Recycling Bikinis aus alten Fischernetzen

Grüne Mode in Pink, Lila und Rosa: Birgitta Tafelmeier gelangte auf Umwegen ins Mode-Business.

(Foto: Stephan Rumpf)

Birgitta Tafelmeier aus München entwirft Bademode, die aus ungewöhnlichem Material besteht. Sie soll nicht nur umweltfreundlich, sondern auch modisch sein.

Von Franziska Gerlach

Es gab eine Zeit, da stand Birgitta Tafelmeier fast täglich im leuchtenden Türkis des karibischen Meers. Und dennoch staunte sie immer wieder aufs Neue. "It's so crystal clear!", rief die Münchnerin dann allen um sie herum zu. Dass sie zehn Jahre später Bikinis aus recycelten Fischernetzen entwerfen und nach diesem Erlebnis benennen würde, ahnte sie damals nicht. An einem bewölkten Sommertag sitzt die 36-Jährige in einem Münchner Café und erzählt von ihrem Label "Crystal Flow". Es geht um die Passform von Bikinis, um illegale Fischerboote und die Bedeutung von Nachhaltigkeit für kleine Labels. Vor allem aber ist es die Geschichte einer Münchnerin, die sich aus den beiden Jahren, die sie in einer Strandbar auf den Cayman Islands jobbte, ihre Liebe zum Wasser bewahrt hat.

Schwimmen, tauchen, surfen - das alles macht Tafelmeier für ihr Leben gern. Nur Bikinis, die nicht gleich bei der ersten Welle verrutschen, die habe sie nie gefunden, erzählt sie. "Die Schnitte waren oft omamäßig", sagt sie. "Und dann diese lästigen Knoten am Rücken!" Also schnappte sie sich ein paar Buntstifte und brachte ihre Vorstellung von einem guten Sportbikini zu Papier. Die Hose entwarf sie mit rutschfestem Bund und einem hohen Beinausschnitt, damit ihn auch kleine Frauen tragen können. Und beim Oberteil sollte ausreichend Stoff für ausreichend Halt sorgen. Wieder und wieder, sagt sie, habe sie ihre Bikinis von Freundinnen Probe tragen lassen: große und kleine Frauen, dünne und korpulente, mit viel und mit wenig Oberweite. "Die Bikinis sollen verschiedenen Figuren passen", sagt Tafelmeier.

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Auf dem Tisch hat die Mode-Quereinsteigerin verschiedene Modelle ausgebreitet: schwarz mit pink, dunkelblau, und dann ist da noch ein weißer Sport-BH mit schmalen Trägern, die sich am Rücken kreuzen. Neben Bikinis und Sport-BHs gibt es auch Leggins, die saisonalbedingte Umsatzeinbußen ausgleichen sollen. Es sei ja nicht das ganze Jahr über Sommer, sagt die Unternehmerin. Dass es seit einigen Saisons als cool gilt, "Athleisure Wear" auch ins Büro oder die Kneipe anzuziehen, kommt ihr gelegen.

Ein südosteuropäisches Gemeinschaftsprojekt

Die Suche nach einem umweltverträglichen Material dagegen gestaltete sich aufwendig: Irgendwann, sagt sie, sei sie im Internet auf Econyl gestoßen. Das Garn aus recycelten Fischernetzen ist eine Alternative zum chemisch produzierten Nylon. An den Küsten Griechenlands oder Italiens etwa taucht die Organisation "Healthy Seas" alte Plastiknetze oder andere Müllreste aus dem Wasser, die eine Bedrohung für Meeresbewohner darstellen. Oftmals, sagt die Münchnerin, handle es sich um die Netze illegaler Boote. Sobald die Küstenwache nahe, machten sich die Fischer schnell davon. "Die Netze schneiden sie ab, damit man ihnen nichts nachweisen kann."

Tafelmeiers Produkt ist gewissermaßen ein südosteuropäisches Gemeinschaftsprojekt: In Slowenien werden aus den alten Fischernetzen Fasern gewonnen, die anschließend in Italien zu einem elastischen Gewebe verarbeitet werden. Mitarbeiter eines serbischen Textilbetriebs nähen daraus die Münchner Bikinis. "Crystal Flow" sei nicht das einzige Label, das nachhaltige Bademode herstelle, sagt die Unternehmerin. Das sei aber auch gut so. Denn je mehr Firmen auf grüne Mode umstellten, desto mehr gerieten die großen Anbieter unter Druck. Überhaupt, findet sie, sollte Nachhaltigkeit "kein Alleinstellungsmerkmal" sein. Im Gegenteil: "Eigentlich sollten die Produkte gekennzeichnet werden, bei denen es nicht so ist."

Bei allem Umweltschutz muss Tafelmeier ihre Produkte aber auch verkaufen, gerade in München mit seinen gnadenlosen Lebenshaltungskosten. Vom 30. Juni bis zum 3. Juli stellt sie auf der Messe "Outdoor by Ispo" aus - eine gute Gelegenheit, das Label bekannter zu machen. Neulich habe sie an der Isar bereits eine Frau in einem ihrer Bikinis gesehen, sagt sie, das habe sie stolz gemacht. Es dürften aber ruhig noch mehr werden: im Englischen Garten, in den Bädern, an den Seen. Auch wenn das Wasser da nicht ganz so kristallklar ist.

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