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Mittlerer Ring:Smarte Lösungen statt monumentale Tunnels

Die Verkehrswelt ist im Umbruch wie selten zuvor. Die Münchner Antwort auf die Herausforderungen darf nicht in Rezepten von gestern liegen.

München bekam drei neue Tunnel am Mittleren Ring, und das war auch gut so. Gerade erst wurde mit dem Luise-Kiesselbach-Platz ein Jahrzehnte altes Bauprogramm abgeschlossen, im Großen und Ganzen souverän, trotz einigen Geknirsches seit der Eröffnung vor einigen Wochen.

Nun debattiert die Stadt wieder über drei neue Tunnel. Doch die Zeit hat sich gewandelt, die Autowelt ist im Umbruch wie kaum je zuvor. Wer auf Münchens Verkehrswege blickt, der bekommt noch nicht viel davon mit: Er sieht, wie eh und je, Autos im Stau, Radler im Überlebenskampf und S-Bahn-Fahrgäste am Rande der Verzweiflung. Was er nicht sieht, ist das, was vielleicht kommt: Elektromobilität im großen Stil, selbstfahrende Fahrzeuge, Radler, die auf eigenen Schnellstrecken durch die Stadt zischen. Erstaunliche Dinge scheinen plötzlich möglich zu sein. Ist das der richtige Zeitpunkt, um sich mit Rezepten von gestern auf Jahrzehnte zu binden?

Mittlerer Ring München

Stadtrat will Tunnel an Landshuter Allee

Die nächste Röhre in München soll durch Neuhausen führen. Die FDP beklagt Verschwendung, die Grünen wollen Tunnel ganz verhindern - mit Hilfe der Bürger.   Von Dominik Hutter

Die Zeit ist reif für eine kleinere Lösung

Die Landshuter Allee ist hierfür das beste Beispiel: Der vormalige Grünen-Landeschef Dieter Janecek zwang die Stadt vor Gericht dazu, wegen zu hoher Schadstoffwerte tätig zu werden. München hat deswegen eine Umweltzone, der Straßenzug neue Tempolimits, ein neuer Tunnel soll kommen, um die Anwohner vor jenen Abgasen zu schützen, die Autos gar nicht ausstießen, würden sie elektrisch betrieben.

München neigt dazu, auf Probleme monumentale Antworten zu geben. Am Ring hat das funktioniert, schon bei der S-Bahn-Stammstrecke spricht einiges dafür, dass man sich an der gigantischen Dimension verhebt. Die Zeit ist reif für die kleinere, smartere Lösung. Am Montagmorgen brach der Berufsverkehr im Süden zusammen. Er staute sich acht Kilometer lang zwischen Stadtgrenze und Candidbrücke. Ein kleiner Unfall legte alles lahm. Die Autos standen derweil in zwei wunderbaren Tunnelbauwerken.