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Moosach:Erst fehlt's am Brandschutz, dann am Personal

Eng geworden ist es für Familien in der denkmalgeschützten Wohnsiedlung Borstei: Dem dortigen Kindergarten gehen die Fachkräfte aus.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eltern befürchten die Schließung des Kindergartens in der Borstei. Aus Mangel an Erzieherinnen läuft ein Schichtbetrieb

Von Anita Naujokat, Moosach

Der städtische Kindergarten in der Borstei sieht sich erneut vom Aus bedroht. Waren es 2018 angebliche Brandschutzmängel, die das Referat für Bildung und Sport (RBS) ausgemacht haben wollte, wegen "Missverständnissen bei der Beurteilung der Lage" später aber wieder zurückgerudert war, ist es jetzt Personalmangel. Damals hatten Lokal- und Kommunalpolitiker bis hin zu Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erfolgreich gegen eine Schließung interveniert.

Mittlerweile sei innerhalb der vergangenen zwei Jahre das Personal auf vier Erzieherinnen und Erzieher, Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger für die Betreuung von knapp 40 Kindern geschrumpft, schreibt der Elternbeirat in einem Hilferuf an den Bezirksausschuss. Zwei davon arbeiteten in Teilzeit, eine habe die Leitungsstelle mit administrativen Aufgaben inne, eine Kraft sei derzeit im Krankenstand. Und für dieses Jahr sei bereits ein weiterer Abschied angekündigt worden. Das RBS habe im Dezember verfügt, dass von Mitte Januar bis zunächst Ende Februar die Einrichtung täglich nur für eine Gruppe geöffnet werde und die Betriebszeiten insgesamt reduziere.

An einem Tag ist und war sie für die Kinder aus der Gruppe Löfftzstraße geöffnet, am darauffolgenden für die aus der Pickelstraße, um für die Kinder wenigstens den festen Gruppenverband zu gewährleisten. Man hoffe, teilte das RBS noch mit, dass im März wieder mehr Personal zur Verfügung stehe.

Für die Elternvertreter bedeutet diese Situation, dass die Stadt München den gesetzlichen Anspruch auf Betreuung in der Borstei seit diesem Jahr nicht mehr gewährleisten kann. Dies sei weder für die Eltern noch für das verbliebene Personal hinnehmbar, deren Stimmung eh auf dem Tiefpunkt sei. Selbst coronabedingte Notbetreuung sei nicht mehr in vollem Umfang möglich gewesen. Ständig mit einer zu geringen Personaldecke leben und arbeiten zu müssen, zehre an den Kräften und schaffe letztlich Demotivation und Krankheit, befürchten die Elternbeiratsvorsitzende Christina Holme und ihr Stellvertreter René Rimmler. Man brauche mindestens zwei, langfristig drei zusätzliche Mitarbeiter.

Dem Elternbeirat ist bewusst, dass in ganz München Erzieherinnen und Erzieher fehlen, er sieht aber die Tagesstätte als "besonderen Härtefall". Sie existiere seit 1939, sei Teil der denkmalgeschützten Borstei im Münchner Nordwesten, damit "Zeitzeugin von Münchens Wohn- und Familienkultur" und biete einen aktiven Beitrag zum dortigen gesellschaftlichen Leben. Letztlich habe die Stadt in sie auch viel Steuergeld gepumpt, das jetzt hoffentlich nicht verschwendet sei.

Der Moosacher Bezirksausschuss (BA) sieht für sich kaum Handlungsmöglichkeiten. Die Schwierigkeiten, für Kindertageseinrichtungen Personal zu bekommen, seien seit Jahren ein stadtweites Problem, sagte der BA-Vorsitzende Wolfgang Kuhn (SPD) in der jüngsten Sitzung des Gremiums. Man könne den Appell der Eltern nur an die zuständige Stelle im städtischen Bildungsreferat weiterleiten. Und als Lokalpolitiker hoffen, dass der Betrieb im Kindergarten reibungslos aufrechterhalten werden könne.

© SZ vom 02.03.2021
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