Mitten in Schwabing:Das Gelbe vom Himmel

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Wow, wow, wow. . . die Macher des Bauprojekts Schwabinger Tor wecken mit ihren Werbebotschaften am Bauzaun hohe Erwartungen

Von Nicole Graner

Yeah, yeah, yeah". Ach, wenn die Beatles doch nur ihr Lied "She loves you" aus dem Jahr 1963 singen würden! Eine alte Aufnahme der Pilzköpfe via Lautsprecher in die Leopoldstraße übertragen - das hätte Stil. Zehnmal kommt das Yeah in den ersten drei Zeilen des Songtextes vor. Da würde man schon hinhören. Aber: Nix Beatles. Das dreifache symbolische "Ja" ziert nur den "golden-honey-farbenen" Bauzaun am Schwabinger Tor. Und es stehen noch andere Dinge darauf, um die Bürger von diesem Bauprojekt zu überzeugen.

"Wow, wow, wow. . .Freuen Sie sich auf ungewöhnliches Wohnen" steht da. Oder: "Applaus, Applaus. . . Freuen Sie sich auf faszinierende Kulturangebote". Ach, ja. "Lecker. Schmecker" heißt es weiter. Für was das wohl wirbt? Für "einzigartige Gaumenfreunden im Schwabinger Tor". Klingt alles verlockend, verführerisch. Und soll ja, wenn man den Planern glauben darf, tatsächlich auch so kommen. Doch so mancher fragt sich bereits, ob das wirklich alles so schön ist, was da gebaut wird. Ob die bereits stehenden, riesig-weißen Klötze mit transparenten Balkonen und schwarzen Fensterrahmen so ästhetisch sind. Gut, die alte Metrohalle war es wahrlich nicht. Auch nicht das Holiday Inn. Doch reißen es Balkone mit gläsernen Brüstungen raus, nur weil man dort der schönen Blonden beim Sonnen zusehen kann?

Abwarten heißt wohl die Devise. Andere Fassaden werden die neuen Kolosse in Richtung Johann-Fichte-Straße wohl doch noch bekommen. Ein Probe-Stück mit kleinen, braunen Steinflächen an der Ecke zur Leopoldstraße ist schon zu sehen. Und vielleicht kommt es wirklich zu einer Mischung von kleinen Geschäften und großen Anbietern. Bis jetzt sieht man nur das zu Große. Und weißen Einheitsbrei. Vielleicht aber werden Mieter der Penthouse-Appartements und der geförderten Wohnungen zu einer interkulturellen Mixtur. Vielleicht planschen Kinder an heißen Sommertagen in Brunnen, wenn Künstler einen Kaffee vor ihrem Atelier trinken, und vielleicht gibt es einmal einen Kunstflohmarkt.

Dann wäre das alles ein bisschen mehr Schwabing, und man könnte sagen: "Supi. Supi. Supi. Freuen Sie sich auf ein interkulturelles Miteinander im Schwabinger Tor."

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