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Mitten in München:Die Stunde der Mediatoren

Wer nicht mehr weiter weiß, gründet einen Arbeitskreis - oder greift auf die Dienste eines erfahrenen Vermittleres zurück

Von Jürgen Wolfram

Die Sommerferien sind angezählt. Ein paar Tage noch, und es geht wieder rund in den Schulen der Stadt. Leider ist das kein rein akustisches Problem. Da das Einüben friedlicher Koexistenz nicht immer und überall reibungslos funktioniert, ist wie gehabt mit handfesten Konflikten unter den Schülern zu rechnen. Wenn sich Viertklässler zanken, bis die Fetzen fliegen, wenn Max dem Paul statt eines klärenden Gesprächs einen Satz heißer Ohren anbietet, dann spätestens wäre ein Mediator gefragt.

Doch wer soll das sein? Den Lehrern fehlt die Zeit, sich auch noch um den Stoff und Zoff jenseits des Klassenzimmers zu kümmern, und die Eltern sind fern. Dafür kommen an immer mehr Münchner Grundschulen externe Streitschlichter ins Spiel: Seniorpartner in school. Das sind ehrenamtliche Helfer, mindestens 55 Jahre alt, mit einer Menge Lebens- und Berufserfahrung. Im Namen ihres Vereins schlagen sie eine "solidaritätsstiftende Brücke zwischen den Generationen". Allein: Es gibt noch viel zu wenige von ihnen, Verstärkung dringend gesucht.

Wichtige Pfeiler, auf denen das Engagement der Konfliktlöser basiert, sind Geduld, Zeit und Vertrauen. Näheres in 80-stündiger Einweisung. Die Mediatoren treten aus Gründen der Selbstkontrolle stets zu zweit auf, wenn sie Schülerinnen und Schülern beibringen, wie man Konflikte selbständig und gewaltfrei beilegt, einen achtsamen und wertschätzenden Umgang miteinander pflegt. Wichtige Lernziele, die jede Gesellschaft teilen sollte.

Schon erhebt sich die Frage, ob das Modell der Seniorpartner in school nicht auf die Kommunalpolitik übertragbar wäre. Seniorpartner in town hall, sozusagen. Haben sich die Fraktionssprecher mal wieder heillos im Gegensätzlichen verrannt, statt nach dem gemeinsamen Nenner zu suchen, könnte aus dem Nebenraum ein Mini-Rat der Weisen hinzu treten - um der Debatte eine versöhnliche Wendung zu geben. Fraglich bleibt, ob so gravierende Konflikte, wie beispielsweise derjenige um die Tram-Westtangente, lösbar wären. Aber vielleicht würde der Ton beim Austausch der Argumente seltener entgleisen.

© SZ vom 07.09.2016
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