Mitten in Schwabing:Kalter Rohbau, warme Brotzeit

Lesezeit: 2 min

An die 200 Handwerker arbeiteten gerade auf der größten Baustelle im süddeutschen Raum - und die haben Hunger

Von Nicole Graner

Menschen blicken nach oben. In den Himmel. Dorthin, wo sich Kran-Arme wie Kraken übereinanderstülpen. Wo riesige Bauelemente über die Leopoldstraße hinweg schweben, um auf ein anderes Bauteil aufgesetzt zu werden. Und man betrachtet die massiven, fensterreichen Betonkartons, die am Schwabinger Tor entstehen. Entdeckt viele Handwerker mit Helmen, die auf Gerüsten in eisiger Kälte hämmern, bohren. Ein Bohren, das man weithin hört, das Alltag geworden ist für viele Menschen im Areal. Wo sich die Handwerker wohl aufwärmen, fragt man sich. In Containern auf der Baustelle. Woher sie wohl etwas Warmes zu essen bekommen?

Zum Beispiel bei einer Bäckerei an der Leopoldstraße 157 - gleich gegenüber den zugigen Rohbauten. 12.15 Uhr. Um diese Zeit ist Hochkonjunktur in der winzigen Bäckerei. Jeden Tag. Es riecht nach Schnitzeln, Fleischpflanzerln und nach gebräuntem Leberkäs. Mannsbilder in Schutzanzügen und orangefarbenen Westen holen sich etwas zu essen oder haben sich an einen der kleinen Tische gezwängt, den Helm beiseite gelegt. Endlich Pause. Endlich warm. Brotzeit machen. "Hier ist es tipp topp", sagt einer von ihnen, der sich gerade ein gefülltes Pitabrot gegönnt hat. Ein anderer schwärmt von den panierten Schnitzeln, die es an diesem Tag gibt. "Echt lecker!"

Seit einem Jahr arbeitet Nicola Hengemann in der Bäckerei. "Seit die Baustelle da ist, kommen sehr viele zum Mittagessen", sagt sie und huscht schnell wieder in die Küche. Die Schnitzel verbrennen ja sonst. Jeden Tag bietet die kleine Bäckerei etwas anderes an. Das wird geschätzt. Und auch, wie zwei Handwerker sagen, die verfroren zur Türe reinkommen und sich die Hände reiben, das vielseitige Angebot. Kann man wohl sagen: Salate, Semmeln, gefüllte Pitabrote mit Frischkäse oder Salami, Schweinsbraten, Sandwiches und - in großen Glasbehältern sortiert - Süßigkeiten. Wie weiße Mäuse. Semmeln und so etwas hat die Bäckerei natürlich auch noch.

An die 200 Handwerker, schätzt einer, der soeben Brotzeit gemacht hat und am Rohbau mitarbeitet, werkeln gerade auf einer der größten Baustellen im süddeutschen Raum. Und die haben Hunger. Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Einen Supermarkt, eine andere Bäckerei und eben die "Stadlers". Manchmal gebe es , sagt der Mann ohne Helm, in den Containern auch Weißwürste. Und seit ein paar Tagen auch noch eine Würstlbude, direkt auf dem Baugelände. Wie die da plötzlich hingekommen sei, wisse er nicht. Er werde sie auf jeden Fall mal ausprobieren. "Also ich komme lieber hierher", murmelt ein anderer Kumpel. Zu Pitabrot und weißen Mäusen. Er hat eine Schnitzelsemmel in der Hand, stülpt sich den Helm im Gehen wieder auf den Kopf und marschiert über die Leopoldstraße. In Richtung Baustelle. Weiter geht's.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema