Moderne Architektur in München Bloß nicht zu spektakulär

Zwischen Kaufhof und Justizpalast (rechts) soll das neue Hotel Königshof mit seiner aufgeschnittenen Fassade einen markanten Akzent setzen. Simulation: Nieto Sobejano Arquitectos

  • Moderne Architektur hat es in der Münchner City schwer - oft entscheidet die Stadtgestaltungskommission gegen futuristische Entwürfe.
  • Die Entscheidungen fallen individuell: Der avantgardistische Neubau des Hotels Königshof am Stachus wird gebaut, die moderne Erweiterung des Hotels Mandarin Oriental auf dem Areal des Fina-Parkhauses wurde nicht genehmigt.
  • Architekten warnen davor, moderne Architektur in der Münchner City zu verteufeln.
Von Alfred Dürr

Wie viel moderne Architektur verträgt das Zentrum der Stadt? Dürfen Bauherren Unkonventionelles wagen oder müssen sich neue Gebäude den traditionellen Strukturen des Altstadt-Ensembles unterordnen? Dass beide Wege gegangen werden können, zeigt die engagiert geführte Debatte in der Stadtgestaltungskommission über zwei umstrittene Großprojekte in der Innenstadt. Daumen hoch hieß es am Ende für den avantgardistischen Neubau des Hotels Königshof am Stachus. Anders sieht es dagegen für die Erweiterung des Hotels Mandarin Oriental auf dem Areal des Fina-Parkhauses aus. Hier konnte sich ein futuristischer Entwurf nicht durchsetzen. Es wird dafür ein Gebäude-Ensemble kommen, das alles unternimmt, um an dieser Stelle nicht als Fremdkörper zu erscheinen.

Den Wettbewerb für das "Stadthaus-Ensemble" an der Hildegardstraße mit Hotelzimmern, Wohnungen, Läden und Gastronomie hatte das spanische Büro Nieto Sobejano Arquitectos mit klarer Mehrheit gewonnen. Doch gegen die hoch aufragende moderne Stahl-Glas-Fassade mit einer terrassenartigen Abstufung der Geschosse und mit einer für die Altstadt untypischen Dachform gab es Widerstand, vor allem aus der Ecke der Denkmalpfleger. Auch Überarbeitungen des auffälligen Unikats brachten kein Ergebnis. Der Investor - das Unternehmen Wöhr und Bauer - beauftragte das Münchner Büro Hild und K. mit der Ausarbeitung des Projekts.

Moderne Architektur nicht verteufeln

Das passe mit seinen Dächern, Fassaden, Plätzen und Wegen in die Altstadt, sagte Stadtheimatpfleger Gert Goergens: "Die Altstadt kann an dieser Stelle nicht aufgesprengt werden, das wäre der Beginn einer Umstrukturierung ungeahnten Ausmaßes." Eine Ansicht, die auch Bayerns oberster Denkmalpfleger, Generalkonservator Mathias Pfeil, teilt. Der größere Rahmen, den der damalige Stadtbaurat Karl Meitinger für den Wiederaufbau nach dem Krieg vorgegeben hatte, dürfe nicht durch Einzelgebäude zerstört werden.

Der Altbau (links) des Mandarin Oriental und die zwei neuen "Stadthäuser" (Mitte), die an die Stelle des Fina-Parkhauses kommen. Modell: Hild und K.

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Das provozierte Widerspruch aus der Architektenschaft. Ludwig Wappner sagte, man solle "keine Angst vor dem Fortschrittsglauben" haben: "Zeitgemäße Architektur kann doch nicht völlig verteufelt werden." Der ursprüngliche Entwurf hätte gut an diese Stelle gepasst", meinte Florian Fischer. Und sein Kollege Ritz Ritzer ergänzte: "Jetzt erkennt man doch gar nicht, dass es sich um ein Bauwerk des 21. Jahrhunderts handelt." Am Ende stimmte eine Mehrheit für den Entwurf von Hild und K. Einig waren sich alle, dass zwei geplante Brücken zwischen dem Mandarin-Altbau und dem neuen Nachbargebäude nicht realisiert werden sollen, weil sie das Stadtbild beeinträchtigten.

Sobald voraussichtlich 2018 die dreigeschossige Tiefgarage unter dem Thomas-Wimmer-Ring zwischen dem Isartorplatz und der Maximilianstraße fertig ist, soll das Fina-Parkhaus abgerissen werden. Dann beginnt der Neubau für das Hotel Mandarin Oriental.

Viel Lob für den architektonischen Mut

Tradition und spektakuläre Architektur werden dafür am Stachus möglich. Die alteingesessene Hoteliersfamilie Geisel sorgt mit ihrem geplanten Neubau für Aufsehen. Die aufgeschnittene Fassade soll nach Ansicht der Architekten - auch hier ist es das Büro Nieto Sobejano - mit einer ausdrucksstarken Abfolge von offenen Lobby-, Aufenthalts- und Ausblickszonen einen markanten Akzent setzen. "Wir öffnen uns zum Stachus und wir holen die Stadt zu uns herein", sagte Carl Geisel.

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Die Brüder Carl, Michael und Stephan Geisel, die zu den wenigen großen Privathoteliers gehören, haben viel Lob für ihren architektonischen Mut bekommen - aber auch heftige Anfeindungen. Die Stadtgestaltungskommission, die den Stadtrat in strittigen Baufragen berät und damit einflussreich ist, befürwortete das Projekt mit klarer Mehrheit. Das Gebäude füge sich gut neben dem Kaufhof, der ein bedeutendes Beispiel des Wiederaufbaus ist, und dem monumentalen Justizpalast ein. Selbst der Stadtheimatpfleger erkennt keine Probleme: "Ich finde das Projekt an dieser Stelle gut." Generalkonservator Mathias Pfeil sieht das anders: "Das Gebäude nimmt sich zu wichtig." Der Justizpalast werde damit an die Ecke gedrängt.