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Mitten im Olympiadorf:Augen zu und durch

Kann man als Fahrer eines 36-Tonners über den Fußweg brettern und hoffen, dass die Decke hält? Ja, aber nur einmal, dann ist Endstation

Neulich haben Leute im Bett ihrer Nachbarn einen Tiger gefunden. Er freute sich erkennbar, dass er aus seinem überschwemmten Nationalpark hinaus- und in das trockene Häuschen hineingefunden hatte. Gut, das war in Indien, und da tobt dieses Jahr ein recht heftiger Monsun. Hierzulande hat man den Tiger eher im Tank. Entsprechend sportlich war ein 36-Tonner im Olympiadorf unterwegs, wo Autos eigentlich nur auf den vier Fahrstraßen unter den Gebäudezeilen etwas zu suchen haben. Ebenerdige Wege sind für Fußgänger und Radler reserviert.

Der Fahrer des Speziallasters aber ließ sich von derlei Vorgaben nicht beeindrucken. Er fuhr einfach so lange über Fußgängerwege und -brücken, bis sein Lkw zwischen zwei Pfosten hängen blieb. "Zur Befreiung des Fahrzeugs mussten zwei Schranken abgetrennt werden. Die Brücke wurde statisch untersucht", teilt der Olympiadorf-Dienstleister ODBG dazu lakonisch mit. Die Laster-Irrfahrt war bei Weitem nicht die erste. Beschädigte Bäume, angefahrene Brückenbrüstungen, kaputte Lkw-Reifen listet der Bericht auf. Vergangenes Jahr hatte ein Unternehmen sich sogar eine Baustellenzufahrt für Betonmischer angelegt. "Plötzlich war eine Dieseltankstelle aufgebaut", schreibt die ODBG, Ölflecken auf Wiese und Pflaster inklusive.

Einfallstor für Kamikazefahrer sind die schmalen Feuerwehrwege, die parallel zu den Fahrstraßen verlaufen. Dort sollen Schranken eigentlich das Schlimmste verhindern, doch im Lauf der Jahre hat sich vermutlich jeder Olympiadorfbewohner einen Nachschlüssel besorgt, falls er mal Handwerker braucht oder einen Umzugswagen. Der ODBG ist es jetzt zu viel geworden mit all dem Lastwagen-Stoppen und Schäden-Reparieren. Sie hat die Schlösser ausgetauscht und bei der Branddirektion eine Feuerwehrschließung beantragt. Für die meisten großen Brummer dürfte damit an den Schranken wieder Endstation sein. Ein Tiger wäre natürlich nicht so leicht auszubremsen. Aber noch hält sich der Monsun in Mitteleuropa glücklicherweise in Grenzen.