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Mitten in Nymphenburg:Genetik in der Küche

Das Gefrierfach ist voll mit Kolatschen, Brownies und Dinkelbrot - neuerdings auch mit der DNA einer Banane

Glosse von Jutta Czeguhn

Vergangenen Sonntag haben wir klassische Kolatschen nach dem Rezept der mährischen Oma gebacken, mit echtem Powidl. Zuvor Brownies aus der Packung (bio). Und davor? Was war das noch gleich? Dinkelbrot? Egal, im Tiefkühlfach wird es schon irgendwann wieder auftauchen und auftauen, wenn der Backwahn und der Kochwahn irgendwann überstanden sind. Was steht heute an? "Smørrebrød, Smørrebrød røm, pøm, pøm, pøm." Wie der dänische Koch in der Muppet-Show, der ja eigentlich Schwede war, haben wir alles schon mal zusammengekramt und sorgfältig auf dem Küchentisch ausgebreitet.

Als da liegen: ein Teelöffel, ein Esslöffel, eine Küchenrolle, Kochsalz, Spülmittel, ein Glas, Hand-Desinfektionsmittel, Plastiktüte mit Verschluss (Gefrierbeutel), ein Trichter (geht zur Not auch ohne), Reagenzglas oder ein Schnapsglas. Und dann natürlich die Banane. Denn sie ist der Hauptdarsteller in diesem Küchen-Experiment, welches sich auf der Homepage vom Museum Mensch und Natur im Schloss Nymphenburg findet, das ja nun "Biotopia-Naturkundemuseum Bayern" heißen und 2023 größer und schöner dastehen soll. Aktuell ist natürlich geschlossen, aber online (www.biotopia.net) wird die Zukunft schon heute gemacht im "Biotopia Lab für Zuhause". Wissenschaft zum Anfassen, wie bei Prof. Dr. Honigtau Bunsenbrenner, um noch mal die Muppets zu zitieren. Deshalb werden wir heute nicht backen, sondern die DNA einer Banane isolieren.

Wie Bunsenbrenner den "Beaker" haben auch wir einen Assistenten an der Seite, der aber hoffentlich nicht in die Luft fliegen muss. Nach Anleitung der jungen Dame im Biotopia-Video schält Beaker zunächst die Banane, mehr als die Hälfte darf er essen, die andere kommt in den Gefrierbeutel, zusammen mit einem Teelöffel Salz, einem Esslöffel Spüli und 20 Milliliter Wasser. Der Beutel wird verschlossen, den Inhalt darf Beaker zermanschen, was ihm große Freude bereitet.

Nun folgen noch etliche Schritte, das Ganze ist einfacher als das Kolatschn-Backen übrigens. Wir zappen für die Leser aber schon mal nach vorne: Im Schnapsglas sieht man irgendwann zwei Schichten, die untere, sagt Madame Bunsenbrenner im Video, das sei das Bananenfiltrat, dort sitzt die DNA, die obere sei das Desinfektionsmittel. Dumdidumdidum.

Dann heißt es warten, bis sich zwischen Schicht eins und zwei eine weitere kleine Schicht bildet. Nach ein paar Minuten konzentrierten Glotzens erkennen wir sie, die DNA-Fäden unserer Banane. Beaker fischt sie andächtig mit einem Zahnstocher aus dem Glas und verklappt sie behutsam im Gefrierfach. Dort warten sie nun im häuslichen Permafrost zwischen Brownies, Omas Kolatschen und jeder Menge Dinkelbrot auf Tauwetter.

© SZ vom 21.01.2021
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