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Isarvorstadt:Zurück in ein München, das es nicht mehr gibt

Reichenbachstraße in München, 2018

Die Reichenbachstraße hat sich sehr verändert in den vergangenen Jahren.

(Foto: Robert Haas)

Unsere Autorin kehrt voller Nostalgie zurück zu ihrer Studentenwohnung in der Reichenbachstraße. Mit dem Innenhof, der so viele Geschichten erzählen könnte.

Es war eine ganz spontane Idee. Dorthin zu gehen, wo man lange gewohnt hat. Wo mit der klitzekleinen Studentenbude die erste Freiheit begann: in die Reichenbachstraße. Das Haus in neuer Farbe, der Hof neu gepflastert. Die vielen Fenster, die in der lauen Sommernacht ganz unterschiedlich erleuchtet sind - es müssen noch immer viele Mini-Appartements sein. Aber ob die Bewohner jetzt eine eigene Toilette haben?

Damals waren die auf dem Gang. Die Duschen im Keller. Und da sind sie plötzlich, die Erinnerungen. So als ob es heute wäre: Wie einst eine Frau in jener Dusche ihre fünf Hunde shampoonierte. Ein junger Mann, nur bekleidet in einem Tiger-Muster-Tanga mitten im Winter den Lift nach unten zur Dusche nahm. Da standen Stühle auf dem Gang im zweiten Stock. Manchmal waren sie besetzt. Menschen warteten, dass die mit großer Glitzer-Brille ausgestattete Wahrsagerin für sie in die Zukunft blickte.

Dieser Hof: Was hätte er für Geschichten zu erzählen! Im Mülltonnenhäuschen, das es heute noch gibt, brannte es einmal lichterloh. Die Feuerwehr rückte aus. Überall Schläuche. Und dann stand eines frühen Morgens doch tatsächlich ein Sarg im Hof. Was für ein Schreck! Ein Krimi - war es der Tatort? - wurde gedreht. Mit Evelyn Hamann. Auch diese Toreinfahrt birgt Erinnerungen. An viele Gespräche mit dem Vater, der die Studentin von daheim wieder in die Bude brachte. Mit frisch gewaschener Wäsche. Torbogen-Gespräche wurden sie genannt.

So vieles hat sich verändert. Auch in der Straße. Einst gab es an der Ecke zur Fraunhoferstraße einen "Wienerwald". Und einen Bäcker, der so große Torten kreierte, dass die Stücke riesig ausfielen - und schon beim ersten Naschversuch den Mund zusammenkleben ließen. Seine Semmeln holte er mit dem Fahrrad, im blauen Kittel, von ganz woanders her. Ein Geschäft, dass alles für den Modelleisenbahn-Liebhaber hatte, gab es auch noch. Auch das ist weg. Kein Wunder, war gefühlt nie jemand drin. Dafür gibt es doch tatsächlich noch den Eso-Laden - mit Pendeln und Kristallen. Ja, und da war die Gerti. Die Postbotin, die einem schon von weitem zurief, wenn es Post gab vom Geliebten aus Übersee. Ach, was war das für eine schöne Zeit. Eine andere.

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