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Mondfinsternis:München sieht heute Abend Rot

Mondfinsternis - Bayern

Der aufgehende Mond ist im Dunst über München zu sehen - recht viel mehr noch nicht.

(Foto: dpa)
  • Am Freitag um 21:30 Uhr wird der Mond über München für zwei Stunden blutrot erstrahlen.
  • Die Münchner Volkshochschule, das Deutsche Museum, die Ludwig-Maximilians-Universität, die Volkssternwarte und das ESO Supernova Planetarium haben ein Rahmenprogramm aufgestellt.
  • Falls das Wetter streikt, soll die Finsternis von einem anderen Observatorium in Europa, Südafrika oder Indien in alle fünf Zentren nach München übertragen werden.

Seit Jahrtausenden ist die Menschheit vom Mond fasziniert. Am kommenden Freitag wird er jedoch nicht wie üblich in Weiß erstrahlen - sondern in Blutrot. Forscher rechnen mit der längsten Mondfinsternis, die es in diesem Jahrhundert zu sehen geben wird. "Und das zur Primetime", sagt Lydia Weinberger von der Münchner Volkshochschule. Zusammen mit vier anderen Kompetenzzentren - darunter das Deutsche Museum, die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), die Volkssternwarte und das ESO Supernova Planetarium - wurde ein Rahmenprogramm rund um das spektakuläre Himmelsschauspiel erstellt, das von 21.30 Uhr an für rund zwei Stunden zu sehen ist.

Doch nicht immer wurde dieses Ereignis so begeistert gefeiert wie heute. Früher war eine Mondfinsternis ein schlechtes Omen, von den Menschen gefürchtet. Sie sahen sie wie ein rotes, auf die Erde herabschauendes Monster, das am Himmel ragt, sein Unwesen treibt und Verursacher von Leid und Tragödien ist. "Sie hat eine große und tragende Bedeutung in unserer Geschichte", sagt Cecilia Scorza, Professorin und Astrophysikerin an der LMU. Menschen hätten damals auf dem ganzen Globus verteilt mit verschiedenen Ritualen versucht, die vom roten Mond verschluckte Sonne wieder zu holen und das "Monster" zu verjagen. "Erst die Babylonier fingen an, einen regelmäßigen, nicht böswilligen Zyklus zu erkennen", so Scorza. Sie machten erste Aufzeichnungen, erkannten Strukturen, schauten in die Sterne - und sogar in die Zukunft. Schon vor 2700 Jahren wussten sie, dass sich die Rotation der Erde wegen der Gezeitenkraft des Mondes verlangsamen wird und Ebbe und Flut ihren Ursprung in dieser Kraft haben.

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Und eigentlich ist eine Mondfinsternis nichts Außergewöhnliches. Etwa zweimal im Jahr würden sich die Himmelskörper so bewegen, dass der Mond vollständig im Schatten der Erde eintritt, sagt Hobbyastronom Marco Sproviero. Der Ingenieur ist Teil der Beobachtungsgruppe der Sternwarte des Deutschen Museums und hatte schon immer ein Faible für Sterne. "Doch die Finsternis ist nicht immer von überall zu sehen. Dieses Mal haben wir von München aus den besten Blick." Und nicht nur das, es soll auch die längste in diesem Jahrhundert werden.

Währte die letzte totale Mondfinsternis, die gut von München aus zu sehen war, im September 2015 nur 30 Minuten, so erwarten Wissenschaftler ein knapp zweistündiges Himmelsspektakel. Die richtige "Einstiegsdroge" für Kinder, Jugendliche und Interessierte aller Art, wie Christian Sicka, Kurator des Museums, sagt. Er erhofft sich, durch die Mondfinsternis viel mehr Menschen in Berührung mit Astrophysik zu bringen. "Das Thema sollte schon viel früher und intensiv in Schulen behandelt werden. Auch in Zukunft brauchen wir mutige, clevere Köpfe, die in die Sterne schauen und Zusammenhänge verstehen wollen."

Die fünf Kompetenzzentren legen sich für kommenden Freitag daher mächtig ins Zeug. Ab 18.30 Uhr geht es im Deutschen Museum los, Experten führen im 30-Minuten-Takt durch die Abteilung Astronomie. Auch die Weststernwarte und die Planetariumsterrassen können Besucher sich anschauen, bei Drinks und Fingerfood den Abend genießen. Ab 20.30 Uhr stellt die Oststernwarte rechtzeitig zur Finsternis dann ihr riesiges Teleskop zur Verfügung (Eintritt sechs Euro).

Auch in der Volkssternwarte an der Rosenheimer Straße 145 finden Teleskopbeobachtungen auf der Dachplattform statt. Das Motto: "Ihr Fenster zum Weltall". Dazu gibt es Vorträge zur Geschichte und Entstehung der Mondfinsternis. Auch auf eine Ausstellung, unter anderem zur Funktion des Sonnensystems, dürfen sich Besucher freuen. Und: Es gibt die Möglichkeit, einen echten Meteoriten anzufassen. Auch hier zahlt man sechs Euro Eintritt.

Für Kinder geht es beim ESO Supernova Planetarium (Karl-Schwarzschild-Straße 2, Garching) rund: In einem interaktiven Spiel können sie herausfinden, wieso der Mond eigentlich so viele Krater hat und wie diese entstehen. Später können sie dann zusammen mit ihren Eltern die Mondfinsternis auf der Dachterrasse bestaunen - und das kostenlos. Genau wie übrigens die meisten Aktivitäten der Volkshochschule an der Einsteinstraße 28. Auch da startet das Rahmenprogramm um 18.30 Uhr mit vielen Kurzvorträgen. Um kurz vor 21 Uhr kommentieren dann der TV-Moderator und Astrophysiker Harald Lesch und Cecilia Scorza die Jahrhundertfinsternis.

Es gibt übrigens auch einen Notfallplan. Falls das nämlich Wetter streikt, dunkle Wolken den Himmel verdecken oder es sogar regnet, so soll die Finsternis von einem anderen Observatorium in Europa, Südafrika oder Indien in alle fünf Zentren nach München übertragen werden.

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