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SZ-Serie: Pixelhelden:Erfolg verleiht Flügel

Angry Birds

Das Handyspiel "Angry Birds Epic" war für Chimera ein großer Erfolg - und half, die Münchner Firma in der global aktiven Branche sichtbar zu machen.

(Foto: Chimera Entertainment)

Die kreativsten Köpfe und erfolgreichsten Macher in Bayerns Welt der Computerspiele. Heute: Die Mediendesigner Christian Kluckner und Alexander Kehr gründeten einst "Chimera Entertainment". Mittlerweile haben sie 60 Mitarbeiter und entwickeln Handyspiele wie "Angry Birds Epic".

Mit einem Luftsegelschiff fing alles an. Und mit zornigen Vögeln hat Chimera Entertainment seine bisher größten Erfolge gefeiert. Ergänzt man noch, dass es in anderen Spielen um einen Grashüpfer, Ufos oder eine fliegende Insel geht, dann klingt das so, als wäre die Luft für das unabhängige Münchner Entwicklerstudio das zentrale Element. Auch sonst hat es in der Geschichte von Chimera an Höhenflügen nicht gemangelt. Zumindest, wenn man den Lara Start-up Award 2007, den Deutschen Entwicklerpreis 2008, 2011 und 2017 und den Deutschen Computerspielpreis 2013 so versteht. Oder auch die Tatsache, dass das von den Münchnern entwickelte Handyspiel "Angry Birds Epic" bis jetzt mehr als 80 Millionen Mal heruntergeladen worden ist. Angry Birds? Genau, das sind diese schrägen, bunten Vögel, denen ständig von einer Horde übler Schweine die Eier geklaut werden, und die es dann mit einer Schleuder zurückzuholen gilt.

Seitdem das finnische Entwicklerstudio Rovio das lustige Handyspiel 2009 erfunden hat, gab es zahlreiche Ableger und 2016 einen Kinofilm. Zwei dieser Varianten, "Angry Birds Epic" (2014) und "Angry Birds Evolution" (2017), hat Chimera im Auftrag von Rovio entwickelt. "Der Erfolg von 'Angry Birds' hat uns auf den Radar einiger großer Publisher gebracht", erzählt Geschäftsführer Christian Kluckner, und dass sie schon "seit vielen Jahren erfolgreich mit populären Marken" arbeiten. Weitere Beispiele sind etwa "John Woo's Bloodstroke" (2014), "Sacred Legends" (2016) oder "Bernd das Brot" (2014). Ein weiteres Erfolgsrezept: Chimera kooperiert von Anfang an mit der Partnerfirma Remote Control Productions. Diese erstellt für sie Marktanalysen und Prognosen, ist für das Business Development und einen Großteil der Administration verantwortlich und hilft zudem in der Produktion aus.

Christian Kluckner

Christian Kluckner gründete die Firma 2006.

(Foto: Chimera Entertainment)

Mithilfe dieser Kooperation, an der auch noch weitere Studios wie Dreamloop oder Redox beteiligt sind, konnte Chimera inzwischen mehr als 20 Handy-, Browser-, PC- und Konsolenspiele realisieren. Das heißt, seit Christian Kluckner das in der Nähe des Stiglmaierplatzes ansässige Entwicklerstudio 2006 noch während seines Studiums an der Münchner Mediadesign Hochschule (MDH) zusammen mit seinem damaligen Kommilitonen Alexander Kehr gegründet hat. Ihr erstes Spiel "Windchaser", in dem der Held im gleichnamigen Luftsegelschiff gegen menschliche Widersacher, Monster und eine uralte, böse Macht losziehen muss, war ihre Abschlussarbeit. Der heute 42-Jährige hatte vor dem Mediendesign-Studium bereits als Softwareentwickler und Dozent für C++ gearbeitet und ein paar Wochen bei einer Computerspielfirma hineingeschnuppert. Und er hat als Teenager, wie es sich gehört, am Amiga, am PC und an der Konsole viel gezockt.

Aktuell arbeitet die Firma an drei neuen Titeln - und stellt sogar neue Leute ein

Während das 2008 erschienene Fantasy-Echtzeit-Strategiespiel "Windchaser", das man mit etwas Glück noch auf DVD-Rom im Internet findet, von gerade mal drei festen Mitarbeiter gestemmt wurde, hat Kluckner heute knapp 60 Mitarbeiter unter sich. Da "die Budgets und damit die Teams im Bereich Mobile Games immer größer werden" und sie, wie sie es meistens tun, aktuell an drei neuen Titeln arbeiten, stellen sie derzeit sogar noch weitere Leute ein. Für eins dieser neuen Projekte, ein PC-Spiel mit dem Arbeitstitel "Realms at War", hat Chimera im vergangenen Februar 500 000 Euro Produktionsförderung vom Film-Fernseh-Fonds Bayern erhalten. Dabei handelt es sich um ein "rundenbasiertes Strategiespiel", in dem der Spieler die Herrschaft über ein kleines Königreich übernimmt. Mit dem Ziel, militärisch und wirtschaftlich die stärkste Macht zu werden und möglichst viele Ländereien zu kontrollieren.

"Das Setting hat große Ähnlichkeit mit dem Technologielevel und der Vielstaaterei des Heiligen Römischen Reiches", erläutert Kluckner. "Allerdings mit vielen fantastischen Elementen und keinem direkten Bezug auf historische Personen oder Ereignisse." Die zugehörige Grafik ist vom ornamentalen Stil des Art Nouveau beeinflusst. Wann das Spiel erscheint, das kann der Münchner noch nicht sagen.

Auch über die anderen, aktuell in der Entwicklung befindlichen Mobile-Game-Projekte verrät er nur so viel: "Sie entstehen in Zusammenarbeit mit internationalen Publishern und basieren auf Marken, die in der Spieler-Community sehr populär sind." Das klingt, als müsste man auf die Auflösung noch etwas warten. Wer will, kann bis dahin ja mit der Windchaser abheben. Oder Schweine vermöbeln. Oder als Grashüpfer "Hoppetee" im gleichnamigen Handyspiel auf einem Hupfball durch die Wälder ziehen.

Alle aktuellen Infos zu den Spielen und Projekten von Chimera sind unter www.chimera-entertainment.de zu finden.

© SZ vom 19.05.2020
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