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Moosach:Angst um die Kinder

Schattenspiele in Braunschweig

An warmen Tagen nehmen viele Radler die Donaustaufer Straße zu den Seen im Norden.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Anlieger einer Wohnstraße fühlen sich von Radlern überrollt

Von Anita Naujokat, Moosach

Eigentlich erfreuen sich Fahrradstraßen großer Beliebtheit, nicht jedoch bei Anliegern der Donaustaufer Straße, die darin ein hohes Gefährdungspotenzial besonders für draußen spielende Kinder ausmachen. Die schmale Wohnstraße, die am nördlichen Ende eine Sackgasse ist, hat keine Gehwege und bietet Radlern eine Route zum Feldmochinger und Fasaneriesee im Münchner Norden. Sie sei besonders an warmen Tagen stark von Radlern frequentiert, die zum Teil ungebremst mit bis zu 30 Stundenkilometern durchpreschten, ohne Rücksicht auf spielende oder herumlaufende Kinder, schilderte ein Anlieger dem Bezirksausschuss (BA) die Situation. Zudem sei dort auch eine Kita.

Seit der Ausgangsbeschränkungen habe die Zahl der Fahrradfahrer, Jogger, Walker und Fußgänger noch enorm zugenommen. Er habe einmal stichprobenartig gezählt und sei in einer Stunde auf etwa 500 querende Personen gekommen, sagte der Mann. Anwohner hätten von sich aus schon zwei grüne Warnfiguren, sogenannte Streetbuddies, aufgestellt, um Radler zur Rücksicht auf Kinder zu mahnen.

Er spreche auch im Namen anderer Familien, sagte der Vater. Sie fordern, die Fahrradstraße in eine Spielstraße umzuwandeln und eine der Parallelstraßen, wie die Wichertstraße oder die Abendsbergstraße für Radler auszuweisen. Diese Straßen hätten jeweils einen Gehweg und führten in den weiterleitenden Fahrradweg.

Die Polizei, die sich schriftlich zu dem Antrag geäußert hatte, wies darauf hin, dass eine Spielstraße auch bedeute, dass die Straße dann so gesperrt werden müsse, dass Anwohner nicht mehr zu ihren Häusern fahren könnten, geschweige denn Lieferanten und Besucher. Selbst die Müllabfuhr dürfe nicht in eine Spielstraße fahren. Sollte dagegen ein verkehrsberuhigter Bereich gemeint sein, sei dieser "kein Freibrief für spielende Kinder". Hierbei handele es sich um eine Mischverkehrsfläche, bei der auch nicht weniger Radverkehr zu erwarten wäre, aber alle mit Augenmaß gegenseitig Rücksicht aufeinander nehmen müssten, wozu kleine Kinder noch nicht in der Lage seien. Insofern biete ein solcher Bereich ohne elterliche Aufsicht auch nur eine "Scheinsicherheit". Ein verkehrsberuhigter Bereich schränke zudem die Parkmöglichkeiten vor den Häusern "meist erheblich" ein und setze eine bauliche Umgestaltung der Straße voraus. Die Unfallsituation bewertet die Polizei als "unauffällig": Von Anfang 2017 bis Mitte Juni habe es lediglich einen Verkehrsunfall mit Radlern gegeben, der sich aber außerhalb der geteerten Straße im Bereich der Brücke über die Max-Born-Straße zugetragen habe.

Der BA schätzte dies ähnlich ein. Der beste Weg sei, die Straße erstmalig herzustellen und mit einem Gehweg zu versehen, lautete der Mehrheitsbeschluss. Für eine kurzfristigere kreative Lösung wolle man sich Gedanken machen.

© SZ vom 23.07.2020

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