD und Freie Wähler plädierten unisono dafür, die jetzige Situation beizubehalten. "Wir wollen keine Veränderung an der Verkehrsführung", sagte Riad el Sabbagh, der gemeinsam mit Hanna Kammermaier die SPD-Fraktion führt. Axel Stoßno (FDP) befürchtete, dass es Radlern bei einem beschilderten Radweg auch nicht mehr gestattet sei, auf der Straße zu fahren. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfiehlt, "Radfahrer-frei-Gehwege" nicht zu benutzen, wenn problemlos auf der Straße geradelt werden könne. Dort würden Radler von Autofahrern besser gesehen und hätten weniger Unfallrisiko an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstücksausfahrten.

Vom Grünen-Antrag blieb am Ende nichts mehr übrig. Sie zogen ihn zurück. Stattdessen beschloss das Gremium einstimmig, die irritierenden Restelemente der Markierung komplett entfernen zu lassen.

© SZ vom 21.10.2020

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