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Moosach:Dokumente der Krise

Wie hat Moosach in der Corona-Epidemie gelebt, was hat sich verändert? Dorothea Streng-Hussock und Maja Das Gupta erkunden in einem Projekt, wie die Menschen im Viertel den Lockdown überstanden haben

Stimmen einfangen, wie geht es den Moosachern in der gegenwärtigen Situation, was sagen Vereinsvertreter, kleine Unternehmen, wie nehmen Jugendliche, Senioren ihr Leben zwischen Kontaktverbot und Solidarität, Vereinzelung und neue Formen der Kommunikation wahr? Diesen und anderen Fragen gehen die Dramaturgin Dorothea Streng-Hussock und die Regisseurin Maja Das Gupta für eine Dokumentation des Corona-Lockdowns in Moosach nach. Für sie stellt die Pandemie eine einzigartige Krise der jüngeren Menschheitsgeschichte dar, deren Folgen sie für die Nachwelt festhalten wollen.

Vera Kahl musste ihre Buchhandlung "Blattgold" schließen und auf Auslieferung setzten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Während Virologen und Soziologen weltweit dazu forschen, setzen Streng-Hussock und Das Gupta den Fokus auf Moosach und dessen Bürger. Fragebögen, kurze Selfie-Videos, Erzählungen und Aufsätze sollen Aufschluss über das Leben verschiedener Bevölkerungsgruppen mit je einer Fragestellung geben, etwa das von Schülern einer Klasse, von Eltern und Kinder einer Kita, aber auch von Netzwerkern in Schlüsselpositionen von Vereinen und Kirchen. Diese Dokumente werden danach ausgewertet und archiviert.

Maja Das Gupta, Dramatikerin, dokumentiert
zusammen mit Dorothea Streng-Hussock
in einem Projekt die Lockdown- und Corona-Situation

in einem Lockdown- und Corona-Projekt

Maja Das Gupta möchte den Buchladen der Nachwelt erhalten.

(Foto: oh)

Streng-Hussock lebt mit ihrer Familie schon seit vielen Jahren in Moosach. Im Vorjahr hat sie den Theaterspaziergang "Auf Spurensuche durch 100 Jahre Hartmannshofen" ausgearbeitet. Neben ihrer freiberuflichen Tätigkeit promoviert sie derzeit in Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität. Maja Das Gupta ist in Moosach aufgewachsen und pendelt als freie Autorin und Regisseurin zwischen Berlin und München. 2019 legte sie den Arbeitsschwerpunkt auf München: Ihre Komödie "Ela fliegt auf" wurde an der Schauburg uraufgeführt, während sie als Dramaturgin an der Freien Bühne München für die Produktion "Lulu" zuständig war. Ihre Eigenproduktion "Lillys Bus" hatte am Pathos-Theater Premiere. Beide Theatermacherinnen hatten sich über das Moosacher Zwischennutzungsprojekt "Die Gubes" kennengelernt.

Die Idee, die jetzige außergewöhnliche Lebenssituation zu dokumentieren und zu archivieren, sei ihnen spontan wegen ihrer regelmäßigen Kontakte in Moosach gekommen, sagt Streng-Hussock. Kooperationspartner zur Verwaltung und Archivierung ist der Moosacher Geschichtsverein, Ansprechpartner für Senioren ist die Arbeiterwohlfahrt, insbesondere der "Runde Tisch Inklusion". Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bezirksausschuss.

Streng-Hussock und Das Gupta geht es zunächst um die reine Dokumentation, verbunden mit einer kurzen Publikation der Ergebnisse etwa in den Moosacher Geschichtsblättern. Für die Zeit nach dem Lockdown können sie sich mehrere Formen der Präsentation vorstellen, etwa eine Ausstellung im Pelkovenschlössl, in der Volkshochschule oder auch einen "Audio-Walk" im Freien.

Auf Nachfrage ist bei beiden Projektleiterinnen ein Fragebogen für Kinder, Jugendliche oder Menschen der Risikogruppe erhältlich (www.dorotheastreng.de, www.maja-das-gupta.de). Auszüge aus den Fragen sind auch im Schaufenster des Ladenlokals an der Baubergerstraße 19 zu sehen.

© SZ vom 30.05.2020

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