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Mitten in Pasing:Auch die Tauben lassen Federn

Ob Falkenschreie vom Band oder eine eigene Hütte wie am Obermenzinger Bahnhof: Lösungen gegen die Plage erweisen sich, in jeder Hinsicht, als schwierig

Kolumne Von Jutta Czeguhn

An dieser Stelle haben wir uns schon des öfteren mit den Tauben vom Pasinger Bahnhof beschäftigt, etwa von Abwehrmaßnahmen durch Falkenschreie vom Band oder dem nicht zustande gekommenen Einsatz von Wüstenbussard-Weibchen berichtet. Auch um die Taubenplage in Obermenzing ging es hin und wieder. Deshalb der bisherige Stand hier noch einmal grob zusammengefasst: Am Pasinger Bahnhof leben seit undenklichen Zeiten viele Tauben, weshalb sich die Stadtteilpolitiker ganz vehement ein Taubenhaus dort wünschen. So eines, wie es etwa nahe der Obermenzinger S-Bahn-Station bereits steht. Allerdings ist dort alles irgendwie schiefgelaufen, es gibt mehr Tauben denn je, und sie wohnen nicht in der eigens für sie erbauten Holzhütte auf der Wiese neben dem Männerwohnheim, sie bevorzugen das laute Quartier unter der Eisenbahnbrücke an der Verdistraße.

Im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing wurde jetzt ein Papier verteilt, auf dem fotografisch das ganze Vogelproblem dokumentiert ist: weitgehend leere Verschläge, nur vereinzelt ein paar verdorrte Nest-Knäuel, keine Taube, nirgends. Thorsten Kellermann (Grüne) hat die Fotos an kundige Ornithologen gesandt, und mittlerweile eine, wie er dem Gremium jetzt leider berichten musste, ziemlich ernüchternde Antwort von den Vogelexperten bekommen: Das Obermenzinger Taubenhaus stehe an einer "denkbar ungeeigneten Stelle". Was tun? Marder anheuern, die die Tauben jagen, wie jemand bei einer Ortsbegehung mit den Stadtteilpolitikern vorschlug? Nein, man will nun Netze unter die Eisen-Netze unter der Unterführung spannen lassen, zahlen soll die Bahn.

Die DB. Die Stadtteilpolitiker hatten so viel Hoffnung in die Bahn gesetzt, wie man vernünftigerweise setzen kann, also eher minimal viel, dass die Stationsverantwortlichen einen geeigneten Taubenhaus-Standort am Pasinger Bahnhof auftun. Sie wurden zumindest nicht enttäuscht: Die Bahn, so die neueste Nachricht, sieht den Grund für so ein Projekt eher außerhalb ihres Geländes. So geht die Suche nun von Neuem los. Immerhin konnte Lorenz Strohmeier (CSU) eine Beobachtung weitergeben, die manchem etwas Hoffnung macht: Auf dem weitgespannten Dach seines Bachbauernhofs am Manzinger Weg, wo die Bahnhofstauben gerne einen Teil des Tages verbringen, hat er in den vergangenen Monaten insgesamt weniger Vögel gesichtet. Wohl weil der Taubenpopulation in den vergangenen Corona-Monaten am verwaisten Pasinger Bahnhof schlicht das Futter ausgegangen ist. Ein Phänomen, vor dem Tierschützer gewarnt hatten.

© SZ vom 10.07.2020

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