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Mitten in Untermenzing:Berauschende Ideen

Manche Straßenschilder sind begehrter als andere und verschwinden, von Souvenirjägern gestohlen. Die Hanfgartenstraße zählt zu ersteren - nun wird sogar schon über eine Umbenennung nachgedacht

Glosse von Anita Naujokat

Pascal Fuckerieder, Chef des Allach-Untermenzinger Bezirksausschusses, ist es langsam leid. Bereits zum vierten Mal ist das Straßenschild "Hanfgartenstraße" offensichtlich gestohlen worden. Jedenfalls ist es verschwunden. Das kurze und kleine Nebensträßchen verläuft in einfachstem Ausbauzustand unter der Autobahn A 8 zwischen der Gotebold- und der Mälzereistraße, ragt aber doch in zwei Stadtbezirke. Die Goteboldstraße bezieht sich auf den Edlen von Lochhausen, der von einem Kreuzzug im 12. Jahrhundert nicht mehr zurückkehrte, die erst 2015 benannte Mälzereistraße ganz offensichtlich auf die benachbarte Paulaner-Brauerei. Schließlich wird in Mälzereien aus Braugetreide Malz hergestellt, zuständig für die süßen Facetten der Braukunst und die aromatischen Akzente von dunkler Schokolade oder Vanille im Bier.

Und die Hanfgartenstraße? Benamst nach einem alten Flurnamen, erinnert sie an ein weiteres wichtiges Gut: Seit Jahrhunderten werden aus den Pflanzenfasern der Stängel Seile, aus den Samen Speiseöle, aus destillierten Blättern und Blüten ätherische Öle gewonnen. Verwendung findet Hanf in der Medizin, aber auch als Rauschmittel in Form von Haschisch und Marihuana. Jedenfalls werden die Diebe in jenen Kreisen vermutet, die es offenbar witzig finden, sich die Hanfgartenstraßen-Schilder in den Keller zu stellen. Ist ja auch schwer vorstellbar, dass sich ein Hobby-Botaniker das Schild zwischen die Beete in seinem Vorgarten rammt. Oder ein Arzt es für sein Sprechzimmer braucht.

In seiner Not ist SPD-Mann Fuckerieder mittlerweile so weit, laut über eine Umbenennung der Hanfgartenstraße nachzudenken. Etwa die Mälzereistraße zu verlängern. Deren Schilder sind bis dato noch vollzählig vorhanden, Malz ist potenziellen Souvenirjägern denn wohl doch zu klebrig. Auch am Gotebold hat sich noch niemand vergriffen. Oder, sinnierte Fuckerieder in einer Sitzung, einfach den Hanf tilgen und daraus eine Hopfengartenstraße machen. Würde gut in die Gegend passen, zum Sudtempel. Könnte aber auch eine noch größere Fan-Szene auf den Plan rufen, nämlich die Stammtischbrüder.

© SZ vom 27.10.2020
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