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Mitten in Pasing:Fahndungsaufruf nach dem Wappen

Als der heutige Stadtteil zur Stadt erhoben wurde, brauchte diese ein heraldisches Emblem. Nach langem Ringen wurde es dann endlich fertig - und ist jetzt gerade verschwunden

Ist es überhaupt jemandem aufgefallen? Das Wappen der ehemalig selbständigen Stadt Pasing, das bislang den Balkon des Pasinger Rathauses zierte, ist verschwunden. Dahinter steckt jedoch keine Böswilligkeit der großen Landeshauptstadt München, welche, wie unlängst OB Dieter Reiter (SPD) bei seiner Bürgersprechstunde in der Anne-Frank-Schule, auf die stets präsente Pasinger Autonomie-Nostalgie immer ein wenig spöttisch, wenn auch liebevoll blickt. Nein, das Wappen wurde im Zuge von Malerarbeiten vom Balkon-Geländer abmontiert. Die fanden jedoch im vergangenen Frühjahr statt, was schon ein Weilchen her ist. Das Wappen allerdings ist bislang nicht wieder zurückgekehrt, was die SPD-Fraktion im Bezirksausschuss jetzt kritisch anmerkte und nun per Antrag eine "baldmöglichste Wiederherstellung" fordert.

Weil mutmaßlich nicht nur viele Pasinger keinen blassen Schimmer haben, wie das Wappen aussieht, sondern auch die städtischen Maler womöglich erst einmal danach suchen müssen, hier die knappe Beschreibung für einen Fahndungsaufruf: Das Schild hat eine dunkelgrüne, verschnörkelte Einfassung, diese umflort ein Oval, auf dem ein weißer Burgturm mit drei Zinnen zu sehen ist, der sich vom roten Untergrund abhebt. Am Fuß des Turms sieht man ein blaues Band.

Wer sich jetzt fragt, was das alles mit Pasing zu tun hat, wo doch die nächste Burg nachweislich in Obermenzing steht - mit dem Wappen hat es Folgendes auf sich (nachzulesen, wie immer, im Heft 1988 des stets kundigen Pasinger Archivs): Am 1. Januar 1905 wurde Pasing zur Stadt erhoben. Allgemeine Begeisterung, dumm nur, dass ihr ein eigenes Stadtwappen fehlte. Was folgte, war ein wahrer Sitzungsmarathon der Ratsherren, Entwürfe etwa des Freiherrn mit dem schönen Namen von Reitzenstein wurden erstellt, dann wieder verworfen von einer heraldischen Kommission, der ein Major, aber auch die Kunstmaler Orth und Fuhrmann angehörten.

So ging's hin und her im Magistrat. Eine enervierende Angelegenheit, bis schließlich ein gewisser Professor Hupp aus Schleißheim, ein Heraldiker, die zündende Idee hatte. Er erinnerte sich an das alte Pasinger Schloss, dessen Reste noch heute auf der Klosterinsel zu sehen sind. So fand der Schlossturm (weiß) aufs Wappen, stolz stehend auf einer wasserumspülten (blau) Würminsel (grün). Das Ganze vor rotem Hintergrund, was zur damaligen Zeit noch kein politisches Statement sein konnte. Im August 1908 schließlich erreichte die Stadt Pasing die Mitteilung aus dem königlichen Ministerium des Innern, dass "der Entwurf von Prof. Hupp aus Schleißheim die Genehmigung seiner kgl. Hoheit des Prinzregenten gefunden" habe.

Und jetzt, mehr als 110 Jahre später, müssen die Maler das Wappen nur noch wiederfinden.