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Mitten in der Messestadt:Risiken und Nebenwirkungen

Erstaunlich, vom Impfen gegen das Coronavirus kann man auch ordentlich Muskelkater in den Beinen bekommen

glosse Von Berthold Neff

Es ist ja in diesen Tagen leider so, dass man angesichts der vielen Opfer, die um die Luft zum Leben ringen, sehr wohl Angst hat vor diesem Virus. Und dann kommt plötzlich der Tag, an dem einem der erste Schritt zum Schutz erlaubt wird - die erste Impfung gegen Corona. Da laufen die Gedanken durcheinander, vor allem dann, wenn man sich in den Weiten des Internets die echten oder getürkten Berichte über die Nebenwirkungen anschaut. Die eine Gesichtshälfte kurzzeitig gelähmt, Schmerzen im Oberarm, Schwindel, grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost oder, leider auch das, Thrombosen im Gehirn. Das können offenbar die - seltenen - Nebenwirkungen nach dem Impfen sein.

Dass es auch Nebenwirkungen davor gibt, wird einem schnell klar, je näher der Termin in den Hallen der Messestadt Riem rückt. Es beginnt mit einer hartnäckigen Schlaflosigkeit, die vom Vollmond noch befördert wird und kurzzeitige Schweißausbrüche generiert, garniert mit urplötzlich aufsteigenden Panikgefühlen, die ein kaum zu bändigendes Fluchtverhalten auslösen. Zum Glück hat der Shuttle-Bus 99 zum Impfzentrum seine Türen schon geschlossen, es gibt kein Entrinnen mehr.

Und da ist auch noch leider diese leichte Form der Trypanophobie, also der Angst vor Spritzen. Die hat durchaus ihr Gutes, denn allein der Gedanke, sich eine Droge intravenös zu verabreichen, treibt einen an den Rand der Ohnmacht. Bloß nicht sich vorstellen, wie man den Arm abschnürt, damit die Venen dick hervortreten und die Nadel ihren Weg ins Blut findet. Diese Phobie war bisher die beste Drogenprävention, zumindest was Heroin und dergleichen betrifft.

Aber soll sie jetzt im Kampf gegen Corona zum Bumerang werden? Nein, man schreitet frischen Mutes durch schier endlose Hallen, wendet sich nach links, nach rechts, schreitet durch diverse Labyrinthe - und krempelt dann vor der Ärztin brav den Ärmel hoch. Leider fragt sie: "Sind sie Links- oder Rechtshänder?" Offenbar will sie einem für den Fall, dass der Arm dran glauben muss, zumindest den besser brauchbaren erhalten. So schlimm ist es also. Aber was soll's, Augen zu und durch. "So, das war's", sagt sie dann, es ist einfach unglaublich. Nichts gespürt. Und es fließt nicht mal ein ganzer Blutstropfen, sodass sie das Pflästerchen neben die Einstichstelle klebt.

Abschließend muss aber doch noch von einer Nebenwirkung nach der Impfung berichtet werden - ein deutlicher Muskelkater in den Beinen. Offenbar war der kilometerweite Hin- und Rückweg durch die Hallen zu weit für jemanden, der aus dem Home-Office kommt.

© SZ vom 29.04.2021
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