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Mitten in Schwabing:Die Spur des Sägers

Üben mit dem Fichtenmofa, doch Nachbars Bäume sind tabu

So schön sahen die Gärten noch nie aus im April. Alles gepflegt, beschnitten und bepflanzt. Auch wenn die Kalte Sophie dann am 15. Mai doch ein paar Frostbeulen hinterlassen hat. Aber egal. Jetzt soll es blühen, das Herz erfreuen. Dank Home-Office-Pausen wird also hier gezupft, dort gebuddelt. Hier geschrubbt und dort aufgemulcht. Das Resultat: alles picobello!

Ähnlich ist es auch in Bayerns Wäldern. In Niederbayern etwa. Da ist es auch in Corona-Zeiten "ausdrücklich erwünscht", dass Waldbesitzer ihre Bäume, vor allem die Fichten, im Griff haben. Sie sind sogar verpflichtet, Borkenkäfer- oder Kupferstecher-Bäume zu fällen. Und so kommt es, dass - ähnlich wie in den Gärten - Hochbetrieb herrscht im Wald. Was für ein Sägen! Brmmmm, Brmmmm - von überallher hört man es. Das Fichtenmofa - so heißt die Motorsäge unter Kennern - ist im Einsatz, Tag für Tag von früh bis spät. Und die Bäume fallen reihenweise, Lichtungen entstehen, wo vorher keine waren. Fast ist es so, als ob die Fällmeister einander übertreffen wollten. Als ob sie sich via Säge unterhielten. Nach dem Motto: "Huhu, mein Baum liegt. Und Deiner?" Ob nach Corona überhaupt noch irgendwo Fichten stehen?

Nach Tagen ist er so vertraut, der Klang einer echten Stihl. Das Aufheulen einer großen MS 462 C. Und Frau? Sie bekommt bei diesem Geheule plötzlich selbst Lust, sich mal mit den Künsten der Waldpflege, mit Fällschnitt und Bruchstufe zu beschäftigen. Aber so eine Motorsäge ist echt schwer. Zum Glück gibt es die kleine Schwester der MS 462 C. Und die süße, orangefarbene MS 170 wiegt nur 4,2 Kilo. Hurra!

Dann schon mal im Garten üben. An den Nachbarsbäumen vielleicht, die viel zu viel Schatten spenden. Nein, nein, das geht natürlich nicht. Gut. Dann mit einer kleinen Fichtenausgabe anfangen. Im Wald. Und im grünen Säge-Outfit: einer hübschen Schutzlatzhose!

© SZ vom 27.05.2020

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