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Mitten in Ramersdorf:Tante Paula packt Koffer

Beneidenswert sind jene Zeitgenossen, die eine halbe Stunde, bevor die S-Bahn zum Flughafen geht, ihr Zahnbürstl ins Gepäck werfen und lässig tönen, alles Weitere lasse sich überall auf der großen weiten Welt kaufen

Tante Paula fährt nach Amerika und packt ihren Koffer. Sie nimmt mit... Das alte Kinderspiel zur Steigerung von Konzentration und Merkfähigkeit und als Langeweilekiller für quengelnden Nachwuchs auf dem Rücksitz: Daran erinnert sich die Ramersdorferin, die dieser Tage ihre Siebensachen zusammensammeln und - hoffentlich - den Sommer jenseits des Brenners ein wenig verlängern darf. Denn leider hat der liebe Gott vor jeden Urlaub das Packen gestellt. Beneidenswert diese Zeitgenossen, die eine halbe Stunde, bevor die S-Bahn zum Flughafen geht, ihr Zahnbürstl ins Gepäck werfen und lässig tönen, alles Weitere lasse sich überall auf der großen weiten Welt kaufen. Im Übrigen sei so ein Urlaub prädestiniert, sich zu beweisen, wie wenig es braucht, um glücklich zu sein. Bescheiden wie Diogenes.

Unsere Ramersdorferin ist anders. Vorausschauender. Auf alles will sie gefasst, für alles will sie gerüstet sein. Gerade jetzt, im beginnenden Herbst, wo doch jeder weiß, dass Flipflops allein nicht reichen werden als Schuhwerk für die nächsten Tage. Es könnte auch regnen dort unten im Süden, stürmen oder schneien gar. Man könnte sich am Meer aufhalten, abends aber fein essen gehen. Für eine Ausstellung in einer toskanischen Metropole braucht es ein anders Outfit als für einen Spaziergang durch Olivenhaine. Und die Italienerin an sich ist ja immer wie aus dem Ei gepellt und modisch up to date. Der Pulli aus dem vergangenen Jahr geht da gar nicht. Im Geiste packt die Ramersdorferin daher bereits seit Tagen. Was für ein Stress. Sie ist jetzt echt urlaubsreif. Tante Paula lässt grüßen!

Weil sie am Ende doch nur so wenig mitnehmen kann, muss jedes Stück zu jedem passen: Blaue Hose und schwarzer Pulli? Ne! Alles blau oder alles schwarz. Noch mal von vorne. Tante Paula hat die Hälfte vergessen. Der Ramersdorferin fällt ein, wie viel sie nach dem vergangenen Urlaub ungetragen ausgepackt hat, aber bügeln musste: Es war alles ganz verschrumpelt. Also jedes zweite T-Shirt wieder raus aus dem Stapel: Tante Paula packt um. Kommt der Göttergatte ins Schlafzimmer, faltet drei Hemden zusammen, fertig. Onkel Paul kann es eben besser! Aber mit ihm wäre das gute alte Kinderspiel echt fad.