Asiatisches Restaurant Schlachthofviertel "Monsieur Hu" Wie in Ostasiens Metropolen

Ein geheimnisvoller Lichttunnel, kleine Startschwierigkeiten und Mao Tse-Tungs Lieblingsgericht - das Monsieur Hu im Schlachthofviertel.

Von Alois Gudmund

Dieser Text ist leider veraltet, das Restaurant gibt es inzwischen nicht mehr.

Geheimnisvoll: Ein Lichttunnel durchteilt das Monsieur Hu.

(Foto: Foto: Catherina Hess)

Ach, die gute, alte Kolonialzeit! Kolonialatmosphäre, Kolonialarchitektur, Kolonialküche - wer träumt da nicht von weiten Veranden unter Palmen, von leise kreiselnden Ventilatoren, von einheimischen Bediensteten, die dienstfertig exotische Gerichte servieren?

Gut, dieses romantische Bild der in Wirklichkeit oft grausamen Weltherrschaft des weißen Mannes, das sich in die Gehirne sogar aufgeklärter Europäer eingefressen hat, teilen die Nachkommen der unterdrückten Völker nicht. Sie wissen, dass die Arroganz der Kolonialherren nur ganz wenigen der Einheimischen eine halbwegs respektvolle Anrede gönnte: Ein Monsieur war im kolonialen Indochina ein Franzose - oder ein ganz besonders Auserwählter unter den Beherrschten.

Wer also als Monsieur Hu zu Tisch bittet, beschwört so die romantisierende Kolonialsehnsucht mancher Europäer. Das ist gewollt, doch das tiefrote Ladenschild im Schlachthofviertel führt dennoch ein wenig in die Irre. Denn Sam Hu sieht mit seinen 25 Jahren kaum aus wie ein kolonialer Monsieur, er ist auch keineswegs auf einem Vergangenheitstrip, sondern ganz im Hier und Jetzt.

Ein modernes, großstädtisches Restaurant, so wie es den Trend in Ostasiens Metropolen bestimmt, wollte sich der junge Mann aus chinesischer Wirtedynastie aufbauen. Das wissen wir so genau, weil er uns am Aufbau seines Restaurants teilnehmen hat lassen. Die Doku-Seifenoper eines TV-Privatkanals hat ihn dabei verfolgt, wie er seinen Traum vom eigenen Lokal verwirklichte im ständigen Ringen zwischen den Ansprüchen seiner ebenfalls jungen Innenarchitektin und den Zwängen seines Budgets.

Herausgekommen ist dabei ein geheimnisvoll rot schimmernder, von einer Art Lichttunnel geteilter Raum, dessen runde Kulissenformen geschickt mit der schlauchartigen Länge der Gaststube spielen, sehr trendy und trotz arg eng aneinander gedrängter Tische doch gemütlich.

Nur hinten, in einer Art halbrunder Apsis, deren Polsterbänke und Beistelltischchen wohl zum Abhängen nach dem Mahl verleiten sollen, sieht das merkwürdig anders aus. Aquariumartig grün leuchten hier die Wände, und Gudmund glaubte hier, nachvollziehen zu können, wie sich so ein Pangasius-Fisch wohl fühlt in seinem Mastkäfig im Delta des Mekong-Flusses.

Gleich bei seinem ersten Besuch wurde Gudmund in dieses so grüne Grün verwiesen. Denn der multimediale Werbedampf des Jungwirts hatte gewirkt. Alle Tische waren besetzt, auch der, den Gudmund sich telefonisch reserviert hatte, war nicht mehr frei. Das sollte nicht, kann aber passieren, und der Wirt machte gut geschult das Beste daraus, entschuldigte sich und spendierte Getränke.

Monsieur Hu

Wie in Ostasiens Metropolen

Nur war das so ein Abend, an dem zunächst nichts so recht klappen wollte. Es waren offensichtlich zu wenige Bedienungen da, und die waren gehetzt und überfordert. Als sie nach mehr als einer Stunde dem allmählich hungergrantigen Gast einen Teller vorsetzten, lag darauf das falsche Gericht. Immerhin: Als sie dann die Vorspeisenplatte (8,30 Euro pro Person) brachten, nahmen sie sich auch die Zeit, jedes der Häppchen freundlich zu erklären. Und bei zwei weiteren Besuchen zeigten sich der Wirt und seine Kellnerinnen als überaus zuvorkommend - und seine Köche als meist mit feiner Sorgfalt arbeitend.