Modedesign Die Medizin ist weiterhin sehr präsent

Genau das ist der Grund, weshalb sie sich für ihre Bewerbung an das Thema Magersucht wagt. Sie möchte den Gefühlszustand betonen und das ihrer Meinung nach vorherrschende Tabu der Krankheit brechen. Zwar werde bereits etwas gegen Magermode getan, indem beispielsweise Models in Frankreich einen bestimmten Body-Mass-Index nicht unterschreiten dürfen. Doch ihrer Meinung nach umgeht man das Problem, anstatt es direkt anzusprechen: "Indem man Magermodels verbietet, verschwindet die Krankheit nicht. Man setzt sich nicht damit auseinander, wie es genau zur Krankheit kommt. Und genau das möchte ich thematisieren."

Wenn Aline über ihre Entwürfe spricht, merkt man, dass die Medizin und der menschliche Körper darin weiterhin sehr präsent sind. Sie beschreibt ihre Ideen mit medizinischen Begriffen oder verwendet Materialien aus diesem Bereich. Dazu gehört beispielsweise die Jacke aus Gips. "Wenn man sich einen Arm bricht, benutzt man Gips, um den Arm zu stabilisieren und damit zu beschützen. Doch du kannst dich nicht mehr damit bewegen: Es raubt dir deine Freiheit", sagt sie. Parallelen findet sie in der Magersucht: "Man fühlt sich gefangen und es ist schwer, da wieder herauszukommen."

Junge Leute

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Zurzeit arbeitet Aline in einer Boutique für Maßkonfektion - nicht nur, um weitere Erfahrungen zu sammeln, sondern auch, um Geld für das Studium anzusparen. An die Tausend Euro pro Semester kostet die Schule. Aber noch steht längst nicht fest, ob sie angenommen wird. Bewerbungsschluss ist im März, das Aufnahmeverfahren ist schwierig: Das Portfolio wird bewertet, zudem steht ein zweitägiges Auswahlverfahren an. Dort müssen die Bewerber zeigen, dass sie nicht nur modetechnisch, sondern auch künstlerisch begabt sind. Von 300 Bewerbern jährlich werden nur zwanzig genommen. Am Ende schafft nur knapp die Hälfte der Studierenden den Abschluss des vierjährigen Studiums.

Doch all das hält Aline nicht davon ab, sich dort zu bewerben. "Es ist die einzige Schule, die ich bisher kenne, die Anthropologie und Psychologie anbietet. Und diese Bereiche sind mir sehr wichtig." Auch findet sie, dass die Individualität in Antwerpen am meisten gefördert wird: "Bei anderen Modeschulen hatte ich den Eindruck, dass sie vermitteln wollen, wie man perfekt für Balmain zeichnen oder den Fendi-Style gut nachahmen kann. Ich habe Medizin nicht aufgegeben, um binnen einer Woche T-Shirts nach vorgefertigtem Maß zu designen, denn da wäre ich genauso unglücklich gewesen."

Die Austauschbarkeit ist das, was sie am meisten in der Modewelt stört. Es gebe kaum noch Marken, die sich von der breiten Masse abheben. Die Geschäfte in der Fußgängerzone hat sie seit zwei Jahren nicht mehr betreten. Ihr fehlt die Diversität: "In der kommerziellen Mode gibt es jeden Monat eine neue Kollektion. Es steht nicht mehr für etwas, Individualität ist kaum noch vorhanden."

Vor allem möchte sie mit ihrer Kollektion zeigen, dass Mode keinesfalls oberflächlich sein muss. Auch deswegen hat sie sich für das Thema Anorexie entschieden. Häufig sind die Leute überrascht, wenn sie erfahren, dass sie Abitur gemacht und mehrere Jahre Medizin studiert hat: "Menschen denken, dass man, wenn man Mode mag oder sich gerne zurechtmacht, dumm und oberflächlich ist. Nur weil ich Mode mag, bedeutet es nicht, dass ich weniger Allgemeinwissen habe."

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